{"id":14584,"date":"2012-06-10T00:12:13","date_gmt":"2012-06-09T22:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14584"},"modified":"2012-06-10T00:12:13","modified_gmt":"2012-06-09T22:12:13","slug":"lenz-oder-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14584","title":{"rendered":"Lenz oder die Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Lenz oder die Freiheit&#8221;, ist ein siebenhundert Seiten Roman von Stefan Heym, \u00fcber die Badische Revolution von 1848, an dem ich seit Ostern gelesen und nicht sehr verstanden habe. Wird hier ja die Historie mit der Fiktion vermengt und w\u00e4hrend es die meisten Hauptpersonen des Buches, gegeben zu haben scheint, Marx und Engels kommen vor, habe ich einen Dichter namens Andreas Lenz bei Wikipedia nicht gefunden, der von B\u00fcchner ist ein anderer und in der Geschichte der Badischen Revolution kenne ich mich auch nicht aus. Habe aber verstanden, da\u00df sie niedergeschlagen geworden ist und Stefan Heym,  erz\u00e4hlt in seinem in Englisch geschriebenen, 1964 erschienen &#8220;Lenz Papers&#8221; diese Geschichte lang, breit und sehr genau.<br \/>\nIn dem btb Buch aus der Thalia Halbpreiskiste steht etwas von einem feurigen Rebell und Schw\u00e4rmer zwischen zwei Frauen, Josepha aus dem Volke und der j\u00fcdischen Bankierstochter Leonore Einstein. Einen Prolog gibt es auch. Da findet 1944 ein junger Soldat auf einem amerikanischen Friedhof das Grab und sp\u00e4ter die Papiere seines Gro\u00dfvaters &#8220;Andrew Lenz und die Geschichte der niedergeschlagenen Freiheit beginnt.<br \/>\nEs gibt vier B\u00fccher und noch einen Epilog, dazwischen Landkarten um das Kriegsgeschehen zu erkl\u00e4ren und die Kapitel beginnen immer wieder mit Briefen,  Aufzeichnungen und Dokumenten, von denen mir nicht ganz klar war, was da jetzt fiktiv und was historisch ist.<br \/>\nSo habe ich mir mit dem Lesen ein bi\u00dfchen schwer getan, wenn ich auch nicht soweit gehe, wie ein Amazon Rezensent, der von etwas &#8220;zwischen Karl May und Rosemunde Pilcher&#8221; schreibt. Aber Stefan Heym hat da einen sehr machtvollen, manchmal auch etwas derben Roman geschrieben, in dem es um die Freiht geht und mehrere Personen und mehre Handlungsstr\u00e4nge entwickelt werden. Andreas Lenz zwischen den zwei Frauen, Leonore, die seinetwegen und der Revolution wegen, ihr Vaterhaus verl\u00e4\u00dft, der Bankier tut sehr viel, um sie zur\u00fcckzuholen, sie wird von Lenz aber auch schwanger, was 1848 f\u00fcr ein b\u00fcrgerliches M\u00e4dchen wahrscheinlich nicht sehr einfach war und verhilft den gefangen genommenen Lenz schlie\u00dflich auch zur Flucht, so da\u00df er in Amerika sterben kann, ist einer. Es gibt aber auch den Soldaten Christoffel, sehr viel Krieg, Gewalt  und Niederlage und manchen sch\u00f6nen Dialog \u00fcber die Freiheit. Marx und Engels treten, wie beschrieben auf. Leonore singt sehr interessante Wiegenlieder &#8220;Und wenn sie dich fragen, wo ist Absolon, sollst du ihm sagen, ach er h\u00e4nget schon, er h\u00e4ngt an keinem Baume, er h\u00e4ngt an keinem Strick, er h\u00e4nget an dem Traume, der deutschen Republik&#8221; oder den Diskurs, ob ein Arbeiter, eher was zu essen als die Freiheit braucht.<br \/>\n&#8220;Was ist sie dem armen Arbeiter, der nicht wei\u00df, wo er das n\u00e4chste St\u00fcck Brot f\u00fcr seine Familie nehmen soll? &#8211; ein leeres Wort. Gib ihm Arbeit und einen Lohn, der ihn vor dem Verhungern bewahrt, und dann fang an, mit ihm \u00fcber Ideen zu reden.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ich glaube eher an deinen Pferdehimmel als an einen Himmel f\u00fcr Menschen. Wenn ich mir vorstelle, da\u00df ich dort oben die gleiche Bande von Offizieren und Herren und Gutsbesitzer, und da\u00df ich sie f\u00fcr alle Ewigkeit um mich herum haben soll und sie mir sagen, wie ich meine Harfe zupfen und mit den Fl\u00fcgeln zu wedeln hab und mich losschicken, ich soll die Wolken sauberfegen und ja nicht vergessen, den verrosteten Stern da zu polieren, und da\u00df du dich ja sputest! &#8211; nein, vielen Dank!&#8221;<br \/>\nDer 1913 geborene Stefan Heym floh vor der Nazi Diktatur nach Amerika und verlie\u00df das Land wegen der Mc Carthy \u00c4ra und kam 1952 in die DDR, wo die Demokratie und Freiheit, wie wir inzwischen wissen, auch nicht so ganz funktionierten und die Herausgabe des Buches umstritten war.<br \/>\nWieso die Lenz Papers dann auf Englisch geschrieben wurden, habe ich auch nicht ganz verstanden. Das Buch ist auch verfilmt worden und von Stefan Heym gibt es noch andere bedeutende Werke, so den Roman &#8220;Colin&#8221;, den ich schon lang gelesen habe, ich habe auch noch andere B\u00fccher von ihm.<br \/>\nSchade, da\u00df ich in das Buch nicht richtig hineingekommen bin, sondern eher dr\u00fcber gelesen habe. Die Mannheimer Allgemeine Zeitung, nennt es  aber &#8220;Ein Bekenntnis zur Demokratie gerade wegen seiner Wahrhaftigkeit und seines Feuers. Es ist ein Roman, der die Demokratie verherrlicht, nicht in ihrem Glanz, sondern in ihrer notwendigen Unzul\u00e4nglichkeit.<br \/>\nAber wahrscheinlich tue ich mir mit Revolutionsromanen \u00fcberhaupt ein wenig schwer, wenn sie den blutigen Kampf f\u00fcr die Freiheit und die Opfer, die man daf\u00fcr bringen mu\u00df, beschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Lenz oder die Freiheit&#8221;, ist ein siebenhundert Seiten Roman von Stefan Heym, \u00fcber die Badische Revolution von 1848, an dem ich seit Ostern gelesen und nicht sehr verstanden habe. 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