{"id":14352,"date":"2012-05-30T09:09:54","date_gmt":"2012-05-30T07:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14352"},"modified":"2012-05-30T09:09:54","modified_gmt":"2012-05-30T07:09:54","slug":"kleiner-mann-was-nun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14352","title":{"rendered":"Kleiner Mann &#8211; was nun?"},"content":{"rendered":"<p>Hans Falladas  1932 geschriebener Roman &#8220;Kleiner Mann &#8211; was nun?&#8221;, stand auf dieser <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/22\/neue-wege-oder-standortklarung\/\">Buchschenkerliste<\/a>, die es in Deutschland zum Tag des Buchs gegeben hat, 25 B\u00fccher wurden da ja in je drei\u00dfig St\u00fcck Kisten von B\u00fccherfreunden an Passanten und andere verteilt, meines ist aber der sch\u00f6ne Band eins, der rororo Taschenbuchausgabe von 1950, wobei sich sch\u00f6n nur auf die Ausgabe bezieht, das Leinenb\u00e4ndchen und das schnukkelige Umschlagbild, ein Paar auf einer Bank, er mit Hut und schwarzen Anzug, sie mit langen blonden Locken und wei\u00dfen Str\u00fcmpfen, ein V\u00f6gelchen singt dazu, mein aus dem B\u00fccherschrank gezogenes Exemplar wirkt dagegen schon ein bi\u00dfchen abgelesen &#8220;Mit den besten W\u00fcnschen zum Namenstag, 26. 7. 1960 von ihrem alten Nachbar Moritz Lamm&#8221;, hat jemand mit Bleistift und in Kurrent auf die erste Seite geschrieben und Lamm passt sehr gut zu L\u00e4mmchen und so hei\u00dft auch die Hauptperson, des Romans mit dem Hans Fallada, beziehungsweise Rudolf Ditzen, ber\u00fchmt geworden ist und mit dem er sehr viel \u00fcber die kleinen Leute, die Arbeitslosigkeit und Deutschland knapp bevor die Nazis kamen, erz\u00e4hlte und die zeichnen sich schon an, immer wieder wird in dem Buch von ihnen und denn K\u00e4mpfen, die sie sich mit den Kommunisten geliefert haben, erz\u00e4hlt und wenn man den Roman gelesen hat, kann man das, was nachher kam, vielleicht auch verstehen, denn wie hei\u00dft es auf Seite  283 &#8220;Der Mensch ist so, er lernt nichts zu, er macht immer wieder diesselben Dummheiten. Ich auch!&#8221;<br \/>\nBeginnen tut es aber fast so romantisch, wie auf dem Titelbild, vor der Praxis des Frauenarztes Dr. Sesam in einer kleinen Stadt. Da wartet Johannes Pinneberg auf sein L\u00e4mmchen, gibt es schon als seine Gattin aus und geht mit ihr als Privatpatient zum Herrn Doktor, da kommen sie vor den drei\u00dfig Kassenpatienten dran und werden von ihren beschimpft, von der Schwester, aber als Schwiegersohn und Schwiegertochter des Herrn Doktors ausgegeben und Pinneberg gesteht diesen mit roten Ohren, da\u00df sie, was f\u00fcr die Verh\u00fctung machen wollen, weil noch nicht soviel Geld. Aber daf\u00fcr ist es schon zu sp\u00e4t, weil L\u00e4mmchen schon im zweiten Monat und der kleine Murkel schon ein bi\u00dfchen da. F\u00fcnfzehn Mark zahlen sie f\u00fcr dies Auskunft und bekommen sie nicht von der Kasse zur\u00fcck und Pinneberg bietet seinem L\u00e4mmchen an, sie zu heiraten. Er ist Angestellter, Buchhalter, gelernter Verk\u00e4ufer der Herrenmode, sie verkauft auch, kommt aber aus einer Arbeiterfamilie, der Bruder ist Kommunist und der Vater fragt den k\u00fcnftigen Schwiegersohn gleich einmal, ob er bei der Gewerkschaft ist? Ist er und dann geht es mit den Betten und sonstigen Hausrat, statt der Mitgift nach Ducherow, wo er bei einem Getreideh\u00e4ndler arbeitet, aber das ist ein Problem, denn der will ihn mit seiner nicht besonders sch\u00f6nen Tochter verheiraten, so zieht er aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, den Ring vom Finger und steht am Ende doch ohne Arbeit da. Es gibt aber einen Ausweg, seine Mutter in Berlin, die zwar einen schlechten Ruf und als Bardame gearbeitet hat, aber als L\u00e4mmchen ihr schreibt, kommt ein Brief, das Paar soll nach Berlin kommen, sie hat eine Stelle als Verk\u00e4ufer in einem Kaufhaus f\u00fcr ihn. Das ist zwar ein bi\u00dfchen gelogen und f\u00fcr das Zimmer mit dem roten Pl\u00fcschbett, will sie auch hundert Mark Miete haben. Sie hat aber auch einen Freund und der verschafft Pinneberg die Stelle und zahlt auch noch die Miete, denn Pinneberg bekommt als Verk\u00e4ufer nur hundertsiebzig Mark, wo eer doch mit zweihundertf\u00fcnfzig rechnete und weil es sich das L\u00e4mmchen so sehr w\u00fcnschte, kaufte er auch noch die Frisierkommode, obwohl man sowas in Zeiten der Bubik\u00f6pfe, wie Mamma Mia sagt, gar nicht mehr braucht. Sie bekommen dann auch eine andere Wohnung, \u00fcber einem Kino, die nur mit einer Leiter zu erreichen ist und im Gesch\u00e4ft ist es auch nicht rosig, denn da wird ein Organisator eingestellt und der f\u00fchrt eine Quotenregelung ein, wenn man nicht f\u00fcr so und so viel Mark verkauft, fliegt man am Ende des Monats hinaus und ich dachte, sowas gibt es erst seit Mc Kinsey.<br \/>\nDas f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu Spannungen unter den Verk\u00e4ufern, das Paar bem\u00fcht sich aber sehr und L\u00e4mmchen stellt sogar einen Ausgabeplan auf, wieviel sie aus dem gemeinsamen Haushaltstopf f\u00fcr Essen, Rauchen etc entnehmen d\u00fcrfen und was sie sonst an Kosten haben. Pinneberg hat auch einen Freund unter den Verk\u00e4ufern und der f\u00fchrt ihn, w\u00e4hrend L\u00e4mmchen im Entbindungsheim liegt, in einem Freik\u00f6rperclub, was mir nach dem heutigen Geschmack, ein wenig zu \u00fcbertrieben scheint, aber vielleicht war das damals so in Zeiten, als die M\u00e4nnern noch nicht auf die Entbindungsstationen durften, man zehn Tage dort zubrachte,  seine Kinder nur hinter einer Glasscheibe sah und den M\u00fcttern eingesch\u00e4ft wurde, die Kleinen ja durchschreien zu lassen, damit sie sich an das rauhe Leben gew\u00f6hnen und nicht verweichlicht werden.<br \/>\nSie gehen einmal sogar ins Kino, aber dann kommt die gro\u00dfe Not, n\u00e4mlich der neunundzwanzigste und Pinneberg hat seine Quote noch lange nicht erf\u00fcllt und da taucht der Schauspieler auf, den Pinneberg im Kino gesehen hat, fragt, ob er Phantasie hat und l\u00e4\u00dft sich  die ganze Konfektion zeigen, nach der sechzehnten Hose sagt er, da\u00df er nur geschaut hat, aber Pinneberg Gratiskarten f\u00fcr den n\u00e4chsten Film schicken wird und Pinneberg fleht ihn in seiner Verzweiflung an, doch etwas zu kaufen und wird prompt entlassen.<br \/>\nDas Leben geht weiter und wir treffen die beiden mit dem kleinen Murkel, der jetzt schon zahnt in einer Laube an, Freund Heilbutt hat sie ihnen \u00fcberlassen, aber die ist ein bi\u00dfchen drau\u00dfen und man d\u00fcrfte eigentlich gar nicht in ihr wohnen und Pinneberg mu\u00df mehrmals in der Woche aufs Arbeitsamt, sich seine Unterst\u00fctzung holen, was ihn einiges von seiner sp\u00e4rlichen Unterst\u00fctzung an Fahrgeld kostet, ummelden kann er sich aber nicht, weil nicht angemeldet und \u00fcberhaupt. L\u00e4mmchen aber, als mutiges Frauchen h\u00e4lt die Familie mit N\u00e4hen und Stopfen von Str\u00fcmpfen \u00fcber Wasser. Der Mann schaut dabei auf Kind, macht den Haushalt und treibt die Schulden ein &#8220;Sagen Sie, Jachmann, soll denn das ewig so weiter gehen, da\u00df die M\u00e4nner zu Hause sitzen und machen die Hausarbeit und die Frauen arbeiten? Es ist doch unm\u00f6glich!&#8221;. &#8220;Nanu&#8221;, sagt Jachmann. &#8220;Wieso ist denn das unm\u00f6glich? Im Kriege haben ja auch die Frauen die Arbeit gemacht und die M\u00e4nner haben einander totgeschlagen und jeder hat`s in Ordnung gefunden!&#8221;<br \/>\nSo geht es also weiter, Jachmann, der Freund der Mutter, die ihr schiefes Gesch\u00e4ft mit Kartenspielen und anderen Inseraten machte und daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis kam, gibt es auch noch und er tritt auch als Unterst\u00fctzer auf, aber L\u00e4mmchen will das alles nicht. Sie will rein bleiben, damit ihr kleiner Murkel mal eine heile Welt erlebt. Hat er wahrscheinlich nicht, aber das war 1932 noch nicht so ganz klar oder doch  vielleicht, denn am Ende stellt sich noch heraus, da\u00df Pinneberg bei Mandel nicht wegen der Quote entlassen wurde, sondern weil ihn jemand vernadert hat, da\u00df er Naziparolen, wie &#8220;Mandel, welch ein Wandel&#8221; und &#8220;Juda verecke&#8221; auf die Klot\u00fcr geschrieben haben soll, aber Pinneberg war unpolitisch und konnte sich zwischen Kommunisten und  Nazis nicht entscheiden und am Ende wird alles gut in dem Buch, denn die beiden sind jung, lieben sich und trotzen dem Schicksal, auch wenn Pinneberg vorher als Arbeitsloser vom Schupo vom Gehsteig gedr\u00e4ngt wurde, weil er in die Schaufenster eines Delikatessenladens schaute.<br \/>\nDas Buch, habe ich bei Wikipedia gelesen, konnte auch bei den Nazis erschienen, da wurde nur der Nazi, der in der Getreidehandlung mit Pinneberg arbeitete ein wenig ver\u00e4ndert und wohl mehr auf heroisch getrimmt, aber auch sonst hatte Hans Fallada bzw. Rudolf Ditzen, wie er eigentlich hie\u00df, Fallada ist ja ein Pferd in den Grimmschen M\u00e4rchen, ein bewegtes Leben und wurde 1946 wegen Morphinismus und Alkoholismus in eine Nervenklinik eingewiesen, wo er in schlechten k\u00f6rperlichen Zustand &#8220;Jeder stirbt f\u00fcr sich allein schrieb&#8221;, das erst vor kurzem bei Aufbau neu aufgelegt wurde. Den &#8220;Kleinen Mann&#8221;, gibt es auch in dem ehemaligen ostdeutschen Paradeverlag und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/02\/wer-einmal-aus-dem-blechnapf-frist\/\">&#8220;Wer einmal aus dem Blechnapf fri\u00dft&#8221;<\/a> habe ich vor kurzem gelesen, auch ein interessantes Buch, das viel \u00fcber das Deutschland der Zwanziger und Drei\u00dfigerjahre erz\u00e4hlt, der &#8220;Kleine Mann, ist aber leichter zu lesen&#8221; und hat, wie ich zu zitieren versuchte auch einige sehr wahre Stellen. Ein anderes ber\u00fchmtes Buch \u00fcber die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/10\/karl-und-das-zwanzigste-jahrhundert\/\">kleinen M\u00e4nner<\/a> der Arbeitslosigkeit habe ich vor einigen Jahren auch gelesen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Falladas 1932 geschriebener Roman &#8220;Kleiner Mann &#8211; was nun?&#8221;, stand auf dieser Buchschenkerliste, die es in Deutschland zum Tag des Buchs gegeben hat, 25 B\u00fccher wurden da ja in je drei\u00dfig St\u00fcck Kisten von B\u00fccherfreunden an Passanten und andere &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14352\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14352","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14352"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14352\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}