{"id":14269,"date":"2012-05-27T20:55:37","date_gmt":"2012-05-27T18:55:37","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14269"},"modified":"2012-05-27T20:55:37","modified_gmt":"2012-05-27T18:55:37","slug":"das-huhnerparadies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14269","title":{"rendered":"Das H\u00fchnerparadies"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Das H\u00fchnerparadies&#8221;, ein falscher Roman aus Ger\u00fcchten und Geheimnissen, von Dan Lungu, aus dem Rum\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Aranca Munteanu ist der erste, von inzwischen drei bei Residenz erschienenen Romanen, des 1969 geborenen Autors.<br \/>\n&#8220;Ein rasantes Schelmenst\u00fcck aus der rum\u00e4nischen Provinz, wo der Geist Ceausescus durch die Geschichten der Dorfbewohner spukt und die versprochene Zukunft noch auf sich warten l\u00e4\u00dft&#8221;, steht auf der Buchr\u00fcckseite und ich habe von dem Autor das erste Mal 2009 geh\u00f6rt, als er in der Hauptb\u00fccherei die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/26\/die-rote-babuschka\/\">&#8220;Rote Babuschka&#8221;<\/a> das zweite bei Residenz erschienene Buch vorstellte, das dritte <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/05\/wie-man-eine-frau-vergisst\/\">&#8220;Wie man eine Frau vergi\u00dft&#8221;<\/a>, habe ich im Dezember 2010 gelesen.<br \/>\nMit Schelmenst\u00fccken tue ich mir wahrscheinlich schwer, auch mit denen aus der postkommunistischen Provinz, weil ich nie so genau wei\u00df, wie ernst ich das zu nehmen habe.<br \/>\nDer Kommunismus ist also fast vorbei in der Akazienstra\u00dfe und von der und ihren Bewohnern wird in zehn Kapiteln erz\u00e4hlt, wo das erste zum Beispiel die \u00dcberschrift hat &#8220;In dem sich Frau Milica Zugang zum Haus des Oberst verschafft, das Fr\u00e4ulein Veronica Geambasu Besitzerin eines &#8220;unehelichen Embryos&#8221; wird und in Relu Covalciucs Garten seltsame Dinge passieren&#8221;, solche Kapitel\u00fcberschriften, die ich  von E.T.Hofmann kenne, geh\u00f6ren offenbar zu Schelmenromanen und es wird auch gleich in das Buch hineingesprungen.<br \/>\nIn der Akazienstra\u00dfe gibt es n\u00e4mlich das Haus eines Oberst, der nicht so recht in die Gemeinschaft passt, er hat sich zu den Rentnern und den Arbeitslosen, die seit dem Sturz des Regimes dort wohnen, vorher waren sie Genossen und angestellt, eingekauft und, wie die neugierige Frau Milica erz\u00e4hlt, teure Teppiche und Bilder in seinem Haus, w\u00e4hrend die anderen nichts haben oder eigentlich doch, denn ein bi\u00dfchen trauern sie dem verlorenen Regime nach oder haben sich noch nicht so ganz an das neue des Liberalismus gew\u00f6hnt und ihr Autor macht sich \u00fcber all das auch ein bi\u00dfchen lustig.<br \/>\nSo kommt die neugierige Frau Milica unter dem Vorwand telefonieren zu wollen, in das Haus des Fremden und erz\u00e4hlt dann allen, wie toll es eingerichtet ist und die sind zuerst neugierig, dann fallen sie \u00fcber die Erz\u00e4hlerin her und vom Fr\u00e4ulein Veronica hei\u00dft es zuerst, sie ist schwanger, dann das sie heiratet und sp\u00e4ter erf\u00e4hrt man, die Schwangerschaft war nur ein Vorwand, damit sie heiraten durfte.<br \/>\nIm zweiten Kapitel geht es  zur\u00fcck in den Kommunismus, denn Herr Mitu erz\u00e4hlt, vielleicht im &#8220;Zerknautschten Traktor&#8221;, dem Wirtshaus, wo sich alle M\u00e4nner treffen, wie er einmal in die Stadt gefahren ist, um den Genossen Ceausescu zu sprechen und, wie ihn der bewirtet und beschenkt hat. Das ist jetzt vorbei und die Stra\u00dfenbewohner wissen nicht so recht, ob sie sich \u00fcber den &#8220;Erschossenen&#8221; freuen sollen oder nicht. Denn damals konnte man zwar nichts in den Gesch\u00e4ften kaufen, man hatte aber Geld und die Sachen, die man zum Leben brauchte, hat man sich an seiner Arbeitsstelle organisiert. Jetzt hat man die verloren und findet sich im &#8220;Zerknautschten Traktor&#8221; zu Klatsch und Tratsch und erz\u00e4hlt sich die sonderbarsten Dinge.<br \/>\nSo wird im dritten Kapteil beispielsweise berichtet, da\u00df dort, wo jetzt das Haus des ber\u00fchmten Oberst steht, der im &#8220;Traktor&#8221; h\u00f6chstens Mineralwasser oder Fruchtsaft trinkt, w\u00e4hrend die anderen Wodka saufen, ein Misthaufen war, der von den Beh\u00f6rden zugesch\u00fcttet wurde, weil die Siedlung eigentlich abgetragen werden sollte und die anderen warten schadenfroh darauf, da\u00df in sein Haus Risse kommen.<br \/>\nSo wird Kapitel an Kapitel aneinandergereiht in denen, satirisch liebevoll, die postkommunistischen K\u00e4uze vorgestellt werden, die es offenbar nicht nur in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/26\/die-tante-jolesch\/\">der Welt der Tante Jolesch<\/a> gegeben hat, auch wenn das Herrn Torberg wahrscheinlich \u00e4rgern w\u00fcrde. Es gibt sie auch in der postkommunistischen Provinz, wo sich Herr Relu Covalciuc, ein H\u00fchnerparadies w\u00fcnscht und dann in arge Bedr\u00e4ngnis ger\u00e4t, als pl\u00f6tzlich in seinem Garten die Regenw\u00fcrmer auftauchen und kein Mensch genau wei\u00df, wo genau sie herkommen. Gut, Herr Covalciuc s\u00e4uft auch soviel, da\u00df ihm der Arzt schon den Tod prophezeit, aber die Regenw\u00fcrmer sehen auch die anderen und kommen herbei, um sie anzustaunen und im &#8220;Zerknautschten TraKtor&#8221; wird schon besprochen, ob man sie nicht vielleicht den Westlern verkaufen kann, denn die lassen sich ja alles andrehen und das soll man ja  im Postkommunismus. Am Ende waren es dann die M\u00e4nner von der staatlichen Strom und Gasversorgungsgesellschaft, die irrt\u00fcmlich ein paar Stromst\u00f6\u00dfe durch den Garten schickten entt\u00e4uscht und wir haben noch ein paar andere schr\u00e4ge Typen kennengelernt, die Frau Vera Socoliuc zum Beispiel, die sich aus Bukarest in die Akazienallee eingeheiratet hat und sich nun auf das Sterben vorbereitet, vorher hat ihre Schwiegermutter sie aber zu dem Brunnen geschickt, wo es Wasser gibt, wo die Bohnen erst weich werden, wenn man ein paar rostige N\u00e4gel hineingibt, Herrn Petrica, der jetzt verbittert ist, aber vorher ein begehrter Schildermaler war und die sch\u00f6nsten Obst, Gem\u00fcse oder Milchabbildungen auf Etiketten malte oder Frau Aurora Spataru, die ihre Finger unentwegt bewegen mu\u00df, so da\u00df sie gratis Pullover strickt, wenn man ihr daf\u00fcr Wolle gibt und wenn man das nicht tut, die schon gestrickten wiederauftrennt, zu mindestens erz\u00e4hlt sie das im Fernsehen, in dem sie schon einmal in einer Sendung \u00fcber kurioses aus allter Welt aufgetreten ist und man hat ein bi\u00dfchen, was \u00fcber den Rum\u00e4nischen Postkommunismus gelernt, der wahrscheinlich gar nicht so lustig ist, wie ihn Dan Lungu schildert, obwohl man, wie Alexandre Fille auf der R\u00fcckseite meint, &#8220;Das H\u00fchnerparadies  unbedingt lesen mu\u00df&#8221;, da &#8220;dieser witzige Erstroman viel \u00fcber das Rum\u00e4nien von gestern und heute aussagt.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das H\u00fchnerparadies&#8221;, ein falscher Roman aus Ger\u00fcchten und Geheimnissen, von Dan Lungu, aus dem Rum\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Aranca Munteanu ist der erste, von inzwischen drei bei Residenz erschienenen Romanen, des 1969 geborenen Autors. &#8220;Ein rasantes Schelmenst\u00fcck aus der rum\u00e4nischen Provinz, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14269\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14269"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14269\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}