{"id":14249,"date":"2012-05-26T22:24:53","date_gmt":"2012-05-26T20:24:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14249"},"modified":"2012-05-26T22:24:53","modified_gmt":"2012-05-26T20:24:53","slug":"die-tante-jolesch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14249","title":{"rendered":"Die Tante Jolesch"},"content":{"rendered":"<p>Es geht gleich weiter mit dem Wienbezug, den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/29\/grundbuch-die-tante-jolesch\/\">Grundb\u00fcchern<\/a> und den Klassikern, ist Friedrich Torbergs &#8220;Tante Jolesch&#8221; ja auch ein Buch aus dem B\u00fccherkasten, das ich erst nicht lesen wollte, weil ich den &#8220;Untergang des Abendlandes in Anekdoten&#8221;, f\u00fcr ein Klamaukbuch gehalten habe, die ber\u00fchmten Zitate, wie &#8220;Alles was ein Man sch\u00f6ner als ein Aff ist&#8221; oder &#8220;Gott soll einem h\u00fcten vor allem was noch ein Gl\u00fcck ist&#8221;, waren schuld, da\u00df ich dachte, das interessiert mich nicht. Dann war ich vor ein paar Jahren in der Torberg-<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/17\/die-gefahren-der-vielseitigkeit\/\">Ausstellung im J\u00fcdischen Museum<\/a>, wo ich meinen Schirm verlor und voriges Jahr war es bei den Grundb\u00fcchern in der Alten Schmiede, so da\u00df ich dachte, das ist eigentlich doch interessant, denn Geschichten aus den Drei\u00dfigerjahren faszinieren mich sehr und es geht nicht nur, um eine Tante und ihre witzigen Ausspr\u00fcche. Geht es auch nicht, denn es zeichnet ein Bild von einer untergegangenen Welt, die es nicht mehr gibt. Torberg wurde, wie er in seinem Vorwort beschreibt, 1908 in Wien geboren und war, als die Monarchie unterging, zehn und und drei\u00dfig, als es \u00d6sterreich nicht mehr gab und er zuerst in die Schweiz fl\u00fcchtete. Das Buch wurde, glaube ich, 1977 geschrieben und ich erinnere mich auch, da\u00df sie in der Alten Schmiede sagten, da\u00df es die Verlage nicht haben wollten, weil sie dachten, das interessiert doch niemanden mehr. Dann wurde es so ein Erfolg, geh\u00f6rt zu den Grundb\u00fcchern und den gefl\u00fcgelten Worten und zeichnet in Andekdoten ein Wien, das ich, als 1953 geborene, nicht mehr gekannt habe und Torberg setzt in seinen Kapiteln, den untergegangenen Menschen, seiner Familie, Freunden, aber auch K\u00fcnstlern, Schriftstellern, Schauspielern, etc. ein Denkmal. Es gibt verschiedene Kapitel, die alle Facetten beschreiben. Nach dem Geleit, wird die Tante Jolesch beschrieben und erkl\u00e4rt, da\u00df sie sich aus mehreren Typen zusammensetzt, das reale Vobild aber 1932 gestorben ist und sie entstammt dem j\u00fcdischen gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Milieu, das in Wien oder Prag lebte, in beiden St\u00e4dten ist auch Torberg aufgewachen, in H\u00e4usern, wo man die Schneiderin und den Friseur kommen lie\u00df und schon einmal snobistische Anspr\u00fcche hatte, die dann in einer eigenen ebenfalls untergegangenen Sprache ausgedr\u00fcckt wurde. Die wird dann im &#8220;Excurs \u00fcber das W\u00f6rtchen &#8220;was&#8221; beschrieben. &#8220;Onkel, Neffen, Rabbiner und komische K\u00e4uze&#8221; kommen vor.<br \/>\nEin Kapitel widmet sich dem Bridgespielen, das in den Drei\u00dfigerjahren in den Kafeeh\u00e4usern offenbar flei\u00dfig betrieben wurde. Eine Andektode gilt dem alten Schwarz, dessen Tochter das auch tun wollte, aber eine Frau &#8220;spielt nur Bridgespielen&#8221;, sagt der Vater, so haben sie sich getrennt, der Krieg hat sie wieder zusammengebracht.<br \/>\nDem Kaffeehaus sind nat\u00fcrlich auch einige Kapitel gewidmet, in Wien gab es da ja das Griensteidl, das Cental, das Herrenhof und das Prager Tagblatt und seine Redakteure sind ebenfalls sehr wichtig. Viele inzwischen vergessene Namen tauchen auf und dann wieder die, die man kennt. Franz Molnar ist ein Kapitel gewidmet, Alfred Polgar, Egon Kisch, etc, tauchen immer wieder auf. Im Anhang gibt es ein paar schon in den F\u00fcnfzigerjahren erschiene Artikel, so wird die Konditorei Demel genau beschrieben, die Demelianerinnen mit ihren schwarzen Kleidern, die &#8220;haben schon gew\u00e4hlt&#8221;, sagen und wer ein echter und ein falscher Demelianer ist, die echten wurden schon als Kind von ihren Gro\u00dfeltern, dort eingef\u00fchrt. Die Geschichte von der echten und der falschen Sachertorte und den Tortenstreit gibt es und da ist interessant, da\u00df das die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/26\/verfuhrungen\/\">Streeruwitz in ihren &#8220;Verf\u00fchrungen&#8221;<\/a> auch erw\u00e4hnt und die schildert ja ein bi\u00dfchen das untergegangene Wien, was ich ein bi\u00dfchen klischeehaft empfand. Aber nat\u00fcrlich interessiert es mich zu h\u00f6ren, wie es damals war, obwohl es ja nicht unbedingt meine Welt ist und der Herr Torberg auch ein b\u00fcrgerlicher, wahrscheinlich konservativer Dichter war, der in den Siebzigerjahren das Kulturleben pr\u00e4gte und vielleicht auch einiges verhindert hat, was ich gern gehabt h\u00e4tte, interessant aber, da\u00df ich beide B\u00fccher an dem Tag gelesen habe, als ich in Wien lesend herumgefahren bin und zuf\u00e4lligerweise auch sehr klischeehaften Orte, n\u00e4mlich Sch\u00f6nbrunn mit all den Wien Touristen und den Prater, der ja auch ein Wientr\u00e4chtiger Ort ist, daf\u00fcr aussuchte und bin froh, da\u00df ich sie auf meine Leseliste nahm, denn das untergegangene Wien interessiert mich sehr, wenn ich auch wei\u00df, da\u00df es auch ein anderes gegeben hat, n\u00e4mlich das der Arbeiter und der armen Leute und das interessiert mich ebenfalls.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht gleich weiter mit dem Wienbezug, den Grundb\u00fcchern und den Klassikern, ist Friedrich Torbergs &#8220;Tante Jolesch&#8221; ja auch ein Buch aus dem B\u00fccherkasten, das ich erst nicht lesen wollte, weil ich den &#8220;Untergang des Abendlandes in Anekdoten&#8221;, f\u00fcr ein &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14249\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14249","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14249"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14249\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}