{"id":14222,"date":"2012-05-24T10:17:47","date_gmt":"2012-05-24T08:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14222"},"modified":"2012-05-24T10:17:47","modified_gmt":"2012-05-24T08:17:47","slug":"der-junge-und-das-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14222","title":{"rendered":"Der Junge und das Meer"},"content":{"rendered":"<p>Von Tschingis Aitmatow, den kirgisischen Dichter, 1928 dort geboren, 2008 in N\u00fcrnberg verstorben, der am Maxim Gorki Literaturinstitut in Moskau studierte und auch Berater von Michail Gorbatschows war, findet man viel in den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken.<br \/>\n&#8220;Der Junge und das Meer&#8221;, habe ich, glaube ich, zeitgleich mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/17\/treffen-sich-zwei\/\">Iris Hanika<\/a> gefunden oder war das &#8220;Der wei\u00dfe Dampfer&#8221;, der als n\u00e4chstes auf meiner Leseliste steht? Als ich mich mit der Anna vor ein paar Monaten zum Essen traf, habe ich ein altes DDR- B\u00e4ndchen mit zwei Aitmatow Geschichten &#8220;Scheckiger Hund, der am Meer entlangl\u00e4uft&#8221; und &#8220;Fr\u00fche Kraniche&#8221; gefunden und dann noch einmal &#8220;Dshamilja&#8221;, die Liebesgeschichte, die wie ich jetzt wei\u00df, Loius Aragon &#8220;f\u00fcr die sch\u00f6nste  der Welt h\u00e4lt&#8221; und als ich am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/21\/literarische-erleuchtung-und-hollandischer-bestseller\/\">Montag in die Alte Schmiede ging<\/a>, lag in der Abverkaufskiste, des nun mehr einzigen Buchgesch\u00e4ftes, an dem ich vor\u00fcberkomme, auch ein Aitmatow-B\u00e4ndchen, um einen, zwei oder drei Euro. Welches wei\u00df ich nicht mehr, denn ich hab ja ohnehin genug zu lesen und als ich mich gestern ein bi\u00dfchen per Wikipedia auf die Aitmatow-Lekt\u00fcre einstimmte und ich halte, obwohl ich immer wieder Kritiken h\u00f6re, die Wikipedia Eintr\u00e4ge f\u00fcr sehr gut und beziehe mich auch oft auf sie, nur meiner ist nicht ganz vollst\u00e4ndig, h\u00f6ren meine B\u00fccher ja bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eva_Jancak\">&#8220;Und Trotzdem&#8221;<\/a> auf, aber das ist eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/16\/die-nacht-der-lichter\/#comments\">andere Geschichte und geh\u00f6rt nicht hierher<\/a>, fand ich, da\u00df Aitmatows Liebesgeschichte in der DDR zur Pflichtlekt\u00fcre in den Schulen geh\u00f6rten und das die Geschichte &#8220;Der Junge und das Meer&#8221; in den DDR Ausgaben &#8220;Scheckiger Hund, der am Meer entlangl\u00e4uft&#8221;, hei\u00dft.<br \/>\nAlso habe ich n\u00e4chstes Jahr, wenn das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">B\u00e4ndchen an die Reihe kommt<\/a>, weniger zu lesen und bei der rororo-Ausgabe von 1988, die ich gelesen haben, steht auf der R\u00fcckseite nat\u00fcrlich der Vergleich mit &#8220;Der alte Mann und das Meer&#8221; und davon, da\u00df die Geschichte, die man wahrscheinlich Novelle nennen kann &#8220;ein gro\u00dfes bewegendes Gleichnis ist, das in die Botschaft von der moralischen Unbesiegbarkeit des Menschen, an Hemingway einnert.&#8221;<br \/>\nMan kann es nat\u00fcrlich auch viel weniger prosaisch deuten. Da f\u00e4hrt irgendwo in Kirgisien wahrscheinlich, ein Boot aufs Meer hinaus, weil drei Fischer, der Dorf\u00e4lteste und zwei andere M\u00e4nner, Vater und Onkel, den Jungen, der sp\u00e4ter ebenfalls Fischer werden soll, auf seine erste Ausfahrt mitnehmen. Das geh\u00f6rt offenbar zu den kirgisischen Br\u00e4uchen und ist wahrscheinlich, wie die Jugendweihe zu verstehen, ein Ritual des Erwachsenwerdens und nat\u00fcrlich auch eine Lehre, die man durchmachen mu\u00df und so ist Kirisk  sehr stolz darauf und nat\u00fcrlich gibt es f\u00fcr diese erste Ausfahrt auch eigene Regeln, so hat ihn die Mutter ans  Ufer begleitet und zum Abschied &#8220;Na, geh in den Wald und nimm trockenes Holz mit!&#8221;, gesagt, denn die b\u00f6sen Geister oder G\u00f6tter, die einem ans Leben wollen, mu\u00df man t\u00e4uschen.<br \/>\nUnd so ist Kirisk nun im Boot, Organ der \u00c4lteste sitzt am Steuer und raucht an seiner Pfeife, Vater und Onkel rudern und als sie ihn fragen, ob er Angst hat, sch\u00fcttelt er stolz den Kopf. Er doch nicht, er denkt ans Dorf, an die Mutter, die Schwester und auch an das M\u00e4dchen, in das er vielleicht ein bi\u00dfchen verliebt ist und sieht den &#8220;Scheckigen Hund&#8221;, das ist ein H\u00fcgel, den man immer sieht, wenn man vom Meer wieder ans Land zur\u00fcckkommt.<br \/>\nIn dieser Geschichte wird \u00fcberhaupt sehr viel symbolhaft ausgedr\u00fcckt, so gibt es die Ente Luwr und wenn man krank ist und nicht trinken darf, beschw\u00f6rt man die &#8220;Blaue Maus&#8221;, die einen Wasser geben soll und die Fischer denken heimlich an die gro\u00dfe Fischfrau und haben mit ihr auch schon ihre Erlebnisse gehabt.<br \/>\nJetzt geht es aber ins Meer hinaus und Kirisk soll lernen Robben zu fangen, zuerst mu\u00df er sie aber von den gro\u00dfen Steinen, die vor der Insel liegen, unterscheiden. Sie fangen dann auch eine Robbe und machen ihre Rast und als sie wieder ins Boot steigen, steigt der gro\u00dfe Nebel auf, sie verlieren die Orientierung und die  Katastrophe, bzw. das Gleichnis beginnt.<br \/>\nSie m\u00fcssen alles \u00fcber Bord werfen, nur ein F\u00e4\u00dfchen Wasser und einen Sack mit D\u00f6rrfisch behalten sie und der \u00c4lteste hat jetzt die gro\u00dfe Aufgabe, das Wasser  sorgf\u00e4ltig in kleinen Rationen zu verteilen. Er selbst trinkt nichts und geht, als seine Kr\u00e4fte schwinden, auch als Erster freiwillig ins Meer. Mylgun, der Onkel, ein bi\u00dfchen j\u00fcnger, als der Vater und noch nicht so ganz gefestigt, der noch manchmal seine Sp\u00e4\u00dfe macht und auch ein bi\u00dfchen durchdreht, das hei\u00dft die Naturgewalten nicht so dem\u00fctig, wie die anderen annimmt, folgt als zweiter und als letzter opfert sich der Vater f\u00fcr den Jungen und sein \u00dcberleben, aber der bleibt dann ganz allein im Boot ohne Wasser und Nahrung zur\u00fcck und ist sowieso viel zu  schwach, um die Ruder zu bewegen. Es gibt aber ein Zeichen, wenn man die Eulen fliegen sieht, dann wei\u00df man, man ist auf den richtigen Weg und der Nebel verschwindet auch einmal und so treibt das Boot mit dem Jungen an das Ufer zur\u00fcck. Er sieht den &#8220;Scheckigen Hund&#8221; und wei\u00df er ist gerettet, wei\u00df, da\u00df er ein Fischer werden und vielleicht auch sein M\u00e4dchen heiraten wird. Da\u00df er dann vielleicht selber einmal, viel sp\u00e4ter an der Reihe ist, als erster auszusteigen, wei\u00df er vielleicht nicht oder doch? Jedenfalls hat er das Lied auf den Lippen &#8220;Scheckiger Hund, der du auf dem Meer entlangl\u00e4ufst, allein kehr ich zu dir zur\u00fcck- ohne Atkytschch Organ, ohne Vater Emraijin, ohne Aki-Mylgun, Frag mich wo sie sind, aber erst gib mir zu trinken&#8221;, eine Parabel also von der Welt, von l\u00e4ngst versch\u00fctteten Kr\u00e4ften im Menschen&#8221;, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt und sich nat\u00fcrlich an dem Vergleich mit der anderen ber\u00fchmten Parabel erfreut.<br \/>\nDer in Ostdeutschland gew\u00e4hlte Titel, beschreibt die Symbolhaftigkeit wahrscheinlich besser, obwohl ich mich erinnern kann, mit dem ungew\u00f6hnlichen Titel am Anfang nichts angefangen zu haben und da ich ja ein wenig schlampert bin, habe ich auch nicht genau genug geschaut und &#8220;Schrecklicher Hund&#8221; in meine Leseliste geschrieben. Keiner meiner Leser hat es gemerkt, obwohl die ja immer sehr gut darin sind und als ich aus Clemens Meyers Erz\u00e4hlungen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/16\/die-nacht-der-lichter\/\">&#8220;Die Nacht der Lichter&#8221;<\/a>, gemacht habe, hat sich der sehr emp\u00f6rt bei mir gemeldet. Tschingis Aitmatow kann das nicht mehr tun und ich wei\u00df auch nicht, wie die Erz\u00e4hlung im Original, in Russisch, denn Aitmatow hat, habe ich Wikipedia entnommen, in dieser Sprache geschrieben hat, hei\u00dft. Beeindruckend ist sie allemal, ob man sie sich nun als Parabael und symbolhaft oder ganz realistisch nach dem Spruch &#8220;Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um&#8221; und das Leben ist nun einmal sehr gef\u00e4hrlich und wir alle m\u00fcssen  sterben, deutet.<br \/>\nInteressant habe ich gefunden, da\u00df sie zum Robbenfangen ausfahren, eine erlegen und sie dann, um selbst zu \u00fcberleben ins Meer werfen. Ja, das Leben ist grausam und naturgewaltig und nicht so leicht zu verstehen. Man glaubt, man mu\u00df soviel machen und dirigieren und ist am Ende ganz hilflos den Naturgewalten ausgeliefert und so sind mir auch, ich gestehe es, bei den dramatischsten Stellen, auch ein paar Tr\u00e4nen hinuntergeronnen, wie das bei sentimentalen Frauen so sein kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Tschingis Aitmatow, den kirgisischen Dichter, 1928 dort geboren, 2008 in N\u00fcrnberg verstorben, der am Maxim Gorki Literaturinstitut in Moskau studierte und auch Berater von Michail Gorbatschows war, findet man viel in den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken. &#8220;Der Junge und das Meer&#8221;, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14222\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14222\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}