{"id":14121,"date":"2012-05-20T00:23:47","date_gmt":"2012-05-19T22:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14121"},"modified":"2012-05-20T00:23:47","modified_gmt":"2012-05-19T22:23:47","slug":"post-fruhstuck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14121","title":{"rendered":"Post-Fr\u00fchst\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Samstag ist Banktag!&#8221;, steht in dem Bezirkszeitungsinserat, eine meiner w\u00f6chentlichen Postwurfsendungen.  Ich denke &#8220;Aha!&#8221; und glaube es nicht. Hat meine Bank, die Bank Austria, vormals  Zentralsparkassa, ja nicht an diesem Tag ge\u00f6ffnet und seit einiger Zeit auch am Nachmittag nicht. Die BAWAG, die ja auch vor kurzem in eine Krise schlitterte, verspricht es aber und hat sich mit der P.S.K verbunden. Zumindestens befindet sich &#8220;meine Post&#8221; seit kurzem in einer BAWAG-Filiale und die Jahngasse 37-39 ist ja auch ein Postamt.<br \/>\nJetzt aber auch Bank und l\u00e4dt daher zum Fr\u00fchst\u00fcck ein, diesen Samstag von neun bis zw\u00f6lf zu Kaffee und Kipferln und da mu\u00df ich nat\u00fcrlich hin. Umso mehr, da das ja mein Postamt war, als ich die Praxis in der Reinprechtsdorferstra\u00dfe hatte und ich vor kurzem dort war, als ich in der Sch\u00f6nbrunnerstra\u00dfe einen Brief aufgeben und Marken kaufen wollte, die Dame am Schalter aber bedauerte &#8220;Leider, leider, die Kasse ist heute geschlossen!&#8221;<br \/>\n&#8220;Klingt ein bi\u00dfchen absurd!&#8221;, habe ich gedacht. Von der Post ist man in der letzten Zeit aber einiges gew\u00f6hnt.<br \/>\nEinsparungen, Rationalisierungen, Pensionierungen und Versetzen der unk\u00fcndbaren Beamten in den sogenanten Pool, wo sie sitzen und sich langweilen, w\u00e4hrend ich auf meine Post schon mal bis f\u00fcnf Uhr Nachmittag wartete oder ein Herr aus der Nachbarstra\u00dfe bei mir klingelte und mir meine Briefe brachte.<br \/>\nAber &#8220;Wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!&#8221;, steht neuerdings auf den Briefk\u00e4sten. Ich habe zwei meiner Geburtstagseinladungen im vorigen November aber zweimal zur\u00fcckgeschickt bekommen, obwohl sie richtig addressiert waren und sehnsuchtsvoll an fr\u00fcher gedacht, wo ich wu\u00dfte, da\u00df meine Urlaubskarten ankommen, auch wenn ich die genaue Hausnummer nicht mit hatte. Heute funktioniert das schon lange nicht, aber, das Postkartenschreiben kommt ohnehin ab und wird zum anachronistischen Vergn\u00fcgen.<br \/>\n&#8220;Wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!&#8221;, wird  also geworben, w\u00e4hrend die Post\u00e4mter zusammengelegt werden. Aber wenn sie das tun, dann wird offenbar mit Kaffee und Kipferln er\u00f6ffnet und, da\u00df Samstag Banktag ist, ist eigentlich sehr sch\u00f6n, obwohls mich ja nicht betrifft. Aber gut zu wissen, da\u00df ich noch am Samstag Briefmarken kaufen kann, das habe ich schon nicht geglaubt, denke ich und betrete die neue BAWAG-Filiale, wo eine freundliche Dame im blauen Rock, wei\u00dfer Bluse und gestreifter BWAG-Krawatte vor einigen Kisten mit Sackerln steht, die den Aufdruck einer bekannten B\u00e4ckerei tragen und mir ein solches entgegenstreckt.<br \/>\n&#8220;Kaffee gibts nebenan!&#8221;, sagt sie dazu.<br \/>\nDa stehen auch freundlichen Damen vor den Maschinen und machen mir meinen Cafe latte oder Cappucino mit viel Milch, wie ich ihn gern trinke, ich mische mir ein Glas Wasser mit Orangensaft und stelle mich an einen Tisch, um mein Kipferl zu verzehren, neben mir zwei Damen, die das ebenso tun.<br \/>\n&#8220;Wir sind nicht so schlank, wie das Fr\u00e4ulein!&#8221;, sagt die \u00c4ltere zu mir und meint die junge Frau mit dem Kopftuch, die offensichtlich schwanger ist, die l\u00e4chelt und l\u00e4\u00dft ihr Kipferl sp\u00e4ter stehen, der \u00fcbergebliebene Kaffee, den eine andere Frau bem\u00e4ngelt, war aber nicht von ihr.<br \/>\n&#8220;Die Leute haben keine Manieren!&#8221;, schimpft die Frau.<br \/>\n&#8220;Zuerst nehmen und dann stehen lassen!&#8221; und eine andere bezirzt die Dame vor den Kipferlkisten, ihr doch eines oder zwei f\u00fcr den Herrn aus dem Ein-Euro-Shop zu geben, den der Arme kann sein Gesch\u00e4ft nicht verlassen. Sie tuts, die Frau wird dann vom Securitytyp im schwarzen Anzug und der Glatze angesprochen, ob sie schon genug gefr\u00fchst\u00fcckt hat?<br \/>\n&#8220;Beehren Sie uns bald wieder, n\u00e4chste Woche, auch ohne Kaffee und Kuchen, denn Sie wissen ja, wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!&#8221;, denkt es in mir und daran, da\u00df sich der kommunistische Bezirksrat sehr darum bem\u00fchte, die Postschlie\u00dfung in der Sch\u00f6nbrunnerstra\u00dfe zu verhindern und, da\u00df der Weg zur Pilgramgasse f\u00fcr mich viel weiter ist.<br \/>\nAber gut zu wissen, da\u00df die gute neue Post auch am Samstag ge\u00f6ffnet ist. Hatte ich ja schon bef\u00fcrchtet, auch nur mehr Vormittags\u00f6ffnungszeiten vorzufinden und die Kipferln, die es heute gab, waren wirklich gut.<br \/>\n&#8220;Sind Sie frisch?&#8221;, hat die schon erw\u00e4hnte Frau, skeptisch gefragt?&#8221;<br \/>\nSie waren es und auch mit Zucker bestreut.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Samstag ist Banktag!&#8221;, steht in dem Bezirkszeitungsinserat, eine meiner w\u00f6chentlichen Postwurfsendungen. Ich denke &#8220;Aha!&#8221; und glaube es nicht. 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