{"id":14044,"date":"2012-05-18T00:37:32","date_gmt":"2012-05-17T22:37:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14044"},"modified":"2012-05-18T00:37:32","modified_gmt":"2012-05-17T22:37:32","slug":"reigen-des-todes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14044","title":{"rendered":"Reigen des Todes"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt, ganz zuf\u00e4llig, mein Beitrag zum hundertf\u00fcnfzigsten Geburtstag von Arthur Schnitzer, der diese Tage die Gem\u00fcter und \u00d61 erregt, denn Gerhard Loibelsbergers Roman aus dem alten Wien &#8220;Reigen des Todes&#8221; spielt ja ganz offensichtlich, auf das ber\u00fchmte Schnitzer St\u00fcck an. 1908 in dem der Roman spielt, passt auch, obwohl im Verzeichnis der historischen Personen auf Seite sechs, zwar Sigmund Freud und Oskar Kokoschka erscheinen, Arthur Schnitzer aber fehlt, als ich aber am Montag auf meinen Gang in die Alte <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/15\/laut-und-luise-als-funftausendste-veranstaltung\/\">Schmiede<\/a> durch den Morawa gegangen bin, habe ich &#8220;Reigen des Todes&#8221; dort liegen gesehen, obwohl das Buch aus dem Gmeiner Verlag schon 2010 erschienen ist. Ich habe es, schon bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/19\/die-nacht-im-zelt\/\">&#8220;Rund um die Burg&#8221;<\/a> vorgelesen bekommen und den Vorg\u00e4nger des Buches, die ber\u00fchmten &#8220;Naschmarktmorde&#8221; auf die mehrmals verwiesen wird, habe ich durch leselustfrust kennengelernt und die hat mich vor einem Jahr auch auf den B\u00fccherflohmarkt im Museumsquartier aufmerksam gemacht und da habe ich f\u00fcr einen guten Zweck, sowohl den Loibelsberger, als auch den folgenden <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Krimi<\/a> um einen oder zwei Euro gekauft.<br \/>\nHistorische Krimis aus dem Alten Wien scheinen derzeit  hoch in Mode, f\u00fcr mich war die Besprechung der &#8220;Naschmarktmorde&#8221; die erste Begegnung damit, damals war das f\u00fcr mich etwas Neues, inzwischen habe ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/23\/chuzpe\/\">&#8220;Chuzpe&#8221;<\/a> und &#8220;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/09\/der-tod-fahrt-riesenrad\/\">Der Tod f\u00e4hrt<\/a> Riesenrad&#8221; gelesen. Man lernt viel durch Blogs und kommt dadurch auf neue B\u00fccher und &#8220;Reigen des Todes&#8221; ist in vielen Bereichen interessant. Erstens interessiere ich mich f\u00fcr das Wien Anfang des vorigen Jahrhunderts, wo mein Eltern ein paar Jahre sp\u00e4ter in Ottakring oder F\u00fcnfhaus in Zinskasernen aufgewachsen sind und dann kann man auch \u00fcber das Romanschreiben und die Verlagspolitik ein bi\u00dfchen was erfahren und das Titelbild zieht auch gleich an. Ist es ja ein ber\u00fchmter Klimt, der darauf abgebildet ist, no na, das wollen die Touristen und die Teile des Buches, die Februar\/M\u00e4rz 1908, April\/Mai etc hei\u00dfen, haben einf\u00fchrende Zitate, wie beispielsweise &#8220;Dieses Buch ist den Elenden gewidmet, den Verdammten der Gesellschaft, den Lumpen von Schiksals Gnaden&#8221; &#8211; Aus Emil Kl\u00e4gers &#8220;Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechen, Wien 1908&#8221; und dort geht es gleich hinein, in die Fluten des Donaukanals, wo die Sandler oder, wie es im Buch genannt wird, die &#8220;Griasler&#8221; leben, denn da findet der ehemalige Fleischergeselle Anastasius Sch\u00f6berl einen &#8220;steif gefrorenen Finger&#8221;, den er dem Redakteur Goldblatt bringt. Der schreibt in seiner Zeitung vom &#8220;Wiener Kannibsalismus&#8221; und so mu\u00df der Polizeiinspector (Achtung Kritiker, ich hab mich nicht verschrieben, so stehts im Buch und war wohl auch die Schreibweise von 1908, wo es auch Films statt Filme hie\u00df) Joseph Maria Nechyba, ein Freund des guten Essens, der auch mit einer Herrschaftsk\u00f6chin verheiratet ist, ausr\u00fccken, st\u00fcrmt den Kanal und findet auch noch einen Kopf. Der geh\u00f6rt samt Finger dem ehemaligen Oberstleutnant  Vestenbrugg, der ber\u00fchmten Deutschmeister, die hier Edelbuben genannt werden und der hatte ein Gspusi (f\u00fcr meine deutschen Leser, ich \u00fcbersetz das nicht, im Buch gibt es ein genaues Glossar, was unter einer Marille, einer Buchtel, einem Beisl etc zu verstehen ist) mit der Steffi Moravec, einer herben vollbusigen Sch\u00f6nheit und ehemaligen Sitzkassiererin des Cafe Sperls, die aus armen Verh\u00e4ltnissen des ehemaligen Ratzenstadls kam, vom Oberstleutnant aber ausgehalten und eine sch\u00f6ne Wohnung bezahlt bekommen hat. Aus der mu\u00df sie aber nach seinem Tod heraus, so zieht sie eine Weile am Naschmarkt herum, w\u00e4hrend sie am Abend bei einer Freundin schlafen darf, bis sie die noch nobligere Geliebte des Markgrafen<br \/>\nCollredi wird, in dessen Palais sie sich sehr auff\u00fchrt und die Dienstboten anherrscht, aber als sie mit dem Liebsten ins Theater an der Wien geht, wird sie von einem Deutschmeister angep\u00f6belt, der Graf fordert ihn zum Duell auf, wird erschossen und die Sch\u00f6ne mu\u00df wieder ihre Koffer packen. Sie geht f\u00fcr eine Weile zum Leutnant Hansi Popovic zur\u00fcck, den sie schon einmal durch ein Brieflein, um einen Gefallen gebeten hat, der hat, weil ein S\u00e4ufer aus Liebeskummer, inzwischen den Dienst quittiert und ist Assistent \u00d6sterreichs ersten Filmproduzenten Johann Schwarzer 1880-1914, steht in den Anmerkungen der historischen Pers\u00f6nlichkeiten, geworden, der die ersten Pornofillms mit den s\u00fc\u00dfen M\u00e4derln dreht und weil die sch\u00f6ne Steffi nicht nur einen gro\u00dfen Busen und sadistische Veranlagungen, sondern auch k\u00fcnstlerisches Talent besitzt, schnappt sie sich bald den Chef, wird Pornodarstellerin und schreibt sich auch die Drehb\u00fccher daf\u00fcr. So findet man auch die Leiche des erh\u00e4ngten Popovic im Wasser. Steffi wird von Nechyba wegen Mords gesucht, kann nur in letzter Sekunde entkommen, er will sie am Fu\u00df aus dem Fenster aus dem sie schon fast entkommen ist, zur\u00fcckziehen, sie schl\u00e4gt ihm den Absatz ins Gesicht oder Bauch und zerschneidet sich mit dem Messer das Gesicht, weil man ein entstelltes Gesicht nicht so leicht erkennt. Am Schlu\u00df wird dann eine zerfetzte Frauenleiche, aus der auch die Leber herausgeschnitten wurde und ein weiteres Drehbuch der Moravec gefunden. Eines, in dem steht, da\u00df der Oberstleutnant Vestenbrugg wegen der ihn \u00fcberfordernden Reize der nackten Sch\u00f6nen, einen Herzinfarkt bekam, so da\u00df sie mit Popvics Hilfe seine Leiche zerst\u00fcckeln  mu\u00dfte, der sich dann aus Gram erh\u00e4ngte, gibt es schon. Jetzt ist noch der Bruder, der in Galizien diente, zur\u00fcckgekommen und hat sich an der Schwester ger\u00e4cht, weil ein Soldat der K.und K. Armee, wahrscheinlich nicht nur keine Schulden, was ja einem Leutnant Gustl das Leben kostete, sondern wohl auch keine unehhrenhafte Schwester haben durfte und wir haben, wenn wir so weit gekommen sind, viel von dem historischen Wien des Jahres 1908 kennengelernt, nicht nur die Elendsquartiere und die Suppenk\u00fcchen am Graben, sondern auch, da\u00df zum sechzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um seiner Mayest\u00e4t ein Kinderfestzug stattfand. Nebycha mu\u00dfte seine Mayrest\u00e4t dabei besch\u00fctzen und die historische Schriftstellerin Marie Sidonie Heimel-Purschke 1853-1928, nie von ihr geh\u00f6rt, hat das Festgedicht dazu geschrieben und weil in Krimis, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/10\/leben-lassen\/\">wir<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/06\/evelyns-fall\/\">inzwischen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/23\/unterm-messer\/\">wissen<\/a>, viel gekocht und gegessen werden mu\u00df, um die Leser anzulocken, gibt es auch historische Kochrezepte mit der dazugeh\u00f6rigen deutschen \u00dcbersetzung, die ich mich an dem Buch ein bi\u00dfchen st\u00f6rte, denn ich wei\u00df ja, da\u00df &#8220;in d\u00fcnne Streifen geschnittene Pfannkuchen&#8221; Frittaten sind, Aprikosen Marillen, Kartoffeln Erd\u00e4pfeln etc, mu\u00df das wissen, denn ich lese  \u00f6fter B\u00fccher aus dem Suhrkamp oder S.Fischer Verlag, wo es keine \u00dcbersetzungen ins \u00d6sterreichische gibt und sich, wenn die B\u00fccher von \u00f6sterreichischen Autoren geschrieben wurden, nur die gro\u00dfen, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/09\/aktuelle-literarische-gesellschaftsbefunde\/\">Marlene Streeruwitz<\/a> die Eindeutschung verhindern k\u00f6nnen, w\u00e4hrend das noch nicht so ganz ber\u00fchmten, wie beispielsweise Cornelia Travnicek, derzeit noch nicht gelingt und  bl\u00f6der, als die \u00d6sterreicher werden die deutschen Leser ja auch nicht sein!<br \/>\nAnsonsten aber ein spannender Rundgang durch das alte Wien, das ich ja ganz gut kenne, weil ich zuf\u00e4llig, immer in der N\u00e4he der historischen Orte wohne und besonders interessant, die Umkehrung der Verh\u00e4ltnisse. Die Heldin ist das, mir nicht immer ganz sympathische, s\u00fc\u00dfe M\u00e4del, das aus ihrer Not den Spie\u00df umdreht, mit den hohen Herren verkehren mu\u00df, um nicht zu verhungern, die sterben dann immer ganz nat\u00fcrlich. Sie mu\u00df sie aber, um nicht an ihrem Tod h\u00e4ngen bleiben, trotzdem zerst\u00fcckeln und in den Donaukanal oder Wienflu\u00df werfen lassen. Ein bi\u00dfchen zynisch-ironisch k\u00f6nnte man sagen und ich kann mir vorstellen, da\u00df das auch gern gelesen wird. Die allzu gro\u00dfe Anbiederung an den deutschen Leser st\u00f6rt mich zwar, denn ich habe ja auch schon einmal eine f\u00fcrchterliche nord-oder undeutsche \u00dcbersetzung von John Irvings &#8220;Der B\u00e4r ist los&#8221;, gelesen und da konnte man angeblich auch nichts machen, da\u00df der \u00dcbersetzer ein Deutscher war, der mit dem Wienerischen, wo der  Roman ja spielt, nichts anfangen konnte.<br \/>\nGerhard Loibelsberger wurde 1957 in Wien geboren, arbeitete seit 1984 als freier Webe- und PR- Texter und ist Autor von Sach- und Gourmetb\u00fcchern, Songtexten und Kriminalromanen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt, ganz zuf\u00e4llig, mein Beitrag zum hundertf\u00fcnfzigsten Geburtstag von Arthur Schnitzer, der diese Tage die Gem\u00fcter und \u00d61 erregt, denn Gerhard Loibelsbergers Roman aus dem alten Wien &#8220;Reigen des Todes&#8221; spielt ja ganz offensichtlich, auf das ber\u00fchmte Schnitzer St\u00fcck &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14044\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14044","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14044","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14044"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14044\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14044"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}