{"id":14031,"date":"2012-05-17T00:00:47","date_gmt":"2012-05-16T22:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=14031"},"modified":"2012-05-17T00:00:47","modified_gmt":"2012-05-16T22:00:47","slug":"treffen-sich-zwei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14031","title":{"rendered":"Treffen sich zwei"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal findet man im offenen B\u00fccherschrank ganz wunderbare B\u00fccher, n\u00e4mlich die, die auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stehen, wie Iris Hanikas &#8220;Treffen sich zwei&#8221; und von dem habe ich schon viel gelsen, wurde der dBP 2008 in der FAZ ja sehr besprochen und so haben sich die Namen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/05\/die-gesange-der-verlierer\/\">Rolf Lappert <\/a>und Iris Hanika bei mir eingepr\u00e4gt, die ich beide vorher nicht kannte und Andrea Stift hat etwas sp\u00e4ter ein zweites wunderbares Buch von Iris Hanika sehr gelobt. Dann gehe ich, Ende April voriges Jahres glaub ich war es, zu der ersten Mai Veranstaltung der Gr\u00fcnen ins Kino in der Burggasse, finde einen Tschingis Aitmatow, der noch kommen wird und &#8220;Treffen sich zwei&#8221; setzte es auf die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> und bin dann, wie es mir nicht sehr oft passiert beim Lesen animiert.<br \/>\nDenn ganz ehrlich, f\u00fcr so viel besser halte ich die Literatur der anderen nicht. Sie schreiben nat\u00fcrlich sprachlich galanter und abgehobener, sonst w\u00fcrden sie es nicht in die Verlage schaffen, aber das erscheint mir meistens als ein bi\u00dfchen maniriert und k\u00fcnstlich. Bei Uwe Tellkamps Bachmannpreistext hatte ich das Gef\u00fchl, der ist besser als ich, als ich das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/23\/vorweihnachtliche-lesesplitter\/\">Buch<\/a> dann gelesen habe und das hat ja den dBP 2008 gewonnen, war dieser Eindruck wieder weg. Jetzt habe ich wieder eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/12\/milena-michiko-flasar-und-festwocheneroffnung\/\">Sprachk\u00fcnstlerin<\/a> in der Hauptb\u00fccherei getroffen, denke mir, sehr bem\u00fcht, so will ich eigentlich nicht schreiben  und es wurde ohnehin schon alles geschrieben&#8230;<br \/>\nBei Iris Hanika war ich aber baff, denn der ist meiner Meinung nach das Kunstst\u00fcck gelungen einen wirklich ungew\u00f6hnlichen Ton zu treffen, der frisch und ungebraucht wirkt und dann merkt man auch die Konstruktion, liest \u00fcber diese Stellen weg und denkt sich, was mir auch nicht so oft passiert &#8220;Ich will weiter und will mich mit den Sch\u00f6nen Worten gar nicht l\u00e4nger aufhalten, wie geht es aus?&#8221;<br \/>\nWahrscheinlich liegts auch am Thema, der Romance, dem Liebesroman und so was hat man ja auch schon irgendwann erlebt, ich jedenfalls, obwohls bei mir nicht so gut ausgegangen ist, als ich mich Schlag um Schlag in den Hans verliebte.<br \/>\nDa treffen sich also zwei in dem hippen Berlin, das wiedervereint ist, man das Ehepaar Sorioglu im Hausflur trifft und in dem oft die Literatur entsteht, die dann den Bachmannpreis gewinnt und es beginnt nat\u00fcrlich sehr theoretisch &#8220;Im August ist die Zeit angehalten&#8221; ist der erste Satz.<br \/>\nAha, rei\u00dft mich nicht gerade vom Stockerl, dann geht es zu einem Thomas einem Informatiker, der geladen ist, weil im B\u00fcro so gar nichts klappt. Er steht unter Strom, duscht, rennt herum in seiner Wohnung und geht dann in ein Lokal, bestellt zwei Bier, trinkt sie hinunter, geht aufs Klo, steht, als er herauskommt vor seiner Traumfrau Sena und starrt sie sprachlos an und Senta Bergner, nicht Berger, obwohl sie oft mit der \u00f6sterreichischen Schauspielerin verwechselt wird, dieses Thema hatte ich auch schon einmal, hat den ganzen Tag geweint, Lou Andreas-Salome verflucht, weil die immer die tollsten M\u00e4nner kriegte, Rilke gelesen und an ihren Rainer, ihre verlorene Liebschaft gedacht. Denn Senta verliebt sich sehr oft und heult auch sehr viel. Am Nachmittag arbeitet sie in einer Galerie, da sie Kunst, Literatur und Religionswissenschaft studierte, aber alles nicht abgeschlossen hat. Vorher geht sie manchmal in das Schwulenlokal einen Kaffee trinken, abends ist sie das erste Mal dort, starrt ihren Thomas an und nach dem sie das eine Weile getan hat, gehen sie zusammen weg und er folgt ihr nat\u00fcrlich in ihre Wohnung, denn jetzt geht er nicht weg. Dann liegen sie im Bett und v\u00f6geln oder ficken, obwohl Thomas f\u00fcr Senta nat\u00fcrlich seine Ambivalenzen hat. Sie erz\u00e4hlt ihm auch, wie sie zu ihrem Namen kam, denn ihre Eltern waren Wagnerianer, so hei\u00dfen ihre Geschwister Tristan, Isolde und Wolfram, die alle, wie Thomas nat\u00fcrlich wei\u00df, den Liebestod sterben und Thomas verl\u00e4\u00dft Senta am Morgen, denn er mu\u00df was arbeiten.<br \/>\n&#8220;Ich ruf dich wieder an!&#8221;<br \/>\nWie soll er das machen?, kennt er ihre Telefonnummer doch nicht, denkt Senta, geht ins Internet und schaut unter Thomas und unter Systemberater nach, kommt da seltsamerweise auf ein paar Adressen von Wiener Psychotherapeuten. Wieso das, habe ich nicht ganz verstanden, aber Senta hatte m\u00f6glicherweise mal einen Wiener Liebhaber, so ist ihr auch das Wort &#8220;Zwutschgerl&#8221; bekannt, eine Anspielung auf Freud k\u00f6nnte es auch sein. Dann kommen auch Einsch\u00fcbe \u00fcbers Weinen und man denkt sich, was soll das? So soll man doch nicht schreiben, raten die Schreiblehrb\u00fccher. Aber vielleicht macht das das Buch interessant und ungew\u00f6hnlich. Zwischendurch folgen auch immer Schreibanweisungen, was sich die Autorin \u00fcber den Schreibflu\u00df denkt und Thomas ruft nat\u00fcrlich schon am Nachmittag in der Galerie, wo sich Senta lesend langweilt an, weil er hat sie nat\u00fcrlich \u00fcbers Netz gefunden und ihr Name stand auch an der T\u00fcr.<br \/>\nSie gehen in einen Park und auch was essen, beide wohnen sie in Kreuzberg, einer von ihnen hat schon mal in Neuk\u00f6lln gelebt und Senta denkt wieder nach ob er der richtige f\u00fcr sie ist? Sonst aber v\u00f6geln sie und trennen sich, um zu arbeiten und einmal kann Thomas nicht am Abend kommen, weil er eine Gesch\u00e4ftsbesprechung hat.<br \/>\nSenta trifft deshalb ihre Freundin in einer Pizzeria, macht Schlu\u00df mit ihr, weil sie sie nicht versteht, bleibt noch im Lokal sitzen und bestellt sich eine Flasche Wein und als Thomas anruft, ist sie so betrunken, da\u00df sie ihm vorwirft, da\u00df sie bei ihm nicht kommen kann, als er sie abholt, ihn aber gleichzeitig k\u00fcssen will Er bringt sie nach Haus und macht Schlu\u00df mit ihr. Dann folgt wieder ein witziger aber v\u00f6llig unpassender Einschub \u00fcber die Urintherapie von Sentas Chef. Senta geht ins Kino, Thomas denkt \u00fcber Senta nach, Sentas Chef will von ihr wissen, ob sie schwanger ist. Pr\u00e4servativ haben sie nat\u00fcrlich keins verwendet, ist sie aber nicht und Thomas Chef, ein verst\u00e4ndiger Iraner fragt ihn was los ist und r\u00e4t zu ihr hinzugehen und ihr Rosen zu bringen. Das tut er auch, sie ist nicht da, er sitzt vor ihrer T\u00fcr, sie geht vom Kino kommend an ihm vorbei, das geht noch so eine Weile, bis sich die zwei dann wieder treffen&#8230;..<br \/>\n&#8220;Nicht weinen!&#8221;, sagte er mit einer Stimme wie Salbe, &#8220;nicht weinen.&#8221;<br \/>\nDas dr\u00fcckte ihr bed\u00e4chtig die Augen zu, und sie stand nun fest auf ihren Beinen. Er sagte: &#8220;Wir kriegen das schon hin. Sie lehnte sich an ihn, der sie fest umfing.<br \/>\nAn dieser Stra\u00dfenkreuzung in der Luisenstadt, an diesem sch\u00f6nen Vormittag im September.&#8221;<br \/>\nIris Hanika wurde 1962 in W\u00fcrzburg geboren und lebt seit 1979 in Berlin. Sie war feste Mitarbeiterin der Berliner Seiten der FAZ, f\u00fchrte eine Chronik im Merkur, hat mehrere B\u00fccher geschrieben und erhielt 2006 den Hans-Fallada-Preis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal findet man im offenen B\u00fccherschrank ganz wunderbare B\u00fccher, n\u00e4mlich die, die auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stehen, wie Iris Hanikas &#8220;Treffen sich zwei&#8221; und von dem habe ich schon viel gelsen, wurde der dBP 2008 in der FAZ &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=14031\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-14031","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14031\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}