{"id":13852,"date":"2012-05-10T00:29:44","date_gmt":"2012-05-09T22:29:44","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13852"},"modified":"2012-05-10T00:29:44","modified_gmt":"2012-05-09T22:29:44","slug":"ein-mann-im-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13852","title":{"rendered":"Ein Mann im Haus"},"content":{"rendered":"<p>Die Novelle oder Kurzroman &#8220;Ein Mann im Haus&#8221; der 1946 geborenen, als Lyrikerin bekannt gewordenen Ulla Hahn, hat es in sich und geht es in ihren hundertachtundvierzig Seiten scharf an. Denn die Protagonistin Maria, eine Goldschmiedin, in einer deutschen Kleinstadt lebend, &#8220;liebte es Todesarten, Motive,  Opfer und T\u00e4ter  durchzuprobieren&#8221; und stellt sich auch vor, wie sie Giftpilze sammelt, ihre Freunde zu einem opulenten Pilzdinner einl\u00e4dt und einem Auserw\u00e4hlten die Giftpilzsauce serviert, Maria hat aber auch einen Liebhaber. Den K\u00fcster und Chorleiter des St\u00e4dtchens Egon Hansegon, verheiratet mit der Tochter eines Wurstfabrikaten und von der l\u00e4\u00dft er sich nicht scheiden, obwohl er es Maria schon oft genug versprach.<br \/>\n&#8220;Warte, bis die Kinder gro\u00df sind!&#8221;, dann will er auch noch auf Reisen gehen und so l\u00e4dt ihn Maria zu einem Abschiedsessen ein, spielt die Linzer von Mozart,  mischt Schlaftabletten in den Champagner oder Sherry und Hansegon kann sich nach dem Liebesakt nicht mehr fortbewegen. So schleppt sie ihn ins Bett, verklebt ihm den Mund mit einem Pflaster und fesselt ihn mit selbstgefertigten Handschellen an die Pfosten.<br \/>\nDas ganze passiert kurz vor Weihnachten und w\u00e4hrend Maria Rachephantasien schmiedet, vom Kopf und Penisabhacken tr\u00e4umt, f\u00fcttert sie ihren Liebsten mit einem goldenen R\u00f6hrchen, durch das er das Kalbsragou und die Kraftnahrung trinken mu\u00df. Sie h\u00e4lt ihm die Urinflasche an und als er sich schlie\u00dflich anschei\u00dft, reinigt sie ihn liebevoll und bringt auch noch den Fu\u00dfpilz von den F\u00fc\u00dfen. Dazwischen geht sie in die Werkstatt zum Weihnachtsgesch\u00e4ft, besorgt in der Nachbarstadt Gips, um ihm die Totenmaske anzulegen, liest ihm Goethes &#8220;Reineke Fuchs&#8221; vor, denkt sich ein bi\u00dfchen durch ihr Leben, das immer ein sehr religi\u00f6ses war. So hat sie brav im Kirchenchor gesungen, auch einmal mit einem fr\u00fcheren Mann in Hamburg am Wasser gelebt, die dortigen Kirchen aber als sozialen Wohnbau empfunden, so da\u00df sie wieder in die N\u00e4he K\u00f6lns zur\u00fcckgekommen ist.<br \/>\nEine Woche geht das so, w\u00e4hrenddessen geht K\u00fcstermann seiner K\u00fcsterfrau ab und die Frauen des St\u00e4dtchens treffen sich in der B\u00e4ckerei, um Phantasien \u00fcber die Gr\u00fcnde Abwesenheit auszuspinnen. Ist er jetzt mit seiner Geliebten durchgegangen oder ein Opfer des Terrorismus geworden? Ein kleines M\u00e4dchen namens B\u00e4rbel, das Maria mit ihrem Teddy in der Werkstatt besucht, bringt die Nachrichten von der Tante und Maria erf\u00e4hrt auch davon, wenn sie in die B\u00e4ckerin geht, um sich ihren Spekulatus zu holen.<br \/>\nDie Totenmaske mit dem offenen Mund wird zwischendurch mit Karotten gef\u00fcttert und K\u00fcstermann bekommt seine Weihnachtsnaschereien in der Bettpfanne serviert, nur nascht sie Maria ihm dann weg und als die Woche sich zur Wiederholung neigt, bekommt Egon nochmals Schlafmittel, darf sich dann anziehen und wird in ein Auto gesetzt, denn Maria hat nun genug von ihm.  In der N\u00e4he von K\u00f6ln darf er aussteigen und will das nicht einmal und die Zeitung meldet Montagmorgen &#8220;Der K\u00fcster sei verwahrlost, unterk\u00fchlt, durchn\u00e4\u00dft  aufgegriffen worden. Trotz seines geschw\u00e4chten Zustands habe er sich mit letzter Kraft gegen die Entfernung des Pflasters von seinem Mund zur Wehr gesetzt und als es ihm seine in Eile herangeschaffte Frau vom Mund ri\u00df, sei er in ein schmerzhaftes Wiehern ausgebrochen. Seither schweige er.&#8221;<br \/>\nZum Gl\u00fcck f\u00fcr Maria, deren&#8221;geh\u00e4mmerte Masken mit weit aufgerissenen M\u00fcndern aus Gold und Silber zum Fest die gro\u00dfen Renner wurden.<br \/>\n&#8220;Dieses intime Panorama der Grausamkeit wird mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher sachlicher Finesse vor uns ausgebreitet. Eine unbarmherzigere Geschichte gab es lange nicht zu lesen&#8221;, schreibt Hubert Winkels auf der R\u00fcckseite und ich habe mich naturgem\u00e4\u00df ein wenig schwer getan, mit dem Racheakt einer Betrogenen, die den grausamen Unterwerfungsproze\u00df der Geschlechter umdreht und dachte mir obwohl es flott mit manchmal ein wenig kitschig wirkender Sprachevielfalt geschrieben wurde, die mich ein wenig an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/24\/ins-ohr\/\">Evelyn<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/09\/winterquartier\/\">Grills<\/a> Rachefeldz\u00fcge erinnerte, wieder einmal, warum die gro\u00dfe Literatur so negativ sein mu\u00df und warum wir das gern lesen wollen?<br \/>\nObwohl ich bei Wikipedia erfahren konnte, da\u00df der erste, 1994 erschienene Roman der Lyrikerin, gro\u00dfe Kontroversen ausl\u00f6ste und sie deshalb auch angegriffen wurde.<br \/>\nEs ist mein erstes Buch von Ulla Hahn, die ich oft als als gro\u00dfe Lyrikerin r\u00fchmen und in Leipzig oder Frankfurt einmal auf dem blauen Sofa lesen h\u00f6rte. Im B\u00fccherschrank habe ich es gefunden, den Gedichtband &#8220;Herz \u00fcber Kopf&#8221; und den dritten Roman &#8220;Unscharfe Bilder&#8221; habe ich noch ungelesen in meinen Regalen stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Novelle oder Kurzroman &#8220;Ein Mann im Haus&#8221; der 1946 geborenen, als Lyrikerin bekannt gewordenen Ulla Hahn, hat es in sich und geht es in ihren hundertachtundvierzig Seiten scharf an. 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