{"id":13813,"date":"2012-05-08T00:28:04","date_gmt":"2012-05-07T22:28:04","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13813"},"modified":"2012-05-08T00:28:04","modified_gmt":"2012-05-07T22:28:04","slug":"madame-strindberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13813","title":{"rendered":"Madame Strindberg"},"content":{"rendered":"<p>Als wir zur Lesung nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/29\/salzburg-lesung\/\">Salzburg<\/a> gefahren sind, haben wir in Leporello, glaube ich, von Friedrich Buchmayrs  &#8220;Madame Strindberg&#8221; und der am Abend im Radio Kulturhaus stattfindenen Lesung aus dem Briefwechsel Frieda und August Strindberg geh\u00f6rt und als wir in Harland Zwischenstation machten, habe ich mir das bei Residenz erschienene Buch bestellt, weil mich die Biographie der zweiten Frau des schwedischen Dichters, von dem ich als Studentin ein paar Reclamhefterl gekauft und vielleicht auch gelesen habe, aber sonst nur ein paar Vorurteile hatte, interessierte. Dann sind wir die Autobahn weitergefahren, haben in Mondsee Mittag gegessen und in Salzburg eineinhalb Tage spazierengegangen und ich wei\u00df nicht, ob ich da viel Ahnung hatte, das es einen Bezug zu Frieda Uhl-Strindberg gibt. Vorige Woche ist das Buch gekommen,  jetzt habe ich es ausgelesen und von einem sehr interessanten Frauenschicksal erfahren, die in der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts ein durchaus ungew\u00f6hnliches Leben f\u00fchrte.<br \/>\nFriedrich Buchmayr, der Autor, wurde 1959 in Linz geboren und hat in Salzburg Germanistik und Publizistik studiert, seit 1987 ist er Bibliothekar in der Stiftsbibliothek St. Florian und Initiator des einziges Strindberg Museums au\u00dferhalb Schwedens, n\u00e4mlich in Saxen O\u00d6. Er hat zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen und jetzt auch ein sehr detailreichen, genau recherchiertes Buch mit vielen Fotos und Quellenangaben herausgebracht. Eine Mischung zwischen Anthologie und Biografie schreibt er in der Einleitung und die Lebensgeschichte, der 1872  in Mondsee geborenen Frieda Uhl-Strindberg ist durchaus interessant. Ihr Vater war Redakteur der Wiener Zeitung und die Eltern haben sich schon nach ihrer Geburt getrennt. Der Vater zog nach Wien, die Mutter sonstwohin und die kleine Frieda wuchs in der Villa in Mondsee, die ersten Lebensjahre mit einer Amme oder Dienstm\u00e4dchen auf. Dann kam sie in eine Klosterschule, die \u00e4ltere Schwester wurde vom Vater verheiratet, als sie mit einem Mann \u00f6ffentlich spazierenging. Die junge Frieda machte der Vater aber zur Journalistin in den Achtzehnneunzigerjahren und so begegnete sie in Berlin dem schwedischen Dichter, der schon geschieden war, drei Kinder hatte und auch als Exentriker und Weiberhasser galt. Sie schrieb ihn einen Liebesbrief, &#8220;Geehrter Herr, wenn Sie wirklich f\u00fcr heute Abend nichts Besseres vorhaben, w\u00fcrde ich mich herzlich freuen, wenn Sie mich so um 8 heimsuchten!&#8221;, traf sich  mit ihm in einem Restaurant oder Hotel zum Essen und wollte das noch, 1893, bezahlen! Eine sehr ungew\u00f6hnliche Frau. Friedrich Buchmayr schreibt von einem Helfersyndrom. Der Vater hatte nach all der Offenheit nichts gegen eine Ehe, nahm an der Hochzeit aber nicht teil und die mu\u00df sehr ungew\u00f6hnlich sein, bekam das Paar bei der Trauung doch einen Lachkrampf und eine Hochzeitsnacht scheint auch nicht stattgefunden zu haben. Frieda wollte dann auch die Kinder aus der ersten Ehe adoptieren, um sich das Bekommen eigener zu ersparen. Sie wurde aber nat\u00fcrlich schwanger und der Ehemann war, glaube ich, schon weg, als die kleine Kerstin geboren wurde. Die wurde dann von der Gro\u00dfmutter in Mondsee aufgezogen, w\u00e4hrend die Mutter, um sich zu ern\u00e4hren durch die Welt reiste. Sie schrieb Feuilletons f\u00fcr die Wiener Zeitung und das Wiener Abendblatt, die ihr Vater  druckte und verkehrte in K\u00fcnstlerkreisen. Ihr n\u00e4chstes Kind war auch von Frank Wedekind, hie\u00df aber Strindberg mit Nachnamen, weil es noch zur Welt kam, bevor die Ehe neun Monate geschieden war. August Strindberg schien nichts dagegen gehabt zu haben und der kleine Friedrich Max scheint erst viel sp\u00e4ter erfahren zu haben, da\u00df er einen anderen Vater, als seine Schwester hatte. Die Gro\u00dfmutter hat auch dieses Kind aufgezogen, sich mit ihrer Tochter aber nicht verstanden, die den Journalistenjob verlor, als ihr Vater starb, aber weil sehr mond\u00e4n, st\u00e4ndig in Geldn\u00f6ten war. So soll sie auch mit gef\u00e4lschter Kunst gehandelt, aber auch sehr sch\u00f6ne Artikeln zur Frauenfragen etc geschrieben haben. Sie hatte unz\u00e4hlige Affairen, verkehrte mit vielen K\u00fcnstlern und bedrohte. die schon mal mit der Pistole. Zur Zeit des ersten Weltkrieges war sie in London und gr\u00fcndete dort ein Kabarett, sp\u00e4ter reiste sie nach Amerika, hielt Vortr\u00e4ge \u00fcber ihren ber\u00fchmten Ehemann und verdiente sich sp\u00e4ter ihr Geld als Memoirenschreiberin, wo sie ihr Leben mit August Strindberg auch ein bi\u00dfchen verkl\u00e4rte, bevor sie 1943 verarmt,exentrisch und heruntergekommen, in Salzburg starb. \u00dcbersetzt hat sie auch sehr viel. Die Jahre in der Klosterschule haben ihr Sprachkenntnisse beigebracht und sie hat ein Nomadenleben in Hotels, auf Pump und verschuldet gef\u00fchrt. Konnte oder wollte sich nicht um ihre Kinder k\u00fcmmern und mu\u00df auf ihre Weise eine sehr emanzipierte, aber auch sehr weibliche, von M\u00e4nnern abh\u00e4ngige Frau gewesen sein. August Strindberg hat \u00fcber die Beziehung zu ihr auch einige B\u00fccher geschrieben. Friedrich Buchmayr zitiert einiges aus dem &#8220;Kloster&#8221;. Das oder ein anderes hat jetzt auch Richard Pils, in der Edition der Provinz herausgegeben. Ihre Strindberg Memoiren, die 1936 erschienen sind, hei\u00dfen &#8220;Lieb, Leid und Zeit&#8221;. Sehr interessant welch interessante Frauenpers\u00f6nlichkeiten es gegeben hat, von denen ich nicht wu\u00dfte. Die Tochter Kerstin war, glaube ich, mit Lina Loos befreundet, die  auch eine interessante Frauenpers\u00f6nlichkeit und fr\u00fche Feministin ist. Von der habe ich ein Buch von meinen Eltern geerbt und erst vor kurzem einen sch\u00f6nen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/11\/morde-in-dobling\/\">Frauen lesen Frauen Lesetheaterabend<\/a> erlebt.<br \/>\n&#8220;Strindberg kannten wir schon einigerma\u00dfen, aber seine Frau ist eine \u00dcberraschung&#8221;, kommentierte Knut Hamsun die Memoiren und Frieda Strindberg schrieb &#8220;Ein Leben mit einem Genie mag die H\u00f6lle sein, aber es ist interessant. Jede Frau von Geist zieht ein st\u00fcrmisches, aber interessantes Leben einem ruhigen, aber langweiligen vor&#8221;.<br \/>\nDas hat sie wohl gehabt, ob es ihr dabei immer sehr gut gegangen ist, wei\u00df ich nicht. Es ist  durch das Anbiedern an den ber\u00fchmten Mann, die ber\u00fchmten M\u00e4nner,  vielleicht auch die eigene schriftstellerische Karriere ein wenig verlorengegangen. Das lesen von &#8220;Madame Strindberg oder die Faszination der Boheme&#8221; kann ich jeden aber empfehlen, der wissen will, wie Frauen in der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts auch gelebt haben konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir zur Lesung nach Salzburg gefahren sind, haben wir in Leporello, glaube ich, von Friedrich Buchmayrs &#8220;Madame Strindberg&#8221; und der am Abend im Radio Kulturhaus stattfindenen Lesung aus dem Briefwechsel Frieda und August Strindberg geh\u00f6rt und als wir in &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13813\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-13813","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13813"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13813\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}