{"id":13731,"date":"2012-05-05T00:16:12","date_gmt":"2012-05-04T22:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13731"},"modified":"2012-05-05T00:16:12","modified_gmt":"2012-05-04T22:16:12","slug":"die-gesange-der-verlierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13731","title":{"rendered":"Die Ges\u00e4nge der Verlierer"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Die Ges\u00e4nge der Verlierer&#8221; von Rolf Lappert, ein Buch das ich voriges Jahr um einen Euro bei Buchlandlandung gefunden und gekauft habe, weil ich den Namen kenne, da Rolf Lappert 2008 mit &#8220;Nach Hause schwimmen&#8221; auf die Shortlist des deutschen Buchpreises gekommen ist, ist sehr interessant, denn es beginnt sehr langsam und bed\u00e4chtig und eigentlich so, wie ich immer h\u00f6re, da\u00df man nicht schreiben darf, weil das ja niemanden interesiert.<br \/>\nEin Mann namens Tyler, Manager einer m\u00e4\u00dfig erfolgreichen Rockband geht in London spazieren, bzw. h\u00f6rt er seinen alten Nachbar in der Nebenwohnung hantieren,  stellt Beobachtungen \u00fcber ihn an, sinniert \u00fcber seine Hanteln nach, dann geht er hinaus, beobachtet einen Stra\u00dfenverk\u00e4ufer, der mit traurigen L\u00e4cheln seine Waren anpreist, kauft von ihm einen Spielzeughund, den er eigentlich nicht braucht und \u00e4rgert sich \u00fcber seine Gutm\u00fctigkeit, die ihn ausn\u00fctzbar machen l\u00e4\u00dft. Bei einem Supermarkt wird ein Mann auf einer Trage hinausgetragen, der Sanit\u00e4ter steckt an der Kasse noch schnell einen Schokoriegel ein und Tyler geht zu einer Carol, deren Tochter er den Hund dann schenkt.<br \/>\nNach und nach erf\u00e4hrt man die Geschichte, die Band soll einen gro\u00dfen Auftritt haben, dazu ben\u00f6tigt man aber einen Musiker, der verschwunden ist und den zu suchen Tyler aufgebrochen ist. Der erf\u00e4hrt man, ist in Amerika und so macht sich Tyler nach Los Angeles auf, schl\u00e4gt sich in dem Motel mit dem Portier herum, der ihn unbedingt in ein bestimmtes Restaurant schicken will, findet den Musiker schlie\u00dflich, der ihm Geld gibt, aber nicht mitkommen will und ihm als Grund die Geschichte von einer Frau erz\u00e4hlt, die er ermordet hat, bzw. durch einen Unfall zu Tode gekommen ist, so da\u00df Tyler wieder abziehen mu\u00df, aber statt zur\u00fcckzufliegen, nach New Orleans fliegt und das Road Movie beginnt.<br \/>\nDenn jetzt wohnt Tyler in einem Hotel das zwei Br\u00fcdern geh\u00f6rt, die ihm den Fernseher austauschen, viel von sich erz\u00e4hlen und Tyler, offenbar ein guter Beobachter, pr\u00e4gt sich verschiedene Gesichter ein, die in einem Hinterhaus zu tun haben, findet Fotos in einem M\u00fclleimer und bekommt heraus, da werden offensichtlich Pornos mit Kindern gedreht. Weil die Br\u00fcder damit etwas zu haben, bekommt er ein kleines M\u00e4dchen in die Hand gedr\u00fcckt, das er zu seinem Onkel fahren soll, erst dann k\u00f6nnen die Br\u00fcder zu Polizei gehen, Tyler tut es und ich wurde nun ein bi\u00dfchen an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/13\/lolita\/\">Nabokovs &#8220;Lolita&#8221;<\/a> erinnert, ein bi\u00dfchen nur, blo\u00df die Stellen, wo ein Mann mit einem Kind in einem Wagen sitzt. Sally ist f\u00fcnf, spricht nicht viel und ist st\u00e4ndig m\u00fcde, denn die Mutter hat ihm Schlaftabletten f\u00fcr sie mitgegeben, die sie als Vitaminpr\u00e4parate deklarierte. Sp\u00e4ter als Tyler  die Tabletten weggelassen hat, wird sie munterer und spielt mit ihren Puppen, die Tyler ihr st\u00e4ndig kauft und als sie die Adresse der Verwandten erreichten, sind die schon lange ausgezogen. So stellt Tyler das Auto mit dem schlafenden Kind vor die n\u00e4chste Polizeistation und f\u00e4hrt von Schuldgef\u00fchlen gepeinigt auf einen Parkplatz, wo noch die Hurricansch\u00e4den zu finden sind. Dort trifft er auf einen seltsam gekleideten Koreaner namens Joe, der ihn in eine Art Sekte mitnimmt. Tyler will eigentlich nicht bleiben, verletzt sich auf der Flucht aber durch einen rostigen Nagel, so da\u00df er auf die Sanit\u00e4tsstation gebracht wird. Er gibt sich als Journalist aus und recherchiert ein bi\u00dfchen in der Sekte herum, die von einem Mister Goldmann gegr\u00fcndet wurde, der au\u00dferhalb des Zauns in einem Hotel wohnt. In der Sekte mu\u00df man am Bau des Doms arbeiten und im Chor singen, der in einem Schiff untergebracht ist.<br \/>\n&#8220;Die Ges\u00e4nge der Verlierer&#8221; hei\u00dft ja das Buch und Mister Goldemann erz\u00e4hlt Tyler auch, da\u00df er zu dem Chor gekommen ist, weil er ein Augenleiden hat, das nur durch einen bestimmten Gesang gemildert wird. Es gibt  auch einen sogenannten Palazzo, wo die W\u00e4chter wohnen, die obwohl verboten, Zigaretten und Bier verkaufen und dabei gut verdienen und Tyler trifft in der Kantine  Celia, in die er sich ein bi\u00dfchen verliebt. Der alte Joe ist als Art Feuerw\u00e4chter angestellt und es kommt zu einer Brandlegung und einer Schie\u00dferei, die damit endet, da\u00df Tyler mit Celia und Joe in einem gestohlenen Wagen fl\u00fcchtet. Geld hat er ja viel, hat ihm auch Sallys Mutter dieses mitgegeben und so f\u00e4hrt er wieder zu der Polizeistation, nachdem er in dem Motel niemanden erreichen konnte, gibt sich als Sallys Onkel aus und l\u00e4\u00dft sich den Namen des Heimes sagen, in dem sie untergebracht wurde, dann erf\u00fchrt er sie mit Joes Hilfe und bricht mit ihr und Joe, nachdem sie Celia, die nach New York wollte, zum Flughafen brachten, in ein vielleicht besseres Leben auf.<br \/>\nEin interessantes Buch, vor allem in der Art und Weise, wie es erz\u00e4hlt wird. Zuerst kommen die kleinen  trefflich geschilderten Beobachtungen, dann kommt man nach und nach hinein in das amerikanische Roadmovie und Abenteuerroman.<br \/>\nEtwas habe ich jetzt vergessen, was mich in meiner momententanen Bilanzziehstimmung sehr beeindruckt hat. Irgendwo in der Mitte des Buches beginnt Tyler \u00fcber den man sonst nicht so viel erf\u00e4hrt, \u00fcber sein Leben zu erz\u00e4hlen. Er ist der Sohn eines verhinderten Operns\u00e4ngers, der davon tr\u00e4umte auf gro\u00dfen B\u00fchnen zu singen, es aber nur zu kleinen Rollen oder als Agenturs\u00e4nger auf Hochzeiten und Bars gebracht hat, wodurch das Eheleben wackelte und Tylers Jugend gepr\u00e4gt wurde. Was macht man als mittelm\u00e4\u00dfiger S\u00e4nger, wenn man gerne Opernarien singt, es aber nie in die erste Liga schafft?, ist ja etwas was mich, in Bezug Literatur ja sehr besch\u00e4ftigt.<br \/>\nLappert bringt es auf einen Punkt und erz\u00e4hlt es lapidar und dennoch sehr beeindruckend. Ein sehr interessanter Autor also, der 1958 in Z\u00fcrich geboren wurde und vor vier jahren auf der Shortlist des dBP stand. Sonst habe ich von ihm noch nichts geh\u00f6rt und gelesen, die Shortliste hat aber gro\u00dfes Aufsehen gemacht und so habe ich mir den Namen eingepr\u00e4gt und das ist ja die Art und Weise, wie ich mir B\u00fccher aussuche und ich habe mir gleich eine Idee f\u00fcr mein eigenes Schreiben mitgenommen. Ich k\u00f6nnte ja den Tag einer Frau beschreiben, an dem eigentlich nichts passiert, sie aber durch lauter sch\u00f6ne Momentaufnahmen stolpert, habe ich gedacht, als ich noch ziemlich am Anfang war. Sp\u00e4ter ist dann  sehr viel Handlung dazugekommen,  der Roman rast rasant durch Amerika, parodiert es vielleicht ein bi\u00dfchen, hat sicher seine m\u00e4rchenhaften Seiten und wird auch seine diesbez\u00fcglichen Vorbilder oder Reisen haben, um die Stimmung so pr\u00e4gnant hinzubekommen zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die Ges\u00e4nge der Verlierer&#8221; von Rolf Lappert, ein Buch das ich voriges Jahr um einen Euro bei Buchlandlandung gefunden und gekauft habe, weil ich den Namen kenne, da Rolf Lappert 2008 mit &#8220;Nach Hause schwimmen&#8221; auf die Shortlist des deutschen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13731\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-13731","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13731","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13731"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13731\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13731"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13731"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13731"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}