{"id":13724,"date":"2012-05-04T00:18:52","date_gmt":"2012-05-03T22:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13724"},"modified":"2012-05-04T00:18:52","modified_gmt":"2012-05-03T22:18:52","slug":"may-im-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13724","title":{"rendered":"May im Mai"},"content":{"rendered":"<p>Hie\u00df die Veranstaltung in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur und war damit etwas versp\u00e4tet, hatte Karl May ja schon am  30. M\u00e4rz seinen hundertsten Todestag, was im ORf und in Leipzig auch entsprechend gefeiert wurde, an mir aber etwas vor\u00fcberging, denn ich mu\u00df gestehen, ich habe keinen Karl May gelesen, weil ich wahrscheinlich doch eher geschlechtsspezifisch sozialisert wurde. An die Jules Verne B\u00e4nde kann ich mich erinnern. &#8220;In achtzig Tagen um die Welt&#8221; habe ich in der Hauptschule verschlungen und meine Gro\u00dfmutter, bei der ich  die Sommerferien verbrachte, wenn meine Mutter arbeitet war, hat mir den &#8220;Huckleberry Finn oder den Tom Sawjer&#8221; zu lesen gegeben und den Oliver Twist habe ich, glaube ich, auch einmal bekommen. Von Karl May war aber nie etwas dabei und die ber\u00fchmten Winnetou-Filme der Sechzigerjahre sind irgendwie auch an mir vorbei gegangen. Der Alfred hat in Harland einige Karl May B\u00e4nde stehen und der Landeshauptmann von N\u00d6 hat sich ja ger\u00fchmt als einziges Buch einen solchen Band gelesen zu haben und in Leipzig habe ich einmal einen Band in die Hand gedr\u00fcckt bekommen, der sich mit der Frage besch\u00e4ftigte, ob und warum Kinder Karl May lesen sollen. In den habe ich, glaube ich, hineingeschaut und als Peter Henisch &#8220;Vom Wunsch Indianer zu werden. Wie Franz Kafka Karl May traf und trotzdem nicht in Amerika landete&#8221;, im Rahmen des Karl May Schwerpunktes in den Tonspuren war, habe ich das irgendwie vers\u00e4umt und wollte eigentlich auch in die Alte Schmiede gehen, als ich auf die &#8220;May im Mai&#8221; Veranstaltung aufmerksam wurde und ich bin ja, wie schon ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/12\/grosses-finale-fur-novak\/\">paar<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/07\/das-neue-buch-von-peter-henisch\/\">Mal<\/a> erw\u00e4hnt, ein Peter Henisch Fan. Dieses Buch vor zwanzig Jahren geschrieben und von Residenz im Zuge der Karl May Feierlichkeiten, wie Marianne Gruber vermutete, wieder aufgelegt, ist aber ebenfalls an mir vorbeigegangen und ich hatte keine Ahnung, da\u00df sich Peter Henisch mit Karl May besch\u00e4ftigte, mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/05\/zur-entstehung-des-uberbuchs\/\">Arno Schmidt<\/a> ja, da habe ich ihn ja einmal bei einer Veranstaltung in der Hauptb\u00fccherei getroffen. Das Buch ist aber, wie Peter Henisch gleich erw\u00e4hnte, kein Roman \u00fcber Karl May, sondern \u00fcber eine fiktive Begegnung zwischen Karl May und Franz Kafka w\u00e4hrend der \u00dcbefahrt nach Amerika. Da ich, wie erw\u00e4hnt kein Karl May Fan, habe ich von seiner Biografie auch nur die \u00fcblichen Klischees im Kopf, n\u00e4mlich, da\u00df er all seine phantastischen Geschichten erfunden und  und im Gef\u00e4ngnis schrieb, wo er auch die Gef\u00e4ngnisbibliothek gepl\u00fcndert und leergelesen hat. Im Alter und als ber\u00fchmter Mann ist er dann wirklich im September 1908 von Bremerhaven nach New York gefahren und daraus machte Peter Henisch seine fiktive Begegnung.<br \/>\nFranz Kafka ist ja vielleicht nie in Amerika gewesen, auch da habe ich nicht viel Ahnung und bin kein Kafka Fan, habe seinen unvollendeten Roman &#8220;Amerika&#8221; aber zweimal gelesen und nicht verstanden. Peter Henisch ist vielleicht ein zweifacher Fan oder Kenner und so begann seine Lesung auch gleich damit, da\u00df ein junger Mann an der Reeling steht und ins Wasser kotzt. Peter Henisch wurde dabei an einen Charly Chaplin Film erinnert und der junge Mann von einem \u00e4lteren Ehepaar beobachtet, das sich Mister und Missis Burton nennt, sich des jungen Mannes annahm,  ihn in ihre Luxuskabine mitnahm und aufs Bett legte. Weitere Namen werden dabei nicht erw\u00e4hnt. Der alte Mann hat aber einen wei\u00dfen Haarschopf und einen wei\u00dfen Bart und der junge Mann stammt aus Prag, ist aber, behauptet er, kein Schriftsteller, trotzdem hat er eine Prosaskizze geschrieben &#8220;Vom Wunsch Indianer zu werden&#8221; und nennt das Zitat von der Literatur, die &#8220;wie eine Axt zu sein hat&#8221;. Daran kn\u00fcpft sich ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Literatur und der junge Mann erw\u00e4hnt, da\u00df er f\u00fcnfundzwanzig Karl May B\u00e4nde gelesen hat, die er anschlie\u00dfend in einem Anitquariat verkaufte, um sich daf\u00fcr gute Literatur zu besorgen. Das Publikum lachte und Peter Henisch erl\u00e4uterte im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch, da\u00df das ein autobiografisches Erlebnis war und ihm solches passierte, um dann weiter auszuf\u00fchren, wie oft er von Lesern und Journalisten mit seinen Helden verwechselt wurde, nur weil er die Ich-Form verwendete. Ich bin da ja immer etwas skeptisch, wenn ich in dem Ich- die Autobiografie des Autors erkenne und den dann sagen h\u00f6re &#8220;Aber das bin doch nicht ich!&#8221;, aber Peter Henisch ist kein Besatzungskind, wie sein &#8220;Schwarzer Peter&#8221; und hat auch nicht in Amerika unterrichtet wie der Paul Spielmann in der &#8220;Sehr kleinen Frau&#8221;.<br \/>\nVorher gab es aber ein Gespr\u00e4ch mit Katharina <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/14\/katharina-tiwald-bei-den-wilden-worten\/\">Tiwald<\/a> und Konrad Paul Lissmann, der sich als bekennender Karl May Leser outete, \u00fcber phantastische Reisen, fiktive Szenarien, etc.<br \/>\nKonrad Paul Lissmann erl\u00e4utete dabei, da\u00df man \u00fcber die vielen Karl May B\u00e4nde zum Viellesen kommen, man f\u00e4ngt bei einem an und h\u00f6rt nicht mehr auf und Katharina Tiwald bekannte einen gelesen zu haben und entt\u00e4uscht zu sein, weil immer das gleiche Szenario passiert, das Buch aber eine herrliche Sprache hat, die die deutschen Wohnzimmer in die amerikanischen Weiten bringt. \u00dcber die Phantasie Karl Mays wurde diskutiert und dar\u00fcber, ob er die jetzt mehr oder anders als Franz Kafka hatte, Karl Mays Werke wurden aber sehr zensuriert und verf\u00e4lscht, so da\u00df Katharina Tiwald wahrscheinlich nicht die Originalausgabe gelesen hat. Die wird jetzt erst von der Karl May Gesellschaft herausgegeben und Marianne Gruber bekannte,  als Kind eine begeisterte Karl May Leserin gewesen zu sein, ebenso wie Ingeborg Reisner, neben der ich wieder gesessen bin, das ist mir entgangen und werde ich h\u00f6chstwahrscheinlich nicht mehr nachholen. Aber ich habe  auch den Harry Potter nicht gelesen, mit dem Karl May als Leseverlocker verglichen wurde und werde auch das Henisch Buch h\u00f6chstwahrscheinlich nicht lesen, habe daf\u00fcr aber heute ein anderes vom Residenz Verlag zugeschickt bekommen, n\u00e4mlich &#8220;Madame Strindberg oder die Faszination der Boheme&#8221;, von dem ich im &#8220;Leporello&#8221; h\u00f6rte, als wir nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/29\/salzburg-lesung\/\">Salzburg<\/a> fuhren und um hier nicht f\u00fcr eine elaborierte Leserin gehalten zu werden, kann ich gleich gestehen, da\u00df ich auch meine Schundromanlesephase habe und beispielsweise eine Hedwig Courths Mahler Spezialistin bin, die ich f\u00fcr eine sehr gute Schriftstellerin halte. Seitenweise Klischees und absolute Frauenfeindlichkeit. M\u00e4dchen, die unbedingt und um jeden Preis Jungrauen bleiben m\u00fcssen und von einem Mann nicht mehr angeschaut werden, wenn sie sich mal k\u00fcssen lie\u00dfen und dann blitzen auf einmal ein paar Zeilen auf, wo alles ganz anderes ist und sich die alte Dame selbst in Frage stellt und ein wunderbares Bild vom Berlin der Neunzehnhundertzwanzigerjahre bekommt man auch.<br \/>\nSo \u00e4hnlich hat Konrad Paul Lissmann seine Leidenschaft f\u00fcr Karl May erkl\u00e4rt, der sehr sozialkritisch war und sehr f\u00fcr den Frieden eintrat und nat\u00fcrlich auch nicht als gro\u00dfer Literat gilt, obwohl die Landeshauptherren ihn, wie schon erw\u00e4hnt, gelesen haben und fast alle Kinder und er genauso reich und erfolgreich  geworden ist, wie Hedwig Corths-Mahler, die auch nicht als gro\u00dfe Literatin gilt und die man heimlich lesen mu\u00df, weil alle Besserwisser sofort die Nase r\u00fcmpfen, wenn sie einem dabei erwischen. Eine Veranstaltung in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur \u00fcber das Frauenbild von Hedwig Courths Mahler w\u00fcrde ich mir aber w\u00fcnschen und k\u00f6nnte mich daf\u00fcr auch als Expertin zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hie\u00df die Veranstaltung in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur und war damit etwas versp\u00e4tet, hatte Karl May ja schon am 30. 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