{"id":13396,"date":"2012-04-20T00:24:27","date_gmt":"2012-04-19T22:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13396"},"modified":"2012-04-20T00:24:27","modified_gmt":"2012-04-19T22:24:27","slug":"bewohnte-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13396","title":{"rendered":"Bewohnte Frau"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Bewohnte Frau&#8221; von Gioconda Belli, 1988 geschrieben, ist ein Buch \u00fcber den lateinamerikanischen Freiheitskampf,  spielt in der fiktiven Stadt Faguas, die f\u00fcr Managua stehen d\u00fcrfte und ist im Sinne des magischen Realismus geschrieben. Darauf spielt der Titel auch an. Die Heldin ist Lavinia, eine junge Architektin aus guter Familie mit aristokratischen Wurzeln, die in Europa studierte und nun in ihre Heimat zur\u00fcckgekommen ist, um in einem Architekturb\u00fcro Schulen, Einkaufszentren, Kinderg\u00e4rten f\u00fcr das bessere Leben zu bauen. Sie wohnt in einem Haus, das ihr ihre Tante, die sie zu einem starken Menschen und zu einer Feministin erzogen hat, vererbte und freut sich an dem Orangenbaum, der vor ihrem Fenster steht.<br \/>\nIn diesem wohnt aber ganz magisch, der Geist eines indigenen M\u00e4dchens, das in vorigen Jahrhunderten gegen die spanischen Eindringlinge k\u00e4mpfte. Als Lavinia vom Saft der Orangen trinkt, springt der Kampfgeist auf sie \u00fcber.<br \/>\nAber davon erst sp\u00e4ter. Erst f\u00e4hrt Lavinia mit dem Taxi in das Architekturb\u00fcro und als der Lenker das Radio aufgedreht hat, wo ein Milit\u00e4rarzt von den Folterungen in den Milit\u00e4rgef\u00e4ngnissen berichtet, will sie davon nichts h\u00f6ren.<br \/>\nIm B\u00fcro lernt sie Felipe kennen und f\u00e4ngt mit ihm ein Verh\u00e4ltnis an. Er ist aber unverl\u00e4\u00dfig und sagt ihr nicht, wohin er geht, wenn er verschwindet, schickt sie aber auf eine Baustelle, wo ein Einkaufszentrum gebaut werden soll, damit sie sieht, da\u00df das nur geht, in dem die Slumbewohner vertrieben werden.<br \/>\nLavinia, die zwar ihren konservativen Eltern ein wenig entfremdet ist, f\u00fchrt trotz einiger fortschrittlicher Ideen, ein angepasstes Leben, l\u00e4\u00dft sich von ihrer Haushaltshilfe Lucretica, die aus den Slumvierteln kommt, verw\u00f6hnen und fr\u00fchst\u00fcckt Samstag mit ihrer Freundin Sara, die gleich ihr aus den besten Kreisen kommt, aber geheiratet hat und jetzt versucht, als Hausfrau ihren Adrian zu verw\u00f6hnen.<br \/>\nDa bringt Felipe Levinia einen verletzten Companero ins Haus und sie erf\u00e4hrt, da\u00df er der Freiheitsbewegung angeh\u00f6rt, lernt auch die Krankenschwester Flor kennen,  schlie\u00dft sich der Bewegung an und wundert sich nur dar\u00fcber, da\u00df sie, statt zu revolutieren, aufgefordert wird, ihr fr\u00fcheres Leben wieder aufzunehmen. So den Ball des Clubs zu besuchen, zu dem nur die Aristokraten und nicht einmal die  neureichen Gener\u00e4le, die das Land beherrschen und  die Companeros foltern, Zutritt haben.<br \/>\nEs kommt aber noch besser. Lavinia soll die Pl\u00e4ne f\u00fcr das Haus eines der Gener\u00e4le zeichnen. Sie lehnt ab, die Bewegung verlangt es aber von ihr, weil nur so die Informationen kommen. Sie wird auch in ein milit\u00e4risches Ausbildungslager geschickt, darf aber nicht zum Begr\u00e4bnis des Arztes gehen, von dem man am Anfang h\u00f6rte, der inzwischen von den Gener\u00e4len ermordet wurde, sondern mu\u00df der Frau des Generals und deren Schwester sch\u00f6n tun. Mu\u00df auch mit dem General Kontakt aufnehmen, der sich inzwischen eine Waffenkammer in sein Haus einbauen l\u00e4\u00dft, die entnimmt sie aus den Pl\u00e4nen des  Hearst-Castle, denn die Neureichen ahmen die Amerikaner nach und importieren auch deren kitschige M\u00f6bel und Stoffe, statt heimische Produkte zu verwenden.<br \/>\nDie Bewegung plant zu Weihnachten den gro\u00dfen Anschlag, n\u00e4mlich in das Haus des Generals einzudringen. Felipe soll dabei sein, wird aber vorher von einem Taxifahrer erscho\u00dfen, so \u00fcbernimmt Lavina seinen Auftrag, t\u00f6tet den General und kommt dabei selbst ums Leben.<br \/>\n&#8220;Ein Buch zum Verschlingen in einer Nacht&#8221;, steht am Umschlag. Ich habe ein bi\u00dfchen l\u00e4nger zum Lesen gebraucht und mir ist es dabei auch ambivalent gegangen.<br \/>\nDas Thema ist ja wichtig und es gibt auch wundersch\u00f6ne Milieuschilderungen, wo Lavinia zum Beispiel, auf die Baustelle kommt und mit den Slumbewohnern spricht oder die, wo Lucretia eines Tages nicht zum Putzen erscheint und als Levinia sie in ihrem Slum besucht, wo die kleine Nichte, die Tortillas, die ihre Mutter macht, nachts auf den Stra\u00dfen verkaufen mu\u00df, liegt die fast verblutet im Bett, weil bei ihr eine Abtreibung verpfuscht wurde, haben mich sehr angesprochen. Noch eine  packende Szene f\u00e4llt mir ein, Lavinia trifft sich mit Flor in einem Park, dort spielen \u00e4rmliche Kinder auf den Rutschen, daneben liegen die Tabletts mit den S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie sp\u00e4ter den Mittelschichtkindern verkaufen werden, wenn die mit ihren Gouvernanten auf den Spielplatz kommen.<br \/>\nSehr packend auch etwas vom Untergrundkampf zu erfahren, der sicher authentisch ist, hat sich die 1948 in Managua geborene und ebenfalls im Ausland studiert habende, Gioconda Belli, eine der wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur, neben <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/14\/begegnung-mit-ernesto-cardenal\/\">Ernesto Cardenal<\/a>, wie im Buch steht, ab 1970 am Widerstand der sandinistischen Befreiungsfront beteiligt.<br \/>\nEiniges erscheint mir fremd, so zum Beispiel, da\u00df Lavinia alleine, also ohne ihren Freund Felipe, auf den Ball geht und dann habe ich auch mit dem T\u00f6ten f\u00fcr die Freiheit meine Probleme. Wird aber auch in spannenden Bildern festgemacht. Der General hat n\u00e4mlich einen Sohn, der ein wenig anders zu sein scheint, zum Leidwesen seines Foltervater, liebt er V\u00f6gel mehr als Flugzeuge und der erkennt Lavinia, als sie maskiert in die Villa eindringt und zeigt ihr mit den Augen auch die Kammer, wo sich der Vater versteckt, als sie hineingeht, schreit er aber auf.<br \/>\nEin wenig zu lang scheint mir die spannende Handlung auch zu sein, wo kein Detail ausgelassen wird und auch etwas widerspr\u00fcchig. So versucht der General Lavinia zu verf\u00fchren und Lavinia mu\u00df auch Adrian, dem Mann Saras, f\u00fcr die Partei rekrutieren, ansonsten soll aber niemand in der Bewegung wissen, was der andere macht, damit er sich in der Folter nicht verraten kann, was  Lavinias und Felipes Beziehung sicher schadet. Lavinia leidet aber auch unter den lateinamerikanischen Machos und darf zwar die Pl\u00e4ne f\u00fcr die Generalvilla zeichnen, aber nicht die Baustelle beaufsichtigen, weil das die Bauarbeiter nicht akzeptieren w\u00fcrden.<br \/>\nSpannend auch nachzudenken, wie man sich selber verhalten und ob man in einer Diktatur f\u00fcr die Freiheit t\u00f6ten und andere bespitzeln w\u00fcrde oder es gen\u00fcgt, wenn man versucht ein guter Mensch zu sein und niemanden auszubeuten.<br \/>\nIch habs im B\u00fccherschrank gefunden und den Namen Gioconda Belli habe ich das erste Mal, glaube ich, in dem Nicaragua Buch von Erika Danneberg gelesen, die ja einige Zeit dort war, um ihren Freiheitskampf zu machen und habe inzwischen noch den Gedichtband &#8220;Feuerlinie&#8221;, bekommen, den ich im n\u00e4chsten Jahr lesen will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Bewohnte Frau&#8221; von Gioconda Belli, 1988 geschrieben, ist ein Buch \u00fcber den lateinamerikanischen Freiheitskampf, spielt in der fiktiven Stadt Faguas, die f\u00fcr Managua stehen d\u00fcrfte und ist im Sinne des magischen Realismus geschrieben. 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