{"id":13325,"date":"2012-04-17T00:22:40","date_gmt":"2012-04-16T22:22:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13325"},"modified":"2012-04-17T00:22:40","modified_gmt":"2012-04-16T22:22:40","slug":"linus-fleck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13325","title":{"rendered":"Linus Fleck"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Linus Fleck&#8221; von Hans Werner Richter ist ein Nachkriegsroman, &#8220;der die Situation im besetzten Deutschland schildert&#8221;, steht auf der Buchr\u00fcckseite, des 1980 in der Ullstein &#8220;Literatur heute&#8221; Reihe, erschienen Buchs und beginnt in den allerletzten Stunden des Krieges, in einem D\u00f6rfchen in Bayern, als der Kriegsgerichtsrat Fleck, offenbar ein \u00fcberzeugter Nazi, im Sterben lag, das praktizierte er sehr genau, lie\u00df jeden Abend den sechzehnj\u00e4hrigen Sohn Linus knien, um ihn zu segnen, der das nicht ernst nahm, bis er einmal das ganze Veronal auf einmal schluckte, da sind die Amerikaner schon am Hauptplatz aufmarschiert, das Volk empf\u00e4ngt sie mit wei\u00dfen T\u00fcchern und Linus, obwohl er kein guter Sch\u00fcler war, rezitert ein paar Brocken Englisch und empf\u00e4ngt sie mit Blumen. Das zieht die Aufmerksamkeit der Besatzer auf ihn, die ihn fortan protegieren. Das hei\u00dft zu erst in der K\u00fcche arbeiten lassen, wo er, ein L\u00fcgner, so leugnet er zum Beispiel die Nazivergangenheit des Vaters und erz\u00e4hlt auch Unwahrheiten \u00fcber seine Mutter, die nach Amerika durchgegangen ist, zwei Dosen Coned Beef entwemdet, worauf er von Sergeant Maclaens zur Rede gestellt wird. Eine Dose bringt er der Frau des Schuldirektors, eine \u00fcppige Blondine, damit er ein gute Zeugnis bekommt, eine andere, der Nachbarstochter, der ebenfalls sechszehnj\u00e4hrigen Sigrid &#8220;Engel von Fontainebleau&#8221; genannt, die will darauf den Amerikanern vorgestellt werden und es weiterbringen als er, was bei einem sch\u00f6nen jungen M\u00e4dchen, wie in dem Buch geschildert wird, nicht schwierig ist, weil die f\u00fcr Nylonstr\u00fcmpfe oder Zigaretten ja alles tun oder auch nicht und auch Linus hat seine Proteges, denn einer der Besatzer ist zuf\u00e4lligerweise der Pole mit dem die Mutter nach Amerika durchgegangen ist, der macht ihn zum Chefredakteur einer Jugendzeitschrift, denn die deutsche Jugend mu\u00df ja umerzogen werden. Linus nimmt an, hat aber ein Problem, er kann keine Artikel schreiben, erinnert sich aber an einen Schulkameraden, Peter Waschbottel, der das  sehr wohl kann und der schreibt nun alle Artikel, die in Linus Namen erscheinen, andere unterzeichnet er mit Ohrenbottel, bzw. Dattelohr.<br \/>\nPeter Waschbottel ist brillant und zynisch und so diktiert er der Gr\u00e4fin, in deren Wohnung die Redaktion des &#8220;Korkenziehers&#8221; untergebracht ist, Artikel \u00fcber die &#8220;Morgenr\u00f6te der Demokratie&#8221;.<br \/>\nManchmal greift er dabei auch die Amerikaner an, wof\u00fcr Linus dann zur Rede gestellt wird. Sonst geht es aber lustig zu im Nachkriegs-M\u00fcnchen.<br \/>\nLinus Fleck wird von den Amerikanern mit Lebensmitteln versogt und verteilt sie an Freunde und es gibt auch die Jugendkongresse, wo Andre Gide und Carl Zuckmayer Reden halten. Linus mu\u00df das auch Waschbottel hat sie ihm vorgeschrieben und nach der W\u00e4hrungsreform liegen die alten Reichsmarkscheine am Klo zum Arschabwischen.<br \/>\nIrgendwann verschwinden dann die Besatzer, die Jugendzeitung geht ein, bzw. wird sie vom Verleger in ein &#8220;Gr\u00fcnes Blatt&#8221; umgewandelt und die sch\u00f6ne Sigrid hat alle Amerikaner inzwischen so um den Finger gewickelt, da\u00df sie inzwischen Besitzerin einer Filmfirma ist. Linus wird zuerst Filmkritiker und f\u00e4ngt auch langsam seine Artikel selber zu schreiben an, dann gr\u00fcndet er eine Filmzeitung und da wendet sich dann das Blatt. Ein paar Jahre sind vergangen und das deutsche Wirtschaftswunder ist angebrochen. Man lebt auf Pump, trinkt Coca Cola und kann auch keinen Volkswagen mehr fahren, sondern Porsche oder BMW. Linus zieht von der sch\u00e4bigen Wohnung der Gr\u00e4fin, die gelegentlich Gespenster sah und sich mit Waschbottel angefreudet hat, in eine mit modernen M\u00f6beln in einen Glasbau, stellt zwei Sekret\u00e4rinnen an und l\u00e4\u00dft sich seine Artikel von einem anderen Redakteur schreiben, der ihm auch gro\u00dfz\u00fcgig Geld vorstreckt. Nur hat er ihn damit in der Hand, k\u00fcndigt auf einmal den Vertrag, will sein Geld zur\u00fcck und als Linus dann noch einige Skandalartikel diktiert, wo er alle auffliegen l\u00e4\u00dft, hat er einen Haufen Klagen am Hals und am Schlu\u00df stellt sich noch heraus, das Ganze war eine Intrige, des sch\u00f6nen Engels, der keine Filmzeitung haben wollte, weil sie aber zwar eine knallharte Gesch\u00e4ftsfrau, aber doch ein gutes M\u00e4dchen ist, bestellt sie Linus ihre Villa, schl\u00e4ft mit ihm einmal, dr\u00fcckt ihn dann ein Flugticket nach Amerika in die Hand und hat auch alles arrangiert, so da\u00df ihn sein fast Stiefvater dort erwarten wird.<br \/>\nHans Werner Richter, der auch das Nachwort geschrieben hat, hat das 1957\/58 geschriebene Buch &#8220;satirischen Roman&#8221; genannt, damals durfte es aber nicht unter diesen Titel erscheint, in der Auflage von 1980 steht es dabei und Richter erkl\u00e4rt in seinem Nachwort noch, da\u00df es Vorlagen f\u00fcr die Personen und auch die Jugendzeitschrift gegeben hat. Der echte Linus Fleck hat sich in New York erschossen, w\u00e4hrend der Ohrenbottel aus zwei Personen zusammengesetzt war, der eine wurde sp\u00e4ter Abgeordneter, der andere Professor und der 1908 geborene und 1993 verstorbene Hans Werner Richter, ist wie in Wikipedia steht, weniger durch eigene Werke, als als Initiator der ber\u00fchmten Gruppe 47 bekannt geworden. Als solcher habe ich vor kurzem erst in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\">einigen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/13\/hilde-spiel-und-der-literarische-salon\/\">B\u00fcchern<\/a> \u00fcber einige Nachkriegsschriftstellerin von ihm gelesen und finde diesen satirischen Roman, der eine Coca Cola Flasche am Titelbild tr\u00e4gt und ich im offenen B\u00fccherschrank gefunden habe, sehr interessant, fast w\u00fcrde ich es als eines der Grundb\u00fccher bezeichnen, das auch in der Alten Schmiede vorgestellt werden sollte, auf jeden Fall ist das Lesen sehr zu empfehlen und gut geschrieben ist es, denke ich, auch, auch wenn ich mir nat\u00fcrlich vorstellen, da\u00df es ein Sechzehnj\u00e4hriger, der nach dem Krieg ohne Mutter und Vater dagestanden ist, wahrscheinlich nicht so leicht gehabt hat. Man bekommt aber ein gutes Bild \u00fcber das Nachkriegsdeutschland und kann sich, wenn man das allzu satirische abzieht, vorstellen, wie es damals gewesen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Linus Fleck&#8221; von Hans Werner Richter ist ein Nachkriegsroman, &#8220;der die Situation im besetzten Deutschland schildert&#8221;, steht auf der Buchr\u00fcckseite, des 1980 in der Ullstein &#8220;Literatur heute&#8221; Reihe, erschienen Buchs und beginnt in den allerletzten Stunden des Krieges, in einem &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13325\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-13325","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13325"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13325\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}