{"id":13017,"date":"2012-04-08T00:54:38","date_gmt":"2012-04-07T22:54:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=13017"},"modified":"2012-04-08T00:54:38","modified_gmt":"2012-04-07T22:54:38","slug":"ruckzugsgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=13017","title":{"rendered":"R\u00fcckzugsgedanken"},"content":{"rendered":"<p>Im Moment gehts mir ein ein bi\u00dfchen ambivalent. Auf der einen Seite rase ich fast manisch dahin, schon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/03\/lese-und-schreibbericht\/\">f\u00fcnfzig Seiten an dem neuen Buchprojekt<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/10\/vorschau-auf-die-frau-auf-der-bank-oder-dreimal-s\/\">zwei<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/19\/rohtext\/\">B\u00fccher<\/a> in Vorbereitung, wo im Moment mehr oder weniger weitergeht und ich, wenn sie fertig sind, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\">drei\u00dfig sogenannte Indie-B\u00fccher<\/a>, wie das ja jetzt hei\u00dft, pr\u00e4sentieren kann. Mit dem Literaturgefl\u00fcster bin ich mit den drei oder vier Kategorien, die ich gar nicht wirklich habe, auch sehr schnell unterwegs, warten ja schon viele B\u00fccher auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a>, meistens habe ich auch einen straffen Veranstaltungsplan und ein oder zweimal in der Woche will ich auch \u00fcber mein (erfolgloses) Schreiben bloggen. Das hei\u00dft, ich bin, wenn ich nur t\u00e4glich einen Artikel schreiben will, ziemlich ausgeplant und habe meistens einen Artikelvorrat in Planung, das ist ja auch etwas, das zum Thema passt und gerade h\u00f6chst aktuell ist, will ich mich ja auch immer mit der politischen Situation besch\u00e4ftigen.<br \/>\nIm Moment befinde ich mich in Harland und mache Osterferien, das hei\u00dft ich fahre mit dem Rad nach Herzogen- oder Wilhelmsburg und lese die B\u00fccher meiner Harland-Leseliste und bin da gerade mit den &#8220;21 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/06\/rusland-21-neue-erzahler\/?preview=true\">neueren ru\u00dfischen Erz\u00e4hlern&#8221; <\/a>am Fertigwerden.<br \/>\nNach Ostern werde ich eine intensive Praxis-Woche mit wahrscheinlich viel Diagnostik haben, dann feiert die Anna ihren Geburtstag, da werde ich wahrscheinlich zwei interessante Alte Schmiede Termine ausfallen lassen und dann fahren wir ja bald zur Lesung mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">Margot Koller, Wolfgang Kauer und Josef K. Uhl<\/a> nach Salzburg. Danach f\u00e4hrt der Alfred mit dem Karli nach Australien und dann wird wieder ein bi\u00dfchen still und ich habe Zeit f\u00fcr mein neues Projekt, aber da bin ich ja derzeit  ziemlich abgest\u00fcrzt und habe das Gef\u00fchl, ich stehe an.<br \/>\nBei einem so manisch intensiven Schreiben, wie ich das ja jetzt schon mehrere Jahre betreibe, eigentlich nat\u00fcrlich, da\u00df einmal die Luft ausgeht und wahrscheinlich, g\u00fcnstig stehenzubleiben,  sich umzuschauen und sich zu orientieren, wo bin ich jetzt?<br \/>\nIch bin da aber ein bi\u00dfchen skeptisch und scheine gro\u00dfe Angst zu haben, da\u00df ich, wenn ich loslasse, nichts mehr weitergeht, auf der anderen Seite scheine ich mich aber ohnehin derzeit auf dem R\u00fcckzug zu befinden und habe Thomas Wollinger vor einigen Tagen kommentiert, da\u00df das Literaturgefl\u00fcster mein Ein- oder Ausstieg aus dem Literaturbetrieb ist.<br \/>\nDer Ausstieg? Wohl nicht, da man dort, wo man nicht drinnen ist, nicht aussteigen kann! Andererseits wenn ich mir die \u00fcber tausend Literaturgefl\u00fcsterartikel so durchlese, sehe ich, da\u00df ich in der Zeit, in der ich blogge, einiges verloren habe. War ich 2008 zum Beispiel in der Jury f\u00fcr die Buch-Pr\u00e4mien des BUMUKs und jetzt k\u00e4mpfe ich herum, von denen Einladungen zu den Preisverleihungen zu bekommen, habe noch den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/12\/tag-der-freiheit-des-wortes\/\">&#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221;<\/a> organisiert und die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/22\/die-mittleren-vi\/\">Frauenlesung<\/a>, die ich eigentlich nicht mehr machen will, weil so wenig positives Feedback zur\u00fcckkommt und sich scheinbar so keiner f\u00fcr mein Schreiben interessiert und wenn das so ist, mu\u00df ich mich nicht aufdr\u00e4ngen und immer mit  Zetteln herumlaufen &#8220;Schaut her, da habe ich eine Lesung!&#8221;, zu der dann niemand kommt. Da hatte ich ja auch eine ziemliche Schockerfahrungen vor ein paar <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/18\/solo-lesung\/\">Monaten im Cafe Amadeus<\/a>. Aber die Zahl der Lesungen sind schon vorher zur\u00fcckgegangen. Ich mu\u00df nicht \u00fcberall lesen und ich mu\u00df nicht schreiben. Aber das will ich ja. Trotzdem bin ich am Dienstag mit dem Laptop auf den Knien auf der Wiener Terrasse gesessen, habe meine vierzig Seiten korrigiert und gedacht, ich stehe an. Solche Erlebnisse hatte ich  schon fr\u00fcher, da\u00df ich nicht mehr weiterwu\u00dfte. Die L\u00f6sung war dann immer weiterzuschreiben und es ist auch irgendwie gegangen. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob ich \u00fcber meine Grenzen kann und die wenigen Kommentare, die diesbez\u00fcglich kommen, behaupten auch das Gegenteil. Irgendwie stehe ich an, schon wieder oder immer noch. Ich habe in Wien auch eine blaue Mappe, wo die Kritiken drinnen stehen, wenn ich mir das durchlese, bin ich ebenfalls ambivalent. Denn einerseits habe ich ja sehr viel geschrieben. Andererseits schummle ich mich vielleicht schon um meine Schw\u00e4chen herum und so stehe ich jetzt vor der Frage, wie mache ich mit der Paula Nebel weiter?<br \/>\nIm Augenblick sp\u00fcre ich keine gro\u00dfe Lust dazu, denke, ich sollte die f\u00fcnfzig Seiten so lassen. Dann denke ich wieder neu anfangen und aus dem was ich habe, etwas Neues und Besonderes machen? Wie geht das aber? Obwohl ich schon glaube, da\u00df das Beschreiben einer neunzigj\u00e4hrigen Frau interessant sein kann. Dann bin ich aber von der Demenz und der Einsamkeit sehr schnell in einen Alltag mit einer dreizehnj\u00e4hrigen Wahltochter, die einen Platz an einer Elitehauptschule bekommen hat  und einem gemobbten Hausmeister geglitten. Paula kocht ebenfalls etwas manisch und die Schwester vom sozialen St\u00fctzpunkt r\u00e4t immer &#8220;Aufzupassen und vorsichtig sein!&#8221;<br \/>\nDa kann man vielleicht schon einiges daraus machen, wenn man nicht, wie ich, im Moment ansteht, Widerwillen empfindet und denkt, ich kann es nicht! Ich denke dann inzwischen, du mu\u00dft ja nicht. Du kannst im Literaturgefl\u00fcster jammern oder auch Kurzgeschichten schreiben. Zeitlassen, schreibe ich ja immer, Kraft holen und nachtanken, weil eine, die jahrelang manisch einen Text nach dem anderen schreibt, naturgem\u00e4\u00df einmal ein wenig ausgepowert ist. Vorgestern habe ich gedacht, ich bin in den vierzig Schreibejahren kein St\u00fcck weitergekommen. Dann denke ich wieder, das stimmt nicht und eine, die so viel schreibt, mu\u00df es schon ein bi\u00dfchen k\u00f6nnen und man kann auch aus der &#8220;Paula Nebel&#8221; einen interessanten kurzen oder l\u00e4ngeren Text machen.<br \/>\nEin bi\u00dfchen schwierig ist es ja auch mit den Feedbacks. Da habe ich zum Beispiel am Montag die Literarische Soiree geh\u00f6rt und da sagte Katja Gassner, da\u00df sie, seitdem sie in Karenz und junge Mutter ist, nur mehr gute B\u00fccher lesen w\u00fcrde. Was bitte ist darunter zu verstehen? Was ist gute Literatur?  Cornelia Travniceks &#8220;Chucks&#8221;, das in dieser Sendung ziemlich verissen wurde, ist ja ein gutes Beispiel, f\u00fcr ein spannendes St\u00fcck neuer Literatur. Da wurde aber die Jugendlichkeit bem\u00e4ngelt und sogar gesagt, da\u00df man nicht \u00fcber den AIDS-Tod schreiben soll, weil es den nicht mehr gibt und so viel Jugendlichkeit vertragen, die \u00e4lteren Kritikerinnen offenbar nicht.<br \/>\nIch habe mir gedacht, wenn ich die &#8220;Paula Nebel&#8221;,  ein bi\u00dfchen fetzig hinbekomme, w\u00e4re das vielleicht gut, aber wie macht man das?<br \/>\nDen Anfang und das Ende schreiben, hat Cornelia Travnicek, in einem Interview gesagt und dazwischen mit Szenen auff\u00fcllen, die nicht chronologisch sein m\u00fc\u00dfen. Ich schreibe eigentlich immer chronologisch und ver\u00e4ndere dann nicht mehr viel. Vielleicht ist das, das Problem, denn ich kann mich erinnern, da\u00df Cornelia Travnicek auch etwas von vierzig Seiten gesagt hat, die sie weggeschmissen hat. Nun werfe ich nicht viel weg und war mit f\u00fcnfundzwanzig Jahren sicher nicht so weit, so souver\u00e4n \u00fcber mein Schreiben Auskunft zu geben. Mit Drei\u00dfig kann ich mich erinnern, da\u00df ich \u00fcber die Psychose einer Freundin schreiben wollte und nicht weitergekommen bin. Jetzt stehe ich wieder an, denke, ich mag nicht mehr, weil das ja niemanden interessiert. Aber was ist die Alternative? Richtig, ich habe keine. Denn nur meine B\u00fccherberge auflesen, will ich eigentlich nicht. Was ist aber, wenn mit dem Schreiben nichts weitergeht? Du mu\u00dft nicht schreiben, hast keinen Anspruch darauf und brauchst es nicht, werden die Kritiker jetzt sicher mahnen. Richtig, was ist aber, wenn ich es will?<br \/>\nIch kann mich noch sehr genau an meine ersten Kritiker vor f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahren erinnern. Die haben &#8220;Die Einladung zum Tee&#8221; angeschaut und gesagt &#8220;Das ist schlecht, wir k\u00f6nnen dir aber auch nicht sagen, wie es besser geht!&#8221; und Rudolf Blazejewski aus Frankfurt, meinte freundlich, ich solle mich an meinem Schreiben freuen und das nur f\u00fcr mich tun. Das ist mir zwar immer noch zu wenig, geht aber wahrscheinlich nicht anders. Was mache ich aber, wenn es nicht weitergeht? Die Freewriter raten, solange &#8220;Mir f\u00e4llt nichts ein!&#8221;, zu schreiben, bis es wieder geht. Also aufh\u00f6ren, hinausgehen, den Bleistift mitnehmen und denken, &#8220;Du mu\u00dft nichts schreiben, kannst es aber, wenn du willst!&#8221;<br \/>\nSo war ich am Gr\u00fcndonnerstag mit dem Rad in Herzogenburg und habe in der dortigen B\u00fccherei schon &#8220;Chucks&#8221; in der Auslage des ziemlich verschlafen wirkenden St\u00e4dtchens liegen gesehen und mir gedacht, &#8220;Wow, sind die aber schnell!&#8221;<br \/>\nJetzt jammere ich ein bi\u00dfchen im Literaturgefl\u00fcster und dann sehen, wie es weitergeht? Inzwischen habe ich f\u00fcnfzig Seiten geschrieben, neunzehn Szenen, 22.860 Worte und es passt noch nicht ganz zusammen und sollte vielleicht mindestens noch eine Verbindungsszene bekommen. Sonst denke ich aber fast, da\u00df ich fertig bin und aus der Paula Nebel ein k\u00fcrzerer Text geworden ist, der vielleicht die realistische Antwort auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/06\/die-besucher\/\">Kurt Palms &#8220;Die Besucher&#8221;<\/a> geworden ist, der im Wochenendstandard seine Gedanken \u00fcber Ostern und das Eiersuchen \u00e4u\u00dfert. Soll und kann so sein!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_haus.html\">&#8220;Das Haus&#8221;<\/a> war eigentlich auch nicht viel l\u00e4nger. Hebe ich den Text eben, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin auf und schreibe einen zweiten kurzen oder gebe ihn mit den anderen Kurzgeschichten, die ich schon habe, als Geschichtenband oder &#8220;Best of III&#8221; heraus.<br \/>\nIch mu\u00df  ohnehin auch noch meine zwei anderen B\u00fccher fertig machen und zum Lesen habe ich auch genug. Daraus lerne ich immer viel und nat\u00fcrlich mu\u00df ich nicht schreiben, will es aber und glaube schon, da\u00df ich es ein bi\u00dfchen kann! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Moment gehts mir ein ein bi\u00dfchen ambivalent. 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