{"id":12701,"date":"2012-03-20T09:26:55","date_gmt":"2012-03-20T08:26:55","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=12701"},"modified":"2012-03-20T09:26:55","modified_gmt":"2012-03-20T08:26:55","slug":"drei-starke-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=12701","title":{"rendered":"Drei starke Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Die Frauen, meist in Dakar geboren und in Frankreich lebend oder auf dem Weg dorthin, aus Marie NDiayes Roman, einem Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, der jetzt auch als Taschenbuch erschienen ist, sind eigentlich gar nicht so stark, wie der Buchtitel vorgibt scheint oder Norah vielleicht, die Heldin der ersten, der drei kaum zusammenh\u00e4ngenden Geschichten, in dem Roman genannten, 2010 bei Suhrkamp erschienenen Buchs.<br \/>\nNorah ist vierzig, Anw\u00e4ltin, in Frankreich aufgewachsen und kommt auf Dr\u00e4ngen ihres Vaters, nach Dakar, das sie eigentlich gar nicht kennt. Der Vater hat mit ihrer Mutter, einer Friseurin, einige Zeit in Frankreich gelebt, dann hat er den Sohn genommen und ist mit ihm nach Dakar gegangen, wo er ein Feriendorf aufbaute und reich und erfolgreich war. Als Norah ihn wiedersieht, ist er ein alter Mann und  der Sohn Sony ist wegen Mordes an der zweiten j\u00fcngeren Frau des Vaters angeklagt, Norah soll ihn verteidigen, weil der Vater kein Geld mehr hat, einen Anwalt zu bezahlen.<br \/>\nIn poetischen Worten mit sehr sch\u00f6nen Bildern werden etwas geheimnisvoll die Geschichten der drei starken Frauen erz\u00e4hlt. Im ersten Teil ist es der Flammenbaum, der symboltr\u00e4chtig immer wieder auftaucht.<br \/>\nNorah beschreibt das Haus des Vaters, den Diener und das Dienstm\u00e4dchen Khady, das bei den zwei Kindern lebt und telefoniert mit ihrer Tochter, die mit Norahs wei\u00dfen Lebensgef\u00e4hrten und seiner Tochter Grete in Paris lebt, die Tochter erz\u00e4hlt ihr etwas von einem Kinobesuch, als Norah mit dem Diener aber am n\u00e4chsten Tag ins Gef\u00e4ngnis zu ihrem Bruder f\u00e4hrt, sieht sie ihren Lebensgef\u00e4hrten mit den Kindern in einem Hotel sitzen.<br \/>\nIn der zweiten Geschichte geht es um die Franz\u00f6sischlehrerin Fanta, die ihrem wei\u00dfen Mann nach Frankreich gefolgt ist und obwohl sie eine der Titelheldinnen des Buches ist, erf\u00e4hrt man nicht wirklich viel von ihr, wird die Geschichte ja von ihrem Mann Rudy erz\u00e4hlt, der mit seinen Eltern in Afrika aufgewachsen ist, der Vater hat seinen Gesch\u00e4ftspartner erschlagen und Rudy, der Franz\u00f6sisch unterrichtete, hatte Schwierigkeiten mit einem Sch\u00fcler, so da\u00df er mit seiner Frau und dem kleinen Sohn nach Frankreich zur\u00fcckkehrte und dort K\u00fcchen verkauft.<br \/>\nAuch er wurde aus der Bahn geworfen, hat kein Geld, so da\u00df er sogar sein Handy abmelden mu\u00df, sorgt sich um seine Frau, die sich offensichtlich von ihm abwandte, so da\u00df er vergeblich versucht, sie zu erreichen, sich um seinen Job sorgt, da er sich bei der Ausmessung einer der K\u00fcchen verrechnet hat, von V\u00f6geln auf der Fahrt zu seiner Kundin verfolgt wird, dann den kleinen Sohn zu seiner Mutter bringt, es aber bei ihr, die sich um die Kinder der Nachbarn k\u00fcmmert und Zeichnungen von Engeln anfertigt, die sie dann auf Flugbl\u00e4ttern verteilt, nicht wirklich aush\u00e4lt.<br \/>\nDie Heldin der dritten Geschichte ist Khady und von ihr haben wir schon in Geschichte eins erfahren, da sie dort im Haus von Norahs Vater arbeitete. In Geschichte drei, erf\u00e4hrt man, da\u00df ihr Mann von dem sie sich sehnlichst ein Kind w\u00fcnschte und alles versuchte, eines zu bekommen und der, wie ihre Gro\u00dfmutter gut zu ihr war, gestorben ist, so da\u00df sie bei seiner Familie, die sie als arme, kinderlose Frau nicht will, lebte und die sie dann mit ein paar Geldscheinen und etwas Brot nach Frankreich zu ihrer Cousine Fanta schickt. Aber dorthin zu kommen ist ja nicht leicht, vor allem f\u00fcr Khady nicht, die in der Schule, die sie kurz besuchte, nicht wirklich Franz\u00f6sisch lernte, sich nach der guten Zeit bei ihrem Mann, da betrieb sie mit ihm einen Getr\u00e4nkekiosk, bei seiner Familie totstellt und das Sprechen einstellt. Trotzdem f\u00fchlt sie sich als etwas Besonderes und Einzigartiges und hat das offenbar auf von der Gro\u00dfmutter so vermittelt bekommen. Das Besteigen des Schiffes scheitert, Khady wird am Bein verletzt, findet dann einen Jungen, der sich um sie k\u00fcmmert, ihr Papiere und Essen bringt, sein Geld wird ihm aber von der Polizei abgenommen, so da\u00df sich Khady prostituieren mu\u00df, um wieder Geld f\u00fcr einen weiteren Fluchtversuch anzusparen und der Versuch mit einer Leiter den hohen Zaun nach Europa zu gelangen, scheitert erneut.  &#8220;Das bin ich, Khady Demba, dachte sie noch in dem Augenblick, da ihr Sch\u00e4del auf dem Boden aufschlug und sie mit weit ge\u00f6ffneten Augen hoch \u00fcber dem Zaun einen Vogel mit langen, grauen Fl\u00fcgeln ruhig kreisen sah &#8211; das bin ich, Khady Demba, dachte sie im Schwingen dieser Offenbarung, wissend, da\u00df sie dieser Vogel war und da\u00df der Vogel es wu\u00dfte.&#8221;<br \/>\nEin wirklich sehr poetischer Roman, der viel \u00fcber die starken, schwachen Frauen, die in Dakar, in Frankreich oder sonstwo auf der Welt leben oder es wirklich in die Festung Europa, dem hochgelobten Land, in das alle Afrikaner wollen, schaffen, erz\u00e4hlt und von dem ich ohne den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken wahrscheinlich nie etwas geh\u00f6rt h\u00e4tte.<br \/>\nMarie NDiaye wurde 1967 geboren, ist die Tochter einer franz\u00f6sischen Mutter und eines senegalischen Vaters, der Vater verlie\u00df die Familie, als sie noch ein S\u00e4ugling war. Sp\u00e4ter ist sie ist mit ihrem Mann und ihren drei Kindern viel in Europa herumgezogen,  seit 2007 lebt sie in Berlin, hat mehrere Literaturpreise bekommen und viele Theaterst\u00fccke und Romane geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frauen, meist in Dakar geboren und in Frankreich lebend oder auf dem Weg dorthin, aus Marie NDiayes Roman, einem Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, der jetzt auch als Taschenbuch erschienen ist, sind eigentlich gar nicht so stark, wie der &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=12701\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-12701","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12701"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12701\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}