{"id":12252,"date":"2012-02-20T00:10:31","date_gmt":"2012-02-19T23:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=12252"},"modified":"2012-02-20T00:10:31","modified_gmt":"2012-02-19T23:10:31","slug":"super-sad-true-love-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=12252","title":{"rendered":"Super Sad True Love Story"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Zum Schreien komisch. Wenn es nicht so realistisch w\u00e4re&#8221;, schreiben ZDF Aspekte und &#8220;George Orwell trifft Woody Allen&#8221;, titelt Welt am Sonntag \u00fcber Gary Shteyngarts &#8220;Super sad true love story&#8221;, den Roman, auf dem ich im Herbst oder Sommer auf diversen Blogs, als  Buch aufmerksam wurde, &#8220;das in einem Amerika in sehr naher Zukunft, n\u00e4chsten Dienstag, wer wei\u00df?&#8221;, spielt, in dem alles den Bach hinuntergeht oder schon gegangen ist und das schwer zu lesen ist, ich hab die deutsche \u00dcbersetzung gelesen, obwohl der Alfred auch das englische TB, das viel billiger war, kaufte.<br \/>\nDer 1972 in Leningrad- St. Petersburg geborene und mit seinen Eltern in die USA emigrierte, j\u00fcdisch russische Gary Shteyngart, macht sich in dem Buch, w\u00fcrde ich sagen, \u00fcber das Amerika in dem er lebt, lustig, in dem er es \u00fcberzeichnet und in den Abgrund schickt.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Dienstag ist die USA jedenfalls heruntergekommen und verschuldet, in den Krieg gegen Venezuela gezogen und wartet auf die Rettung der Chinesen, in New York zieht die Nationalgarde herum und holt die \u00fcbergewichtigen Amerikaner aus dem Flugzeug und wenn man mit dem Zug oder der F\u00e4hre fahren will, mu\u00df man die Kontrollen ableugnen und gleichzeitig akzeptieren. Es gibt keine B\u00fccher mehr, weil sie stinken und der neununddrei\u00dfigj\u00e4hrige Lenny Abramov, wohl der letzte Tagebuchschreiber, hat einen Entschlu\u00df gefa\u00dft, er will nicht sterben.<br \/>\nDas glaubt er auch nicht zu brauchen, arbeitet er doch f\u00fcr das humane Kapital, das ist eine Firma, die reichen Alten das ewige Leben verspricht und das das tut er zu Beginn des Buches in Rom, weil er da ein Jahr auf Auslandsaufenthalt war. Er ist gerade dabei, wieder in die Staaten zur\u00fcckzufliegen und mu\u00df dazu nur vorher in die Botschaft gehen und dort \u00fcber seinen \u00c4pp\u00e4r\u00e4t, den alle haben und ohne den man nicht leben kann oder will, einem Otter erkl\u00e4ren, ob er mit einer Italienerin Sexualkontakt hatte, als er das zugibt, st\u00fcrzt der Computer ab und Lenny begibt sich auf die Party dieser Italienerin und lernt dort die vierundzwanzigj\u00e4hrige in Amerika aufgewachsene Koreanerin Eunice Park, sch\u00f6n, schlank, konsums\u00fcchtig, von ihrer Familie abh\u00e4ngig, katholisch und auch noch sehr hilfsbereit, kennen und verliebt sich in sie.<br \/>\nDas Buch ist in zwei abwechselnden Str\u00e4ngen geschrieben, der erste ist Lenny Abramovs Tagebuch,  der zweite Eunice Parks Global Teens Account, da kommuniziert sie mit ihrer  Grillbitsch genannten Freundin Jenny Kang und ihrer Schwester Sally und Mummy Chung Won h\u00e4lt der Tochter ihre schlechten College Noten vor.<br \/>\nEunice studiert  Images und Selbstsicherheit und nach und nach kommt man in den Sog des Buchs hinein, das tats\u00e4chlich an George Orwell erinnert, der wird sogar erw\u00e4hnt oder auch an &#8220;Fahrenheit 451&#8221; und schwer zu lesen ist es, denn die meisten der eingewanderten Amerikaner sprechen kein richtiges Englisch und die Jugend verwendet ohnehin nur Abk\u00fcrzungen, man l\u00e4dt seinen Imagefaktor auf, versucht sein Colesterin zu vermeiden und ist st\u00e4ndig \u00fcberschuldet, weil man ja konsumieren soll.<br \/>\nLenny kehrt also in die USA, zu seinem Chef, Joshie Goldmann zur\u00fcck und macht sich einen \u00dcberlebensplan, er will auch an dem Verj\u00fcngungsprogramm teilnehmen, hat aber zuwenig Geld dazu und vorerst haben ihm die Newcomers in der Fima auch den Schreibtisch weggenommen. Die nette Sekret\u00e4rin f\u00fcttert ihn aber mit Blumenkohl und er beschlie\u00dft Eunice zu sich zu holen, die auch kommt. Ihre Familie ist zwar dagegen, da\u00df die Vierundzwanzigj\u00e4hrige zu dem alten wei\u00dfen Juden zieht, der eine ganze Wand stinkiger B\u00fccher hat und &#8220;Krieg und Frieden&#8221; und Milan Kundera liest. Eunice ist aber in Lennie verliebt und nur dar\u00fcber schockiert, da\u00df er zuwenig putzt. Er nimmt sie zu seiner Familie mit und besucht auch die ihre, Eunice gibt ihn aber als Mitbewohner aus und die Familie ist entsetzt, weil er ein Loch im Socken hat.<br \/>\nLenny macht weiter Pl\u00e4ne, sein Chef und seine Freunde wollen Eunice auch kennenlernen, dazu mu\u00df er sie erst \u00fcberreden und ihr auch ein neues Kleid kaufen, weil sie ja \u00fcberschuldet ist, dann bricht aber nicht nur der totale Krieg aus, die Verm\u00f6gensschwachen haben den Central- und noch andere Parks besetzt und die altruistische Eunice hat dem entlassenen Soldaten David auch noch Essen und alte \u00c4pp\u00e4r\u00e4te gebracht, der Chef, der sich inzwischen verjungen lie\u00df, ist  von Eunice Jugend total beeindruckt und will mit ihr malen und zeichnen. W\u00e4hrend man zu ahnen beginnt, was sich da anzubahnen beginnt, bricht die totale Katastrophe aus, alle \u00c4pp\u00e4r\u00e4te brechen zusammen und Joshie Goldmann, stellt sich heraus, w\u00e4hrend die Besetzer in den Parks \u00fcberw\u00e4ltigt werden und die Chinesen alles erobern, geh\u00f6rt mit zu den Verschw\u00f6rern und w\u00e4hrend er noch Brot und Wasser in den Wohnblock liefert, damit Eunice, die armen alten Menschen versorgen kann, beginnt er schon den Wohnblock zu evakuieren, um das Gel\u00e4nde neu aufzuteilen und das gro\u00dfe Geld zu machen. Die sch\u00f6ne Eunice will er nat\u00fcrlich haben und sie entscheidet sich auch f\u00fcr ihn, ihre Eltern sind begeistert, Lenny wird zu seinen ausquartiert und schreibt in sein Tagebuch, da\u00df er nun doch sterben m\u00f6chte.<br \/>\nDann wendet sich das Blatt wieder und Lennys Tagebuch wird in Peking und New York herausgegeben und in den letzten Kapitel beschreibt er, da\u00df auch Joshua alt und krank gestorben ist und sich Eunice einem J\u00fcngeren zuwandte, nur Lenny scheint noch eine Zeit \u00fcberlebt zu haben, w\u00e4hrend Amerika unterging.<br \/>\nEin wirklich beklemmendes Buch mit seinen Zukunftsszenarien vom n\u00e4chsten Dienstag, wo alle nur im Facebook und am Handy h\u00e4ngen, das ich fast in einem Zug durchgelesen habe, obwohl ich mir schon ein paar Mal dachte, da\u00df es eigentlich eine  etwas banale \u00dcbertreibung ist und ich mich, die ich  so verzweifelt gegen meine Rechtschreibfehler k\u00e4mpfe, aber in ganzen S\u00e4tzen schreibe, ein bi\u00dfchen \u00fcber die Sprachverst\u00fcmmelung und bewu\u00dfte Pidguinsprache in einem Rowohltbuch wunderte und das Krisenszenario macht in einer Zeit, in der wir die Krise vor der Haust\u00fcr oder in den Medien haben, auch etwas depressiv, wenn der Roman auch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Buch ist und zum Nachdenken anregt. Ob die begeisterten jungen oder auch \u00e4lteren Leser, die Katastrophe, der wir vielleicht auch in Europa entgehen steuern, aufhalten k\u00f6nnen, bezweifle ich allerdings.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Zum Schreien komisch. 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