{"id":11899,"date":"2012-02-05T17:27:52","date_gmt":"2012-02-05T16:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11899"},"modified":"2012-02-05T17:27:52","modified_gmt":"2012-02-05T16:27:52","slug":"zwei-jahre-offene-bucherschranke-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11899","title":{"rendered":"Zwei Jahre offene B\u00fccherschr\u00e4nke"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland gibt es das Konzept der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke &#8220;Nehmen, geben, keine Anmeldung, keine Kosten&#8221;, schon lang. Nach Wien hat sie vor zwei Jahren Frank Gassner gebracht und da ist die Er\u00f6ffnung des ersten B\u00fccherkasten in der Zieglergasse, Ecke Westbahnstra\u00dfe am 5. Februar 2010 an mir vorbei gegangen. Erfahren habe ich erst durch leselustfrust davon, meinem Lieblingsblog, den es ja leider nicht mehr gibt und den ich sehr nachtrauere, weil manches  dort wirklich einzigartig war und bin ein paar Wochen sp\u00e4ter das erste Mal, verbunden mit einer Literaturhausveranstaltung hingegangen. Ich hab dar\u00fcber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/19\/silberbote\/\">geschrieben<\/a> und war, obwohl ich ja noch von den B\u00fcchert\u00fcrmen der Literatur im M\u00e4rz und der Verlassenschaft meiner Eltern einige ungelesene B\u00fccher hatte, begeistert und habe wirklich sehr viele sch\u00f6ne B\u00fccher dort gefunden, die mein Leseverhalten eindeutig gesteigert haben. Ich habe mir auch parallel oder schon ein bi\u00dfchen fr\u00fcher angew\u00f6hnt, alle B\u00fccher, die ich lese, zu besprechen und da ich auch sonst ziemlich regelm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber schreibe, was man in den Schr\u00e4nken so findet, habe ich auch eine gute Dokumentation dar\u00fcber und komme, da ja das Literatur- und das Amerlinghaus, sowie das AKH in der N\u00e4he liegen, ziemlich regelm\u00e4\u00dfig daran vorbei und finde es sehr faszinierend, was man da alles finden kann und es ist auch interessant, sich Geschichten von den Menschen auszudenken, die die B\u00fccher einmal besessen haben, so habe ich auch in drei B\u00fcchern dar\u00fcber geschrieben. In der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_mimi.html\">&#8220;Mimi&#8221;<\/a> habe ich mir so eine B\u00fccherbetreuerin erfunden, beziehungsweise, die Frau Tunichtgut dazu gemacht und dann gab es einmal eine Aufregung \u00fcber einen alten Herrn, der sich zuviele B\u00fccher genommen hat, da hat die Psychologin in mir einen Alzheimerpatienten aus ihm gemacht und f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;<\/a>, die Figur des Bernhard Listringer erfunden und in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/25\/weiter-mit-den-drei-s\/\">&#8220;Frau auf der Bank&#8221;<\/a> kommen die B\u00fccherschr\u00e4nke auch ein bi\u00dfchen vor. Wurden sie ja sehr gut angenommen, so da\u00df sie, wie die Schwammerln aus dem Boden gewachsen sind und viele Nachahmer gefunden haben. Frank Gassner meint ja immer, da\u00df es ihm gar nicht so sehr, um die F\u00f6rderung des Lesens, sondern eher, um die des \u00f6ffentlichen Raumes geht und so gibt es inzwischen auch einen Schrank am Brunnenmarkt und einem am Zimmermannplatz. Dort war ich bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/31\/offener-bucherschrank-und-rosa-winkel\/\">Er\u00f6ffnung<\/a>, das &#8220;Rosa Winkel&#8221;- Buch habe ich zwar nicht gefunden, mich aber f\u00fcr die Arbeit der &#8220;Frau auf der Bank&#8221; einen Tag <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/04\/bucherkastentour\/\">dort hingesetzt<\/a>, um ein bi\u00dfchen die Stimmung zu beobachten.<br \/>\nIn der Otto Bauergasse- Ecke Gumpendorfstra\u00dfe sollte es auch einen solchen Schrank geben, dann war das aber, glaube ich, der Bezirksvorstehung zu teuer und die F\u00f6rderungen, um die Frank Gassner angesucht hat, wurden auch immer mit Argumenten, wie &#8220;Wir brauchen keine B\u00fccherschr\u00e4nke, haben wir ja die \u00f6ffentlichen B\u00fcchereien!&#8221;, als ob das damit zu vergleichen w\u00e4re, abgelehnt. Dann kam aber die Gemeinde daher und er\u00f6ffnete B\u00fccherkabinen in Eigenregie und daf\u00fcr war das Geld dann da, nun ja. Im achten Bezirk habe ich geh\u00f6rt, sollte es einen solchen Schrank geben, es gibt ihn auch noch nicht. Daf\u00fcr gibt es seit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/19\/fallen-losen\/\">November oder Dezember einen am Margaretenplatz<\/a>, den die Margaretner Kaufleute gestiftet haben, ihn &#8220;Wortschatz&#8221; nannten, der von der Evi von Zwillingsleiden regelm\u00e4\u00dfig fotografiert und beschrieben wird.<br \/>\nDort habe ich mir, da er praktisch vor meiner Haust\u00fcr liegt, auch schon sehr viele sch\u00f6ne B\u00fccher herausgeholt, weil ja nicht nur im siebenten, sondern auch im f\u00fcnften Bezirk, sehr viele bibliophile Menschen oder B\u00fccherblogger leben und ich halte, die Belebung des \u00f6ffentlichen Raumes durch einen offenen B\u00fccherschrank f\u00fcr eine sehr gute Idee.<br \/>\nEs gab dann  noch eine Aktion des Bezirksrat Jurjans im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/30\/besuch-im-residenz-verlag-und-sophie-hungers-fur-den-offenen-bucherschrank\/\">Sommer 2010 am Siebenbrunnenplatz<\/a>, wo mir mich die KP\u00d6 einlud, bzw. mir ein paar <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_hunger.html\">&#8220;Sophie Hungers&#8221;-Exemplare<\/a> abkaufte, aber das war nur eine Tagesaktion und ein Lokal im f\u00fcnften mit einem B\u00fccherkastel gibt es, glaube ich, auch. Eine Idee, die also sehr um sich gegriffen hat und ich denke, da\u00df es ein paar Bibliophile, wie mich gibt, die sich begeistert daran bedienen, lesen und dar\u00fcber schreiben. Aber auch sehr viele Leute, die B\u00fccher zum Entsorgen haben und ein paar Ausr\u00e4umer gibt es wahrscheinlich auch und einmal einen Vandalakt mit einer B\u00fccherkastenzerst\u00f6rung, was ja besonders schade ist. Die K\u00e4sten werden also sehr frequentiert und m\u00fcssen viel aushalten und so wurde jetzt der in der Zieglergasse durch einen neuen ersetzt und Frank Gassner, der ja ein bildender K\u00fcnstler ist, hat Hermann Nitsch zu einer Ausgestaltung der Au\u00dfenw\u00e4nde gewinnen k\u00f6nnen und heute um f\u00fcnfzehn Uhr bei der Eisesk\u00e4lte, die gerade herrscht, wurde feierlich er\u00f6ffnet.<br \/>\nDas war schon lange auf der <a href=\"http:\/\/de-de.facebook.com\/offenerbuecherschrank\">Facebook-Seite<\/a> angek\u00fcndigt und ich dachte, da\u00df ich auf die Er\u00f6ffnungsfeier verzichten mu\u00df, da wir am Wochenende wieder in Harland waren. Dann sind wir aber schon um Zehn zum Mittagessen auf die Rudolfsh\u00f6he gefahren, um Zw\u00f6lf hinuntergegangen und es ging sich noch aus, da\u00df zu Fu\u00df zum Schrank gehen konnte. Da habe ich den doppelten &#8220;Hakan Nesser&#8221; in den Wortschatz gelegt, bzw. gegen eine &#8220;Doris D\u00f6rrie&#8221; ausgetauscht und fand den Platz, um den B\u00fccherschrank in der Zieglergasse als ich dort eintraf, schon sehr bev\u00f6lkert vor. Ich habe auch einige Bekannte getroffen, die ich regelm\u00e4\u00dfig im Literaturhaus sehe.<br \/>\nDer Schrank war noch verh\u00fcllt, es gab aber auf einem der Mauersimse, einen ganzen Sto\u00df mit B\u00fccherspenden, die die Leute offenbar zwischenzeitlich gebracht haben. Der Schrank wurde ja am Donnerstag ab- oder ummontiert und Frank Gassner erz\u00e4hlte bei seiner Er\u00f6ffnungsrede, da\u00df er beim Abmontieren von zwei Damen beschimpft worden w\u00e4re, die entt\u00e4uscht dar\u00fcber waren, den Schrank nicht ben\u00fctzen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nHermann Nitsch war noch nicht da, es gab aber schon was zum Knabbern, Wein aus Prinzendorf und Lesezeichen, die auf den B\u00fccherschrank, beziehungsweise auf Spendenm\u00f6glichkeiten aufmerksam machen. Frank Gassner bekommt ja keine F\u00f6rderung und mu\u00df, glaube ich, auch eine Genehmigungsgeb\u00fchr daf\u00fcr zahlen und die Schrankkosten tr\u00e4gt er auch.<br \/>\nSo gibt es jetzt einen Shop, wo man Tragetaschen bestellen kann, wenn man den Schrank unterst\u00fctzen will. Es waren auch sehr viele Fotografen da, die sich auf Hermann Nitsch st\u00fcrzten, der den Schrank er\u00f6ffnete. Frank Gassner zog die Umh\u00fcllung weg und die Leute st\u00fcrzten sich auf die Hermann Nitsch-B\u00e4nde, die es heute und in den n\u00e4chsten Tagen in dem Schrank geben wird und ich erwischte ein noch originalverpacktes Residenz-B\u00e4ndchen zur &#8220;farbenlehre des o. m. theaters&#8221;, das ich mir dann signieren lie\u00df. Die B\u00fccherbetreuer Herr Otto und Frau Elisabeth wurden vorgestellt und ich bin und bleibe sehr fasziniert von der Idee der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke zur Belebung des \u00f6ffentlichen Raumes ohne Geld, da bin ich ja auch eine ziemliche <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/26\/leben-ohne-geld\/\">Expertin<\/a>, sowie von der F\u00f6rderung des Leseverhaltens, die es f\u00fcr mich in erster Linie hat. Wenn ich f\u00fcr mich auch inzwischen nachdenke, wie ich das am besten mache und, wie oft ich an den Schr\u00e4nken vorbei gehen soll? Denn wenn ich zwei B\u00fccher in der Woche auf meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> stelle, habe ich genug f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit und vielleicht auch die Chance, das sonst noch nicht Gelesene aufzulesen, finde ich dann aber ein drittes tolles Buch, kann ich nicht immer nein sagen oder bereue es, wenn ich es tue und an den Buchabverkaufskisten, wie die, die es derzeit beispielsweise beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/02\/essays-von-marie-therese-kerschbaumer\/\">Morawa<\/a> gibt, kann ich auch nicht vorr\u00fcbergehen, obwohl ich mir das eigentlich vorgenommen habe. Andererseits freue ich mich, wenn ich beispielsweise zu der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/26\/johannes-urzidil-lesebuch\/\">Urzidil-Buchpr\u00e4sentation<\/a> gehe und daraufkomme, da\u00df ich mir vor Jahren drei B\u00fccher von ihm gekauft habe, die inzwischen l\u00e4ngst vergriffen sind und die &#8220;Verlorene Geliebte&#8221; habe ich mir in Harland auch herausgesucht und werde sie auf meine Sommerleseliste setzen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland gibt es das Konzept der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke &#8220;Nehmen, geben, keine Anmeldung, keine Kosten&#8221;, schon lang. 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