{"id":11855,"date":"2012-02-04T00:58:12","date_gmt":"2012-02-03T23:58:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11855"},"modified":"2012-02-04T00:58:12","modified_gmt":"2012-02-03T23:58:12","slug":"schone-kunste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11855","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne K\u00fcnste"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Sch\u00f6ne K\u00fcnste&#8221; von Evelyn Grill, 2007 erschienen, ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und zwar eine sehr scharfe bissige, in Krimi-Form verpackt, geschrieben in einer elaborierten Sprache in unverkennbaren Bernhard Stil und im gehobenen Milieu einer wahrscheinlich deutschen Kleinstadt angesiedelt, ich habe Evelyn Grill daraus, glaube ich, einmal bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; lesen h\u00f6ren.<br \/>\nIm neuen Kunstmuseum besagter Provinzstadt findet eine Vernisage und ein Happenig statt, der Museumsdirektor Morwitz steht mit seinem \u00c4ffchen auf der Schulter, seiner sch\u00f6nen Halbschwester und deren Gesellschafterin im Saal, gibt Erl\u00e4uterungen zum Gesamtkunstwerk Ganymed von Schmoizz, der lasziv und fett am Boden liegt und von der Gattin eines Vorstandsmitglieds ausgepeitscht wird, w\u00e4hrend das \u00c4ffchen lustig herumspringt. Das Mueseum ist \u00fcberhaupt in eine St\u00e4tte der modernen Kunst verwandelt vorden, wo die Fettst\u00fchle von Beuys vor sich hinranzen, die Wiener Aktionisten erwartet werden, w\u00e4hrend die vom Kunstm\u00e4zen Escher gestifteten Impressionisten im Keller vergammeln oder \u00fcberhaupt schon verkauft wurden.<br \/>\nUnd jener M\u00e4zen hat einen Sohn namens Viktor, der auch ganz seltsame Vorlieben pflegt, so speist er zu Abend mit seiner Frau im roten Abendkleid, spricht mit ihr und l\u00e4\u00dft ihr ein weiches Ei sevieren, aber Cosima ist nur eine Puppe, n\u00e4mlich die andere Halbschwester des Museumdirektors, aber schon vor zehn Jahren verstorben, weil sie ein Kind erwartete, dessen Vater nicht Escher war. Der hat sich seither aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgezogen und geht nur mehr seinen Gesch\u00e4ften, sprich der Verwaltung seines Verm\u00f6gens nach, er besucht aber auch die beiden Kunsthistoriker des Museums und v\u00f6gelt nachts die Puppe, aber eigentlich gilt sein interesse der noch lebenden Halbschwester und da liegen die Karten gut, denn der Museumsdirektor wird ermordet. Der war homosexuell und traf sich mit seinen Strichbuben im Beuyssaal, was ihn in Eskase versetzte und zu neuen Ideen zu noch neueren Performances brachte. Er und sein Affe werden aber im Saal erstickt und erstochen aufgefunden, was Escher zum Lachen und in das Haus seiner ehemaligen Schw\u00e4gerin bringt, die gedenkt sich aber, stellt sich gleich heraus, wieder zu verheiraten und zwar mit einem Lehrer und Verfasser scheu\u00dflicher Poems und er verbringt sogar die Nacht in der Villa der sch\u00f6nen Witwe. Escher, der seine Puppe inzwischen versorgt und begraben hat, steht hinter einer M\u00fclltonne verborgen vor dem Haus, schaut hinauf und als der Br\u00e4utigam herauskommt, schleppt er ihn in einen ehemaligen Luftschutzkeller und l\u00e4\u00dft ihn von den Ratten zerfressen. Inzwischen stellt sich heraus, da\u00df der Direktor und das Museum verschuldet war, so da\u00df die beiden sch\u00f6nen Luxusfrauen ausziehen m\u00fcssen, Escher, der Margot heiraten will, bietet ihr gleich seine Villa an, bekommt aber die androgyne Gesellschafterin an ihrer Seite nicht los, denn die schl\u00e4ft sogar an Margots Seite oder sitzt an ihrem Bett, wenn Escher seine Frau, er hat Margot schnell geheiratet, sein Geld machte es m\u00f6glich, die beiden Luxusweibchen waren ja v\u00f6llig mittellos, besuchen will, Escher tr\u00f6stet sich indessen auf die Hochzeitreise und versucht das neue Kunstmuseum wieder in ein altes zu verwandeln, Linda begleitet ihn als Assistentin, zu einer gesch\u00e4ftlichen Besprechung, nur schade, da\u00df er dabei eine Rolltreppe hinunterf\u00e4llt, im Krankenhaus verstirbt, w\u00e4hrend sich die beiden Frauen jubelnd in die Arme fallen.<br \/>\nWirklich b\u00f6se und auch interessant, denn ich habe von Evelyn Grill schon sehr viel gelesen und besprochen und kenne ihre &#8220;Rahmenhandlung&#8221; aus dem Abdruck in der sozialistischen Frauenzeitung &#8220;Die Frau&#8221;, die ja meine Mutter abonnierte, aus den Siebzigerjahren. Elfriede Haslehner hat sie f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/21\/vier-starke-frauen\/\">Wiener Frauenverlag<\/a> entdeckt, dann ging sie nach Deutschland in das kleine St\u00e4dtchen Freiburg im Breisgau und begann ihre Romane im Thomas Bernhard Manier zu schreiben, bitterb\u00f6se und mit einer sehr starken Sprache. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/24\/ins-ohr\/\">&#8220;Ins Ohr&#8221;<\/a> habe ich gelesen und von Elfriede Haslehner geschenkt bekommen, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/09\/winterquartier\/\">&#8220;Winterquartier&#8221;<\/a> gab es bei Buchlandung um einen Euro, wenn man f\u00fcnf Suhrkamp Taschenb\u00fccher nahm, &#8220;Wilma&#8221; steht noch auf meiner Leseliste und &#8220;Den Sammler&#8221; habe ich auch bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; geh\u00f6rt und m\u00fc\u00dfte ich noch im B\u00fccherschrank oder anderswo finden. Im Vorjahr ist das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/15\/das-antwerper-testament\/\">&#8220;Antwerpener Testament&#8221;<\/a> erschienen und das hat sich vom der scharfen Bernhard Satire ein bi\u00dfchen abgewandelt und ist mehr ein allgemeiner leicht und wohl auch ein wenig bissig geschriebener Gesellschaftsroman geworden, interessant also zu erfahren, was noch alles von Evelyn Grill kommen wird.<br \/>\nDieses Buch habe ich auch aus dem B\u00fccherschrank, aus welchen wei\u00df ich nicht mehr, wenns aber der in der Zieglergasse war, dann w\u00e4r es noch einmal interessant, denn der feiert am Sonntag seinen zweiten Geburtstag, beziehungsweise wird er da durch einen neuen von Hermann Nitsch gestalteten ersetzt, was ja irgendwie zum Thema passt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Sch\u00f6ne K\u00fcnste&#8221; von Evelyn Grill, 2007 erschienen, ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und zwar eine sehr scharfe bissige, in Krimi-Form verpackt, geschrieben in einer elaborierten Sprache in unverkennbaren Bernhard Stil und im gehobenen Milieu einer wahrscheinlich deutschen Kleinstadt angesiedelt, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11855\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-11855","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11855\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}