{"id":11748,"date":"2012-01-30T00:42:07","date_gmt":"2012-01-29T23:42:07","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11748"},"modified":"2012-01-30T00:42:07","modified_gmt":"2012-01-29T23:42:07","slug":"krisenstimmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11748","title":{"rendered":"Beobachtungen zur Krise"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben momentan in Krisenzeiten, wie man unschwer merken kann, wenn man das Radio oder den Fernsehapparat aufdreht. \u00dcberall ist vom Sparen zu h\u00f6ren und wenn man das ernsthaft durchgehen will, kann einer leicht das Gruseln kommen. Das hat zwar auf dem ersten Blick nicht viel oder nur bedingt mit Literatur zu tun, auf dem zweiten, dritten, vierten, schon eher, weil man sich  vorstellen kann, da\u00df die Sparpakete auch zur Kultur dringen, daher m\u00f6chte ich in meinem Wort zum fr\u00fchen Montag, der Sonntag war ja schon der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/29\/stadt-der-engel\/\">&#8220;Stadt der Engel&#8221;<\/a> gewidmet, ein paar Themen besprechen, die sich in letzter Zeit angesammelt haben.<br \/>\nEigentlich hat es 2008 begonnen und wenn ich mich nicht irre, war es auch am Weltspartag, denn da ist ein angebliches <a href=\"http:\/\/www.sudelblog.de\/?p=378\">Tucholsky-Gedicht<\/a> zur Banken und Wirtschaftskrise aufgetaucht, das sich sp\u00e4ter als F\u00e4lschung erwies. Dann wurden \u00fcberall die Banken gerettet, sehr viel Geld ist geflossen, so da\u00df man sich bang fragte, wer das bezahlen soll? Es folgte die Krise in Griechenland <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/27\/faule-kredite\/?preview=true\">Petrus Markaris &#8220;Faule Kredite&#8221;<\/a> habe ich zu Weihnachten besprochen und vor kurzem den Autor sagen h\u00f6ren, da\u00df es in Griechenland inzwischen schon viel schlimmer ist, als in dem Roman geschildert wurde und manche Familien nicht mehr wissen, was sie essen sollen. Das betrifft noch viele andere L\u00e4nder und viele andere Themen, die Bildung, das Gesundheitswesen, etc.<br \/>\nIch habe mich mit der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_hunger.html\">&#8220;Sophie Hungers&#8221; <\/a>literarisch damit besch\u00e4ftigt.<br \/>\nInzwischen h\u00f6rt man \u00fcberall vom Sparen und der Krise und das betrifft auch die Stimmung unter den Autoren und in den Blogs, obwohl der Kampf gegen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/05\/winterfrische\/\">schlechte Blogs<\/a>, die angeblich, wie die Schwammerln aus dem Boden spriessen, wahrscheinlich mehr mit den Rezensionsexemplaren, als mit der Bankenkrise zu tun hat und da wunderte ich mich, da\u00df die Verlage so gro\u00dfz\u00fcgig, die B\u00fccher an die Leser verteilen, weil ich mich fragte, wer soll sie dann noch kaufen?<br \/>\nAber das ist keine Kritik, denn ich habe schon seit Jahren aus anderen Gr\u00fcnden aufgeh\u00f6rt, mir B\u00fccher zu kaufen und habe, seit es die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/31\/offener-bucherschrank-und-rosa-winkel\/\">offenen<\/a> <a href=\"http:\/\/zwillingsleiden.blogspot.com\/2012\/01\/wien-literarisch-wortschatz-margareten_29.html\">B\u00fccherschr\u00e4nke<\/a> gibt und die halte ich f\u00fcr eine der wenigen positiven Entwicklungen der letzten Zeit, genug zum Lesen und, da\u00df sich das gute alte Buch zum E-Book entwickeln wird, kann man auch \u00fcberall h\u00f6ren. Ob das gut oder schlecht ist, wei\u00df man noch nicht so recht. Ich habe jedenfalls nicht vor, auf den E-Book-Reader umzusteigen und denke, da\u00df ich die zwanzig Jahre, die ich wahrscheinlich noch lesen werde, mit den Printexemplaren auskomme. Merke aber, da\u00df sich das Leseverhalten ver\u00e4ndert. Das scheint ab zu nehmen. Auf der anderen Seite interessieren sich immer mehr Leute f\u00fcr das Schreiben und das finde ich sehr gut. H\u00f6re aber manchmal, da\u00df angeblich schon mehr Gedichte geschrieben, als gelesen werden, was mich, als Vielleserin, die das sehr wohl tut, nicht einmal so st\u00f6rt. Ich merke aber, da\u00df sich die Stimmung in der Autoren- B\u00fccher- Blogger- Welt diesbez\u00fcglich verschlechtert. Die E-Book-Debatte und, da\u00df jeder seine B\u00fccher selber machen und bei Amazon  verkaufen kann, scheint Angst zu machen. So habe ich vor ein paar Wochen einen Beitrag gelesen, wo die sogenannten Indie-Autoren, unter Anf\u00fchrungszeichen gesetzt wurden und ihnen das Recht auf das Schreiben abgesprochen wird. Das ist ein Thema, wo ich mich als vielschreibende Autorin, der es nicht gelungen ist, einen Verlag zu finden und die daher ihre B\u00fccher <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\">selber macht<\/a>, leicht betroffen f\u00fchle. K\u00e4mpfe ich ja schon lang mit nicht sehr gro\u00dfen Erfolg, um die Anerkennung meiner selbst gemachten B\u00fccher.<br \/>\nPetra van Cronenburg hat wieder einen interessanten <a href=\"http:\/\/cronenburg.blogspot.com\/2012\/01\/kunst-braucht-geld.html\">Blogbeitrag <\/a>geschrieben, der zeigt, da\u00df es vielen Autoren nicht sehr gut geht, da ist mir durch meinen <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">Brotberuf<\/a>, den ich ja immer hatte, sicher viel erspart geblieben. Was mir aber fehlt, ist die Anerkennung und daran leide ich genug, da\u00df ich, obwohl ich mich so sehr bem\u00fche,  weil ich meine B\u00fccher selber mache, nie die Chance auf einen Buchpreis, eine gr\u00f6\u00dfere Lesung, einen Literaturpreis etc habe und dann kommt oft noch der Hohn und das Unverst\u00e4ndnis der anderen dazu und die, die schreien &#8220;Eigenverlag wollen wir nicht!&#8221;<br \/>\nUm wieder zum Thema zur\u00fcckzukommen, seit die Krisenstimmung allgegenwertig ist, f\u00fchlen sich offenbar auch etabliertere Autoren davon betroffen und so war im &#8220;Standard&#8221; dieses Wochenende ein Artikel von Michael Stavaric  &#8220;Wer liest heute noch anstrengende Werke?&#8221;, wo er sich gegen linear geschriebene B\u00fccher ausspricht. Er geht dabei davon aus, da\u00df der Durchschnittsleser etwa zehn bis zw\u00f6lf B\u00fccher im Jahr liest und empfiehlt Werke von Hans Lebert,  Bohumil Hrabal, Patrik  Ourednik, Per Olof Enquist, Joseph Conrad etc.<br \/>\nDagegen ist nichts zu sagen, ich habe zum Beispiel von einem der B\u00fcchert\u00fcrme  Patrik Oudrednik &#8220;Das Jahr vierundzwanzig&#8221;, \u00fcbersetzt von Michael Stavaric, bekommen, das ich endlich lesen sollte. Aber ich habe auch nichts gegen Leute, die Krimis, Fantasyromane, Cick Lit, etc, lesen.<br \/>\nIch selber habe einen eher weiten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Lesebegriff<\/a> und versuche mich quer durch den Literaturgarten zu lesen und fahre, glaube ich, auch sehr gut damit. Also wieder ein Pl\u00e4ydojer f\u00fcr mehr Toleranz. Jeder der will, soll schreiben und lesen. Es w\u00e4re zwar sch\u00f6n, wenn er sich auch f\u00fcr die Literatur der anderen interessiert und nat\u00fcrlich finde ich es gut, wenn man dar\u00fcber berichtet. So halte ich die B\u00fccherblogs und die Tatsache, da\u00df jetzt jeder seine Meinung ins Internet stellen kann, f\u00fcr keine Bedrohung. Habe aber gerade wieder \u00fcber eine Aufregung gelesen, die mir bisher entgangen ist. Da hat eine Bloggerin ein Buch abgebrochen, weil es ihr nicht gefallen hat und wurde vom Autor und dessen Verlag mit einer Klage bedroht, weil sie angeblich Wirtschaftskriminalit\u00e4t betreibt, wenn sie es schlecht bespricht. Im Sommer 2010 gab es eine \u00e4hnliche Diskussion als leselustfrust Anni B\u00fcrkls &#8220;Ausgetanzt&#8221; besprochen hat. Ich habe in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/22\/sommerlocher\/\">&#8220;Sommerl\u00f6cher&#8221;<\/a> dar\u00fcber geschrieben, da\u00df ich nicht glaube, da\u00df man Literatur studiert haben mu\u00df, um ein Buch zu besprechen, ob man das jetzt Rezension nennt oder nicht, ist egal. Habe aber f\u00fcr mich, da ich selber nicht gern kritisiert werden will, entschieden, mit den Bewertungen vorsichtig zu sein. Ich beschreibe den Inhalt, sage meine Meinung und das, was ich \u00fcber den Autor wei\u00df. Das sind dann mehr literarische Texte, als Rezensionen und das sollen sie auch sein. Vorigen Montag gab es eine Sendung in den <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/296085\">Tonspuren<\/a> dar\u00fcber, wo Sigrid L\u00f6ffler und Klaus N\u00fcchtern ihre Meinung dazu sagen sollten, ob sie sich von den sogeannten unprofessionellen Besprechern bedroht f\u00fchlen?  Das w\u00e4re zwar vielleicht sogar verst\u00e4ndlich. Aber ich finde dieses Mittel der Demokratisierung sch\u00f6n, halte es f\u00fcr eine gute Prophylaxe gegen den Analphabetismus und gegen Alzheimer und freue mich \u00fcber jede wertfreie Meinungs\u00e4u\u00dferung, merke aber die Krisenstimmung und die Konkurrenz.<br \/>\nNoch etwas war interessant, hat doch Marlene Streeruwitz letzte Woche, den Bremer Literaturpreis f\u00fcr ihren Krisenroman  <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/09\/aktuelle-literarische-gesellschaftsbefunde\/\">&#8220;Die Schmerzmacherin&#8221;<\/a> bekommen und sich in ihrer <a href=\"http:\/\/www.rudolf-alexander-schroeder-stiftung.de\/presse.html\">Laudatio<\/a> auf die Lesung in der Alten Schmiede vor zwei Wochen, wo das von Daniela Strigl herausgegebene Buch von Walter Buchebner pr\u00e4sentiert wurde, bezogen, wo ich sehr bedauerte, nicht bei der Veranstaltung gewesen zu sein, weil am selben Tag <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/18\/hertha-kraftners-wirklichkeit\/\">Dine Petrik ihr Buch \u00fcber Hertha Kr\u00e4ftner<\/a> vorstellte, das ebenfalls ein Vorwort von Daniela Strigl hat.<br \/>\n&#8220;Interessant!&#8221;, habe ich gedacht, da\u00df das der erkl\u00e4rten Feministin Marlene Streeruwitz entgangen ist und sie nicht auch dieses Buch und diese Autorin in ihre Laudatio einbezog und vermute, da\u00df der Grund wieder in der sogenannten Mainstreampolitik zu finden sein wird. Die Kriktiker schauen nur auf das eine Event, w\u00e4hrend anderes, sicher ebenso Interessantes, \u00fcbersehen wird, was sehr schade ist.<br \/>\nDenn ich finde und das hat auch Petrus Markaris in seiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/09\/buch-wien-eroffnung-2011\/http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/09\/buch-wien-eroffnung-2011\/\">Erf\u00f6ffnungsrede bei der Buch Wien<\/a> so gesagt, da\u00df die Chance an der Wirtschaftskrise sein k\u00f6nnte, da\u00df sich die Leute wieder mehr Zeit f\u00fcr ihre Kreativit\u00e4t nehmen und vielleicht auch ein bi\u00dfchen jenseits vom Tellerrand, auf das Leisere, nicht so Spekul\u00e4re schauen und das w\u00fcrde ich mir sehr w\u00fcnschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben momentan in Krisenzeiten, wie man unschwer merken kann, wenn man das Radio oder den Fernsehapparat aufdreht. \u00dcberall ist vom Sparen zu h\u00f6ren und wenn man das ernsthaft durchgehen will, kann einer leicht das Gruseln kommen. 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