{"id":11665,"date":"2012-01-26T00:59:59","date_gmt":"2012-01-25T23:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11665"},"modified":"2012-01-26T00:59:59","modified_gmt":"2012-01-25T23:59:59","slug":"johannes-urzidil-lesebuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11665","title":{"rendered":"Johannes Urzidil-Lesebuch"},"content":{"rendered":"<p>Von Judith Gruber-Rizy habe ich die Einladung ins tschechische Zentrum zur Pr\u00e4sentation des Johannes Urzidils Lesebuch &#8220;HinterNational&#8221; bekommen, der  1896 in Prag geboren wurde, in Rom 1970 gestorben ist und als j\u00fcngster Dichter des Prager Kreises um Max Brod, Franz Kafka und Franz Werfel gilt. Das habe ich wahrscheinlich schon in den Siebigerjahren gewu\u00dft, denn da habe ich mir einmal das Urzidil Buch &#8220;Goethe in B\u00f6hmen, in der Ausgabe von 1962, m\u00f6glicherweise in einer Buchabverkaufskiste des Kaufhaus Steffels, beim Herzog oder sonstwo gekauft. Ob ich es wirklich gelesen habe, glaube ich zwar nicht, der Name hat sich mir aber eingepr\u00e4gt und so bin ich gerne ins tschechische Zentrum gegangen, wo ich schon lange nicht war, ich glaube, seit Literaturgefl\u00fcster-Zeiten nicht, habe aber alle getroffen, die man dort treffen kann, Beppo Beyerl, Manfred Chobot, nat\u00fcrlich die Rizys und auch Rosa Neubauer, die ich vom Institut der Berggasse und von der Poet Night kenne und es passt auch gut, weil ich ja gerade einen<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/19\/rohtext\/\"> Roman schreibe<\/a>, der zumindestens teilweise in Prag spielt, so habe ich mir auch eine CD, das Programm vom &#8220;Nachtasyl&#8221; und einen Stadtplan von dort mitgebracht.<br \/>\nIch bin ein bi\u00dfchen zu sp\u00e4t gekommen, so da\u00df der neue Leiter schon bei seiner Er\u00f6ffnung war, Auf den Sesseln lagen Prospekte vom deutschen Kulturforum \u00f6stliches Europa, die glaube ich, das Buch herausgegeben haben, sowie der Verlagsprospekt und der Leiter oder eine Dame der Kulturinittiative erz\u00e4hlte noch, da\u00df Johannes Urzidil derzeit in der Tschechei wieder aufgelegt wird, im deutschen Sprachraum aber vergriffen ist und um ein wenig vorzugreifen, sagte mir Judith Gruber-Rizy sp\u00e4ter beim Wein, da\u00df sie, weil sie ja auch in O\u00d6 nahe der tschechischen Grenze wohne, viel von Johannes Urzidil gelesen hat, ich nicht, habe ich geantwortet, bin aber durch meinen Bibliothekskatalog daraufgekommen, da\u00df ich in Harland die &#8220;Verlorene Geliebte&#8221; in einer Goldmann Ausgabe und &#8220;Das Gl\u00fcck der Gegenwart&#8221;, artemins, 1958 habe, ich bin ja eine B\u00fcchersammlerin und fr\u00fcher habe ich noch sehr viel gekauft, um aber wieder an den Anfang zur\u00fcckzukommen, der Leiter lobte die Mulitmedia Show, die auch im Stifter Haus in Linz und im Stefan Zweig Centrum in Salzburg gezeigt werden wird und stellte die Buchautoren Klaus Johann und  Vera Schneider vor. Am Lesetisch sa\u00df noch ein \u00e4lterer Herr, Gerhard Trapp, ein Germanist, 1938 geboren, der in den Sechzigerjahren einen intensiven Briefwechsel mit Johannes Urzidil hatte und aus diesen Briefen  Beispiele gab. Dann ging es los mit der Multimedia Show und zwar wurde auf diese Art und Weise in Ton und Bild Johannes Urzidils Leben sehr genau ausgeleuchtet, der der Sohn eines nationalen Deutschen und einer zum Katholizismus konvertierten J\u00fcdin ist und au\u00dferdem ist er, was ich sehr interessant finde, ein autobiografischer Dichter und in dem Lesebuch scheint es auch sehr viele autobiografische Texte zu geben, die Vera Schneider vorlas, au\u00dferdem gab es Tonaufnahmen des Dichters, alte Ansichten und auch Filmaufnahmen des aten Prag. Die Mutter, die schon sieben Kinder aus einer anderen Ehe hatte, ist gestorben, als der Dichter vier Jahre alt war, der Vater hat dann eine Tschechin geheiratet, mit der er sehr oft gestritten hat, so ist das Paar mit dem kleinen Johannes nach Wien ins Schlo\u00df Sch\u00f6nbrunn und nach Salzburg auf die Festung gefahren und die Tonaufnahme erz\u00e4hlte von dem Streit der Beiden, den es dort gegeben hat.<br \/>\nUrzidil hat in Prag ein Gymnasium besucht, in das auf einmal ein M\u00e4dchen kam, so da\u00df die Knaben einen Antifrauenbund gr\u00fcndeten, nur da\u00df sich Johannes Urzidil bald in das M\u00e4dchen verliebte, was er auch in  einer Erz\u00e4hlung schilderte, also  sehr interessant aus dem Leben im vorigen Jahrhundert im b\u00fcrgerlichen Prag zu erfahren.<br \/>\nIm ersten Weltkrieg wurde er eingezogen, begann aber auch zu studieren, lernte  Kafka, Brod,  Werfel und Willy Haas kennen, von dem ich einmal vor langen Zeiten den Hofmannsthal Briefwechsel gekauft habe und jetzt ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Buch<\/a> im B\u00fccherkasten gefunden habe, der erste Gedichtband entstand, es war der damaligen Mode entsprechend ein sehr expressionistischer und Gerhard Trapp las eine Briefstelle aus den Sechzigerjahren vor, in dem sich Urzidil davon nicht distanzierte, aber meinte, da\u00df man mit achtundsechzig anders als mit achtzehn schreiben w\u00fcrde. Er hat dann f\u00fcr das Prager Tagblatt geschrieben, in der deutschen Gesandtschaft in Prag gearbeitet und eine Schriftstellerin geheiratet, die die Tochter eines Rabiners war, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, hat er seinen Job verloren und als der Krieg begann, mu\u00dfte er emigireren und kam nach Amerika, da gibt es auch einen ber\u00fchrenden Text, wo er mit gef\u00e4lschten Papieren im Nachtzug sitzt und vorher hat er sich von einem Schulfreund verabschiedet, der ihm einen Zettel gegeben hat, wo drauf stand &#8220;Du sollst nicht schw\u00e4tzen und abschreiben!&#8221;, in seiner Verwirrung zeigt er den den Grenzbeamten, der beginnt zu lachen und schaut die gef\u00e4lschten Papiere nicht mehr an. 1932 hat er das Buch \u00fcber &#8220;Goethe in B\u00f6hmen&#8221; geschrieben, sowie ein Buch \u00fcber Kafka und eines \u00fcber Adalbert Stifter und in New York hat er als Lederwarenhersteller gearbeitet und schreibt, da\u00df er sich \u00fcber eine von ihm hergestellte Handarbeit genauso freut, wie \u00fcber eines seiner B\u00fccher in der Bibliothek des Gastgebers, wie wahr, trotzdem hat der weitergeschrieben, das &#8220;Prager Tryptichon&#8221; beispielsweise oder den Roman &#8220;Das gro\u00dfe Hallelujah&#8221; oder sp\u00e4ter Erz\u00e4hlb\u00e4nde, er hat dann auch f\u00fcr den amerikanischen Sender gearbeitet und ist sp\u00e4ter regelm\u00e4\u00dfig nach Deutschland und nach \u00d6sterreich gekommen und hat hier auch sehr oft gelesen. Das letzte Mal ein paar Tage vor seinem Tod, der  in Rom erfolgte. Nach Prag ist er nie mehr zur\u00fcckgegangen und hat sich in einen seiner Texte auch dar\u00fcber mokiert, da\u00df ihn alle, sogar die Nazis f\u00fcr sich vereinahmen wollten.<br \/>\nEin sehr interessanter Abend und ein sehr interessantes Lesebuch, ich werde jetzt nat\u00fcrlich, wenn ich wieder in Harland bin nach den Urzidil-B\u00fcchern suchen und zumindestens hineinschauen.<br \/>\nEine<a href=\"http:\/\/www.urzidil.de\/\"> Website<\/a>  gibt es auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Judith Gruber-Rizy habe ich die Einladung ins tschechische Zentrum zur Pr\u00e4sentation des Johannes Urzidils Lesebuch &#8220;HinterNational&#8221; bekommen, der 1896 in Prag geboren wurde, in Rom 1970 gestorben ist und als j\u00fcngster Dichter des Prager Kreises um Max Brod, Franz &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11665\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-11665","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11665","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11665"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11665\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}