{"id":11546,"date":"2012-01-22T00:52:24","date_gmt":"2012-01-21T23:52:24","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11546"},"modified":"2012-01-22T00:52:24","modified_gmt":"2012-01-21T23:52:24","slug":"rote-lilo-trifft-wolfsmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11546","title":{"rendered":"Rote Lilo trifft Wolfsmann"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Rote  Lilo trifft Wolfsmann&#8221; &#8211; Literatur der Arbeitswelt, herausgegeben von Petra \u00d6llinger und Georg Schober,  ist die erste Anthologie, die auf Grund eines Wettbewerbes  des <a href=\"http:\/\/literaturblog-duftender-doppelpunkt.at\/\">&#8220;Duftende Doppelpunkts&#8221;<\/a>, 2006, entstand. Denn da feierte der duftende Doppelpunkt seinen ersten Geburtstag, deshalb wurde der zweistufige Wettbewerb veranstaltet. Thema war die Arbeitswelt und  den Gewinnern wurden in einer zweiten Stufe, ein sogenannter Tutor, beispielsweise El Awadalla, Armin Baumgartner, Traude Korosa, Gerald Grassl, Raimund Bahr, der mit seiner Edition Art und Science auch  der Verleger ist, um nur die zu nennen, die kenne, beigestellt, so da\u00df noch einmal Texte entstanden, die  in der Anthologie enthalten sind.<br \/>\nErfahren habe ich davon im Fr\u00fchling voriges Jahr, denn da wurde noch einmal ein solcher Wettbewerb ausgeschrieben, bzw. eine zweite Anthologie vorbereitet und mit einem mehrw\u00f6chigen, gar nicht so leichten Gewinnspiel mit Fragen zur Literatur der Arbeitswelt beworben und dabei habe ich das Buch gewonnen.<br \/>\nLiteratur der Arbeitswelt, das hat ja eine eigene Geschichte und dar\u00fcber habe ich auch schon \u00f6fter geschrieben, bzw. wird das in dem Buch, nach dem Vorwort auch erw\u00e4hnt und da wird als Beispiel der Deutsche <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/05\/aus-der-schonen-neuen-welt\/\">G\u00fcnter Wallraff <\/a>genannt, es gibt aber nat\u00fcrlich auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/07\/stellenweise-glatteis\/?preview=true\">Max von der Gr\u00fcn <\/a>etc und eine ber\u00fchmte Fischer Taschenbuchreihe und f\u00fcr \u00d6sterreich werden die Namen Scharang, Turrini, Innerhofer, Wolfsgruber, also Literaten, die in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts bekannt wurden, genannt. Es gibt oder gab den steirischen Werkkreis der Arbeitswelt, den ich durch den Arbeitskreis schreibender Frauen kennenlernte und die Gruppe um Gerald Grassl, die die &#8220;Tarantl&#8221; herausgibt, beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/07\/linkes-wort-und-volksstimmefest-09\/\">Volksstimmefest<\/a> und der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">KritLIt<\/a> auftritt etc. Es gab auch den Luitpold Sternpreis und eine Schreibwerkstatt der Gewerkschaft unter Eveline Haas, die ich einige Jahre besuchte und wo ich auch Petra \u00d6llinger kennenlernte, mit ihr habe ich auch in einer oder einigen Anthologien einen gemeinsamen Text,  habe im Fr\u00fchling bei dem Gewinnspiel eifrig mitgemacht und bin auch zur der Pr\u00e4sentation der zweiten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/14\/von-den-pennern-zu-den-festwochen\/\">Anthologie im Mai in die Arbeiterkammer<\/a>, gegangen und habe jetzt  die &#8220;Rote Lilo&#8221; gelesen, die viele interessante Texte enth\u00e4lt, die \u00fcberraschen, weil sie lange nicht so realistisch sind, wie ich eigentlich dachte, sondern viele sogar einen surrealistischen Einschlag haben.<br \/>\nDa die sich beteiligten Autoren sowohl aus \u00d6sterreich, Deutschland und aus der Schweiz und auch aus allen Berufsgruppen kommen, kenne ich nur wenige von ihnen, eigentlich eher die schon erw\u00e4hnten Tutoren. Susanne Gregor ist mir aber bekannt, hat sie auch bei Christa Stippingers Exil-Ausschreibung gewonnen und jetzt einen Roman herausgegeben, der auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> steht. Ihr Text &#8220;Maschinenl\u00e4rm&#8221; ist, entnehme ich der Biographie, ihre erste Ver\u00f6ffentlichung. Dann ist mir noch Christoph Aistleitner bekannt, denn der war auf der Long- oder auch Shortlist des letzten FM4-Wettbewerbs, die anderen Autoren kannte ich eher nicht, die Texte waren aber sehr interessant. So beginnt es mit der &#8220;Abmachung&#8221; von Andreas Montalvo. Da steht, w\u00e4hrend die hungrigen Leute nach Hause zu dem guten Essen eilen, ein kleiner Bub auf einer Stra\u00dfenkreuzung und jongliert den ganzen Tag, um f\u00fcr seine Familie Geld zu verdienen, w\u00e4hrend die anderen Kinder in die Schule gehen. Er mu\u00df sich anstrengen, denn wenn er nichts verdient, bekommt er am Abend nichts zu essen, es gelingt auch, er f\u00e4hrt mit der U-Bahn heim, verf\u00e4hrt sich aber, wird \u00fcberfallen und ausgeraubt, der Vater holt ihn ab, findet ihn zerlumpt und tr\u00f6stet ihn, heute gilt die Abmachung nicht. Eigentlich ein eher ungw\u00f6hnlicher Text zur Arbeitswelt.<br \/>\n&#8220;Leise&#8221; von Silke Rath, ist das auch, wenn auch auf eine andere Art. Da sitzt ein Fahrer in seiner U-Bahn oder S-Bahnkabine und denkt vor sich hin, er hat nicht viel zu tun, denn die Z\u00fcge fahren fast automatisch, sprechen darf man mit dem Fahrer nicht, so h\u00f6rt er den Gespr\u00e4chen zu  und verlernt dabei fast das Sprechen. Und &#8220;Enge&#8221; von Esther Schmidt erinnert fast an Kafkas &#8220;Verwandlung&#8221;. Da arbeitet einer Tagaus Tagein und die Decke f\u00e4llt ihm buchst\u00e4blich auf den Kopf, so da\u00df er schlie\u00dflich mit dem Computer schon unterm Schreibtisch sitzt und keiner merkt es, keiner hilft ihm, bis ihm die Arbeit ganz erdr\u00fcckt. So kann man die Arbeitswelt auch beschreiben.<br \/>\nVon Christoph Aistleitner ist der &#8220;Wolfsmann&#8221;, da geht es um Freisetzung, die kommt auch in anderen Texten vor und da tritt dann eine entlassene Krankenschwester schon manchmal in ein Plakat, um sich um verlassene Kinder zu k\u00fcmmern.<br \/>\n&#8220;Maschinenl\u00e4rm&#8221; von Susanne Gregor aus der Slowakei schildert den Arbeitsalltag eines jungen M\u00e4dchens in einer Fabrik und am Flie\u00dfband, sie mu\u00df immer bis dreihundertvierzig z\u00e4hlen und zu Mittag setzt sich in der Kantine ein Mann an ihren Tisch und ihre Familie wirft ihr einen Liebhaber vor. Und Marcela Vsetickova ist Bibliothekarin, das hei\u00dft, sie hat studiert und mu\u00df daher nicht, wie die Melker um 3.30, sondern erst um vier Uhr aufstehen und braucht ihre Stunden, bis sie an ihren Arbeitsplatz in die Bibliothek von Olomouc kommt und ist schon ersch\u00f6pft, bevor sie zu arbeiten beginnt.<br \/>\nDie Tutoren haben auch ihre Texte, so beschreibt Gerald Grassl beispielsweise den Beruf &#8220;Schreib-Arbeiter&#8221; und Traude Korosa bringt einen Auszug &#8220;Aus einer Troubadora Arbeitswelt&#8221;, hat Irmtraud Morgner in den Siebzigerjahren in der DDR nicht auch soetwas versucht? Und auch Raimund Bahr schildert das Leben eines Postbeamten h\u00f6chst surrealistisch, da f\u00e4hrt einer mit einem Aufzug und man darf nicht selbst die Kn\u00f6pfe dr\u00fccken und ein anderer \u00fcberf\u00e4llt sogar seinen Arbeitsplatz. Und &#8220;Die Virginity-Show&#8221; von Awadalla habe ich schon einmal geh\u00f6rt, hat sie die ja einmal bei einer Lesung im Uhudler vorgetragen.<br \/>\nEin sehr interessantes Buch mit vielen kurzen Texten, die einen die Arbeitswelt in vielen Aspekten n\u00e4herbringt und sehr zu empfehlen, wenn man ein bi\u00dfchen \u00fcber den Tellerrand des Literaturbetriebs hinausschauen  und erfahren will, da\u00df viel mehr Leute schreiben, als man denkt, wenn man sich nur f\u00fcr den Mainstream interessiert.  Es gibt, wie erw\u00e4hnt inzwischen eine <a href=\"http:\/\/literaturblog-duftender-doppelpunkt.at\/litpreis\/literaturpreis-2009-2011\/\">zweite Anthologie<\/a>, die auch auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/06\/krilit-und-geburtstagslesung\/\">KritLit im November <\/a>pr\u00e4sentiert wurde und die Buchmesse der Gewerkschaft wird es, wie mir Herr Blaha, als ich ihm das letzte Mal sah, sagte,  nicht mehr geben. Was sehr schade ist, so da\u00df ich die, die sich f\u00fcr die Literatur der Arbeitswelt interessieren, nur auf Anthologien des duftenden Doppelpunkts verweisen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Rote Lilo trifft Wolfsmann&#8221; &#8211; Literatur der Arbeitswelt, herausgegeben von Petra \u00d6llinger und Georg Schober, ist die erste Anthologie, die auf Grund eines Wettbewerbes des &#8220;Duftende Doppelpunkts&#8221;, 2006, entstand. 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