{"id":11533,"date":"2012-01-21T00:52:46","date_gmt":"2012-01-20T23:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11533"},"modified":"2012-01-21T00:52:46","modified_gmt":"2012-01-20T23:52:46","slug":"vier-starke-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11533","title":{"rendered":"Vier starke Frauen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;England in den Siebzigern: Hippies, Flower Power, die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcder &#8211; und Schwesterlichkeit. Es ist die Geschichte einer Aufbruchszeit. Damals als es Ziele gab, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnte und die,  nat\u00fcrlich, von ewigen Bestand sein w\u00fcrden&#8230;&#8221;, steht auf der Buchr\u00fcckseite von Fay Weldons &#8220;Vier starke Frauen&#8221;, ein Buch aus der Ein Euro Buchlandungskiste, 1997 erschienen und es handelt, wie in der Vorbemerkung steht, von Layla, Stephanie, Alice, Nancy und Co, die Frauen, die in London 1971, den Frauenverlag Medusa gr\u00fcndeten und das ist schon einmal ein Thema f\u00fcr mich, da ich ja im Arbeitskreis schreibender Frauen im Wien der Siebzigerjahre, ein bi\u00dfchen die Gr\u00fcndung des Wiener Frauenverlages mitverfolgte, dann erlebte, wie er eine &#8220;Milena&#8221; wurde, den es jetzt noch gibt, wahrscheinlich ist er auch erfolgreich, nur leider kein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/09\/betrachtungen-zum-muttertag\/\">Frauenverlag<\/a> mehr, weil man den ja, wie ich immer h\u00f6re, nicht mehr braucht und er jetzt gerade Herren aus dem vorigen Jahrhundert, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/10\/karl-und-das-zwanzigste-jahrhundert\/\">Rudolf Brunngraber<\/a>, von dem mir Ruth Asp\u00f6ck k\u00fcrzlich sagte, da\u00df er ein eher patriachaler Mann war, wiederauferlegt.<br \/>\nAber dazu sp\u00e4ter, jetzt ins London von 1971, das mir, da ich nach meiner Matura im Sommer 1973, ein Monat lang im Westpark Hospital in Epsom war, seltsam r\u00fcckst\u00e4ndig erscheint, aber vielleicht wars damals wirklich so, mir ist es jedenfalls nicht so vorgekommen.<br \/>\nLalya und Stephanie, Frauen Mitte zwanzig, kleben jedenfalls Plakate &#8220;Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad&#8221; auf Littfa\u00dfs\u00e4ulen und rennen dabei in ein junges Paar Brian und Nancy, die aus Neuseeland kommen und einen Verlobungsring tragen, um.<br \/>\nEin paar Leute wundern sich \u00fcber die seltsame Aufschrift, denn was soll eine Frau ohne Mann? Die zwei Frauen haben es aber eilig, denn sie haben in Stephanies Haus, wo sie mit ihrem Mann Hamish und ihren zwei S\u00f6hnen lebt, eine Art Frauentreffen, da kommen dann alle hin. Zoe mit dem Kinderwagen, in dem die kleine Saffron sitzt, weil ihr Mann Bull sich weigerte, auf das Kind aufzupassen und Zoe ist sauer, denn sie hat Soziologie studiert und mu\u00df jetzt Windeln wechseln. Alice, die \u00dcbersinnliche, die ebenfalls studierte und Vortr\u00e4ge h\u00e4lt und Daffy aus der Unterschicht, die von Stephanie gleich beleidigt wird, da\u00df sie dumm ist und ihren Mund halten soll.<br \/>\nZuerst ist man baff, dann erf\u00e4hrt man warum, schleppt Hamish Daffy doch ins Bett in den Oberstock, w\u00e4hrend unten die Frauen Medusa gr\u00fcnden. Zuerst k\u00f6nnen sie sich nicht \u00fcber den Namen einigen, dann tanzen sie schlie\u00dflich im Kreis, ziehen sich aus dabei und Bull trommelt an der T\u00fcr. Die Nachbarn stehen vor den Fenstern und schauen den Nackten zu und Stephanie erwischt Hamisch und Daffy und verl\u00e4\u00dft nackt das Haus und ihre S\u00f6hne, vielleicht auch ein wenig unverst\u00e4ndlich.<br \/>\nInzwischen liegen Brian und Nancy, in der leeren Jugendherberge, Nancy will v\u00f6geln, aber Brian eine Jungfrau heiraten, wieder unverst\u00e4ndlich, au\u00dferdem will er, da\u00df sie ihm seine Socken stopft, so verl\u00e4\u00dft sie ihn, macht einen Sekret\u00e4rinnenkurs und heuert ein Jahr sp\u00e4ter bei Medusa an.<br \/>\nJetzt habe ich etwas vergessen, als der br\u00fcllende Bull an der T\u00fcre trommelte, hat er Zoe aufgefordert mitzukommen, was sie auch tat, also nichts an mit der Arbeit im Frauenverlag. Sie bekommt ein zweites Kind, ist vordergr\u00fcndig nur mehr Hausfrau und Mutter und wird von ihrem Bull auch gr\u00fcndlich beleidigt. Schreibt aber trotzdem heimlich ein Buch &#8220;Verlorene Frauen&#8221; und  bietet es Medusa an. Layla und Stephanie k\u00f6nnen sich nicht einigen, ob sie es nehmen. Stephanie ruft an und sagt Bull, sie soll mehr schicken und der sagt seiner Frau, der Verlag nimmt es nicht, weil es grottenschlecht ist, daraufhin bringt Zoe sich um. So endet der erste Teil. Ein paar Bettgeschichten, die mir ebenso unglaublich scheinen, so landet Lalyla, als sie daraufkommt, da\u00df sie nicht mehr schwanger werden kann, im Bett von Hamisch und Duffy, die sich seither um die Kinder k\u00fcmmert, bringt sie zu Stephanie zur\u00fcck, aber sie will sie nicht. Das passiert aber, glaube ich, schon im zweiten Teil &#8220;Ein Nest geiler Nattern&#8221; und der endet auf Zoes Begr\u00e4bnis, wo der Geistliche vergeblich bittet doch keine feministische Veranstaltung aus einer Beerdigung zu machen.<br \/>\nMedusa ist aber unheimlich erfolgreich und die Frauen kapieren langsam auch, da\u00df die Frauenbewegung wichtig ist, obwohl sie noch nicht zu ihren Hormonen und ihren Tagen stehen k\u00f6nnen und Alice driftet in die esoterische Welle ab, legt Pyramiden und Karten&#8230;<br \/>\nDer dritte Teil hei\u00dft &#8220;Saffrons Suche&#8221; und da ist Zoes kleine Tochter f\u00fcnfzehn, geht nach der Schule in ein Buchgesch\u00e4ft und kauft sich um ihr Taschengeld eine feministische Zeitschrift, die bei Medusa erscheint, mu\u00df ins Haus einsteigen, weil der betrunkene Vater nicht die T\u00fcre \u00f6ffnet und ihrem kleinen Bruder erkl\u00e4ren, da\u00df er nicht schuld, am Tod der Mami ist. Sie macht sich auf die Suche das Geheimnis aufzukl\u00e4ren und hat eine Kopie des Mannuskriptes, Zoe brachte sich auch um, weil Bull die Seiten verbrannte, unterm Bett versteckt. Das landet Jahre sp\u00e4ter doch bei Medusa, wird ein Welterfolg und die Frauen prellen die Familie um das Geld, weil Bull nicht das Kleingedruckte las.<br \/>\nDer vierte Teil spielt zwanzig Jahre sp\u00e4ter, Flower Power ist vorbei und Saffron Chefredakteurin einer Frauenzeitschrift  und sie will auch Medusa haben, vielleicht, um ihre Mutter zu r\u00e4chen, vielleicht aber auch, weil sie eine Powerfrau geworden ist. Sie v\u00f6gelt zwar mit einem von Hamishs S\u00f6hnen, geht aber zu den Geldgebern und kauft dem Aidskranken Partner Laylas seinen Pozentanteil ab. So ist sie schlie\u00dflich die Besitzerin, w\u00e4hrend sich Stephanie und Layla endg\u00fcltig zerstreiten. Alice bleibt esoterisch und Nancy zu  Brian zur\u00fcckgeht, beziehungsweise mit ihm um die Welt segelt.<br \/>\nUnd aus der Traum vom Londoner Frauenverlag oder auch nicht, Saffron wird ihn schon aufp\u00e4ppeln, w\u00e4hrend der Wiener, wie erw\u00e4hnt,den Bach hinuntergeschwommen ist und es war interessant von einer Zeit zu lesen, die lange vergangen ist oder so scheint.<br \/>\nEin bi\u00dfchen glaube ich ja nicht, da\u00df es wirklich so war oder habe ich es in Wien anders erlebt. Aber auch da hat die AUF jetzt zugemacht, weil <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/21\/heimito-von-doderer-und-ruth-kluger\/\">Eva Geber<\/a> in Pension gegangen ist, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">Ruth Asp\u00f6ck<\/a> ist das schon lange und ich habe auch nicht viel Gl\u00fcck beim Wiener Frauenverlag, bzw. bei Milena gehabt, obwohl ich dort nat\u00fcrlich auch meine Manuskripte hinschickte.<br \/>\nAber drei Texte hatte ich in Anthologien. In der allerersten &#8220;Aufschreiben&#8221; nichts, denn da hat mir Elfriede Haslehner den Text zur\u00fcckgeschickt und gemeint, ich solle stattdessen in Therapie gehen. Allerdings in der &#8220;Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst&#8221;- Anthologie ist mein Text &#8220;Die freundlichen Stimmen oder auf einen Anruf warten&#8221; drinnen, den ich zwar, nach dem Erfolg der &#8220;G\u00fcler&#8221;, zu der Arbeitsweltanthologie von &#8220;Jugend und Volk&#8221; schickte und die schickten es  zum Frauenverlag, die es  nahmen. Dann folgte lange nichts. Erst als Karin Balluch den Verlag leitete, Elfriede Haslehner wurde ja ziemlich st\u00fcrmisch entfernt, hatte ich Anfangs des neuen Jahrtausend zwei Texte, n\u00e4mlich in der &#8220;Viechereien&#8221;-Anthologie und im Widerstandsbuch &#8220;Die Sprache des Wiederstands ist weiblich&#8230;.&#8221;, den &#8220;Widerstand beim Zwiegelschneiden&#8221;.<br \/>\nAber das nur am Rande, denn das geh\u00f6rt  nicht zu Fay Weldons Roman, die 1931 geboren, eine britische Bestsellerautorin und Feministin ist und ich habe, vor Jahren, als man, wenn man seine Stimme f\u00fcr die lange Nacht des H\u00f6rspiels, was auch nicht mehr so hei\u00dft, abgab, ein Buch gewinnen konnte, Fay Weldons &#8220;Ehebruch&#8221; gewonnen und am Rathausplatz beim Warten auf das Filmfestival im Sommer gelesen und war beeindruckt von der starken Sprache und dem starken Thema. Damals hatte ich soetwas noch nicht glesen. In meinem Katalog findet sich noch  &#8220;Memoiren eines Teufelsweibs&#8221;, das habe ich, glaube ich, auch gelsesen, kann mich aber nicht mehr erinnern. Wohl aber auf die &#8220;Bulgary Connection&#8221;, die in Edith Broczas Buchkisten waren. Das hat mir aber nicht so gut gefallen und  &#8220;Frau im Speck&#8221; war einmal im B\u00fccherkasten, das mu\u00df ich  noch lesen.<br \/>\nUnd zu diesem Buch ist zu sagen, da\u00df die Erinnerungen an die wilde Zeit des Feminismus der Siebzigerjahre, die ich miterlebte, nat\u00fcrlich sehr beeindruckend ist. In England war das offenbar ein bi\u00dfchen anders, als bei uns in Wien, aber vielleicht \u00fcbertreibt eine Bestsellerautorin auch ein bi\u00dfchen, um den Publikumsgeschmack zu treffen. So kommt es mir jedenfalls vor und am Schlu\u00df geht alles den Bach hinunter, beziehungsweise wechselt der Verlag die Besitzer und das haben wir in Wien auch erlebt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;England in den Siebzigern: Hippies, Flower Power, die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcder &#8211; und Schwesterlichkeit. Es ist die Geschichte einer Aufbruchszeit. 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