{"id":11367,"date":"2012-01-13T00:53:35","date_gmt":"2012-01-12T23:53:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11367"},"modified":"2012-01-13T00:53:35","modified_gmt":"2012-01-12T23:53:35","slug":"hilde-spiel-und-der-literarische-salon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11367","title":{"rendered":"Hilde Spiel und der literarische Salon"},"content":{"rendered":"<p>Die Grande Dame der \u00f6sterreichischen Literaturgeschichte der Vor- und Nachkriegsjahre, die Schriftstellerin und Journalistin, Hilde Spiel w\u00e4re am 19. Oktober 2011 hundert Jahre alt geworden, zu diesem Anla\u00df erschien im Studienverlag von Ingrid Schramm und Michael Hansel herausgegeben, das Buch &#8220;Hilde Spiel und der literarische Salon&#8221; und das zu lesen war sehr interessant. Taucht der Name Hilde Spiel ja bald mal auf. So hat sich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/18\/solo-lesung\/\">Enrico Kusche<\/a>r bei der mi\u00dfgl\u00fcckten Oktoberlesung im Cafe Amadeus auf sie bezogen und auch der Buchpr\u00e4sentation von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/12\/der-geist-von-san-francisco\/\">Wolfgang Bauers &#8220;Der Geist von San<\/a> Fransisco wurde ihr Name erw\u00e4hnt. Ich habe mir von meinen Eltern einmal die Autobiografie &#8220;Die hellen und die dunklen Zeiten&#8221;, schenken lassen und gelesen. Wieviel ich damals \u00fcber den Literaturbetrieb der F\u00fcnfziger- Sechziger und Siebzigerjahre mitbekommen habe, wei\u00df ich nicht. Inzwischen wei\u00df ich ein bi\u00dfchen mehr davon und auch, da\u00df der Psychoanalytiker Felix de Mendelsohn, den ich gelegentlich im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/16\/sigmund-freud-statt-aris-fioretes\/\">Sigmund Freud Museum<\/a> oder auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/13\/sfu-tagung-und-noch-einmal-buch-wien\/\">Sigmund Freud Universi\u00e4t<\/a> treffe ihr Sohn ist. Hilde Spiel ist oder war also eine ber\u00fchmte alte Dame des Literaturbetrieb und den Zusammenhang zwischen ihr und den literarischen Salons herzustellen, finde ich auch sehr interessant. Das Buch beginnt mit einer Einleitung von Bernhard Fetz, dem Direktor des Literaturarchivs der NB und dort d\u00fcrfte sich ihr Nachla\u00df befinden, dann kommt ein W\u00fcrdigung Julian Schuttings &#8220;Wie du schreibt niemand mehr!&#8221; und es beginnt auch sehr interessant, mit einer Zusammenstellung der ber\u00fchmten literarischen Salons, die es im vorvorigen Jahrhundert in Wien gegeben hat. Da habe ich ja einmal eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/09\/vom-salon-zur-literatur\/\">Sommerakademie des Instituts f\u00fcr j\u00fcdische Geschichte<\/a> besucht und da wurde auch Spiels &#8220;Fanny von Arnstein&#8221;-Roman erw\u00e4hnt, aber der kommt erst im n\u00e4chsten Kapitel vor. In diesem beschreibt Deborah Holmes die ber\u00fchmten Salons von Caroline Pichler,Josephine von  Wertheimstein, Alma Mahler-Werfel, Berta Zuckerkandl etc und kommt dann  bald zu Eugenie Schwarzwald, der Frau Doktor mit ihrer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/20\/schwarzwaldschule\/\">ber\u00fchmten M\u00e4dchenschule<\/a>, in die auch Hilde Spiel gegangen ist. Dann hat sie Psychologie und Philosophie studiert, sich als Frau, was in den Drei\u00dfigerjahren offenbar noch etwas schwierig war, den Zugang zum Cafe Herrenhof erk\u00e4mpft und mit zweiundzwanzig Jahren den Roman &#8220;Kati auf der Br\u00fccke&#8221; geschrieben, wo es um ihre Jugendliebe zu dem offenbar sehr eitlen Schriftsteller Hans Habe geht. Hilde Spiels zweiter Roman wurde dann nicht mehr angenommen. Sie heiratete 1936 den Schriftsteller Peter de Mendelsohn, mit dem sien nach England emigrierte, von ihm zwei Kinder bekam und die Manuskripte eines vielschreibenden Schriftstellers abtippte. Peter de Mendelsohn war dann bei der British Army und in dieser Funktion lebte Hilde Spiel einige Jahre mit ihm im Nachkriegsberlin, bevor sie 1955 nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkam. Sie war Pen-Vizepr\u00e4sidentin und kanditierte als Pr\u00e4sidentin, als Lernet-Holenia den Vorsitz zur\u00fccklegte, weil Heinrich B\u00f6ll den Nobelpreis bekam. Das wurde aber von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/17\/die-gefahren-der-vielseitigkeit\/\">Friedrich Torberg<\/a> verhindert, den sie als Freundfeind bezeichnete und hatte ein Haus bzw. einen gr\u00fcnen Salon am Wolfgangsee, wo Thomas Bernhard und auch Peter Turrini verkehrten, der ihr einen Tagebucheintrag widmete.<br \/>\nEvelyne Polt-Heinzel versucht in ihrem Beitrag &#8220;Hilde Spiel &#8211; Ein Lebensentwurf zwischen Kaffeehaus und Salon&#8221;, ein durchaus kritisches Spiel Bild zu zeichnen und weist immer wieder auf Autorinnen hin, die es nicht so gut, wie sie hatten, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.texteundtee.at\/blog.php\">Lili Gr\u00fcn<\/a>, im KZ ermordet oder Joe Lederer, die in London in den Salons als Dienstm\u00e4dchen arbeitete, in denen Hilde Spiel verkehrte.<br \/>\nEs scheint auch ein etwas ambivalentes Verh\u00e4ltnis zu Ingeborg Bachmann gegeben zu haben, bezeichnet Spiel sie und Ilse Aichinger wegen ihrer Haarschnitte als &#8220;Nudelsuppe&#8221; und &#8220;Wasserschlange&#8221;. Christa G\u00fcrtler meint aber, da\u00df Hilde Spiel Ilse Aichinger mit ihrer Zwillingsschwester Helga verwechselt h\u00e4tte.<br \/>\nHilde Spiel war auch Korrespondetin der Salzburger Festspiele, hat diesbez\u00fcglich viel im Cafe Bazar verkehrt und sich f\u00fcr Gottfried von Einem eingesetzt und all dies auch in ihren Memoiren, wie beispielsweise die erw\u00e4hnten &#8220;Hellen und finsteren Zeiten&#8221; beschrieben.<br \/>\nDas Buch hat wieder sehr viele Fotos und in der Buchhandlung neben der Alten Schmiede in der Sch\u00f6nlaterngasse, die glaube ich, einem Fritsch Sohn geh\u00f6rte oder geh\u00f6rt, liegen die antiquarischen und inzwischen vergriffenen, &#8220;leichten Sommerromane&#8221;, wie &#8220;Kati auf der Br\u00fccke&#8221;, &#8220;Verwirrungen am Wolfgangsee&#8221; oder auch &#8220;Die hellen und die dunklen Zeiten auf&#8221; und ich habe beim letzten gro\u00dfen Buchlandungsabverkauf mir Marcel Reich Ranicky &#8220;Hilde Spiel&#8221;-Buch um einen Euro gekauft, der sehr viel von ihr zu halten schien.<br \/>\nEs war wieder sehr interessant ein bi\u00dfchen Literaturgeschichte, der Sechziger und Siebzigerjahre, die mich ja sehr interessiert, zu erfahren, mit den<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\"> Bachmann Mythos<\/a> habe ich es  schon dieses Jahr getan und Ingrid Schramm, eine der beiden Herausgeber, habe ich einmal in der Erotiknacht bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; geh\u00f6rt, als sie ihren Roman &#8220;Die Liebespriesterin&#8221; vorstellte und sie hat sich auch in die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/22\/sommerlocher\/\">Sommerlochdebatte<\/a> rund um Anni B\u00fcrkl &#8220;Ausgetanzt&#8221;- Kritik von leselustfrust, eingemischt. Interessant, wie sich die Kreise schlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grande Dame der \u00f6sterreichischen Literaturgeschichte der Vor- und Nachkriegsjahre, die Schriftstellerin und Journalistin, Hilde Spiel w\u00e4re am 19. 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