{"id":11213,"date":"2012-01-07T12:26:41","date_gmt":"2012-01-07T11:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11213"},"modified":"2012-01-07T12:26:41","modified_gmt":"2012-01-07T11:26:41","slug":"schreibprozesgefluster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11213","title":{"rendered":"Schreibproze\u00dfe und Literaturdebatten"},"content":{"rendered":"<p>Der Schreibproze\u00df bei &#8220;Der Wiedergeborenen&#8221; ist wirklich interessant, nach dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/31\/qualereien\/\">Jammerartikel<\/a> in der letzten Woche und einigen sehr interessanten You Tube Filmen zum Thema &#8220;Wie schreibt man einen Roman&#8221;, wurde es diese Woche dann sehr <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/03\/szenen-fullen\/\">intensiv<\/a> und ich war auf einmal so mitten drin im Schreiben, da\u00df ich aufs Baden, Lesen, Radfahren vergessen habe.<br \/>\nZuerst habe ich am Montag aber, die damals vorhandenen vierzig Seiten korrigiert, die letzten Szenen, wo das &#8220;Das kann ich nicht!&#8221; und das sich selbst Blockieren schon sehr gro\u00df war, mit Handlung angef\u00fcllt und pl\u00f6tzlich war der Weg frei und die Handlung konnte sich entwickeln. So sind am Montag, glaube ich, noch zwei neue Szenen entstanden und am Dienstag habe ich  in mein gr\u00fcnes Buch, in dem die Konzepte von der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;<\/a> an, drinnen stehen und das jetzt ausgeschrieben ist, den Handlungsrahmen, a la Schneeflockenmethode gef\u00fcllt, bzw. die n\u00e4chsten Szenen konzipiert und pl\u00f6tzlich wu\u00dfte ich, wie es weitergehen k\u00f6nnte.<br \/>\nDa war ja einmal eine Idee eine griechische Studentin einzuf\u00fchren, um in der Aktualit\u00e4t zu bleiben, die ist jetzt vom Tisch, aber im Dienstag h\u00f6rte ich im Radio etwas von der Demonstration in Ungarn bez\u00fcglich der Reformideen der dortigen Regierung, da war ich ungef\u00e4hr so weit, da\u00df Esther Molnar, die Gro\u00dfmutter von Margit Mayerhofer ist und die erz\u00e4hlt etwas von ihrem Vater und der k\u00f6nnte eine uneheliche Tochter namens Ilona haben und die k\u00f6nnte bzw. ihr Freund Bela, Margit Mayerhofer an die Budapester Taschenoper engagieren und Marianne k\u00f6nnte, wenn sie wieder in Salzburg ist, im Literaturhaus Ari Eisenstein kennenlernen, der einen Roman \u00fcber seine Mutter geschrieben hat&#8230;<br \/>\nJa und beim mehrmaligen Korrigieren ist mir aufgefallen, wie sich die drei Frauengeschichten quasi von selbst ergeben. Also kein Rosa- Marianne- Theresa Buch, der Konflikt zwischen Mutter, Tochter und Gro\u00dfmutter war aber pl\u00f6tzlich da und Mariannes Eifersucht wird durch die beiden Frauen, Hanka Haugova und Sonja Pilatova, die st\u00e4ndig um Jan schw\u00e4rmen ganz gut erkl\u00e4rt und der Titel &#8220;Die Wiedergeborene&#8221; ergibt sich auch aus der Geschichte und dann sitzen Jan und Marianne in Prag im Cafe Savoy und er erkl\u00e4rt ihr die Spannung zu ihrer Mutter, da\u00df sie genug von den vielen Fl\u00fcchtlingsgeschichten in ihrem Leben hatte, die Theresa ist aber gerade dabei, sich in Albert zu verlieben, bzw. l\u00e4dt sie ihn in der W\u00e4hringerstra\u00dfe in die Konditorei Aida ein, aber diese Szenen sind erst am Donnerstag entstanden.<br \/>\nAm Dienstag kam ich nicht sehr zum Weiterschreiben, am Mittwoch ebenfalls nicht, da sind nur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/04\/der-platz-des-hundes\/\">zwei<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/05\/deja-vue-und-arbeitsbericht\/\">Literaturgefl\u00fcsterartikel<\/a> entstanden, am Donnerstag in Harland dachte ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/24\/wichig-nehmen\/\">wieder<\/a>, wenn du jetzt Baden und Radfahren gehst, kommst du aus dem Konzept heraus und schrieb f\u00fcnf Szenen, die fast von selber entstanden. In Prag bei dem Besuch in dem Sterbehospiz, wo sich Hanka zur\u00fcckgezogen hat, fing es an, dann ging es wieder nach Wien zur\u00fcck, wo  Theresa Albert im Supermarkt trifft, der seine Tante dorthin begleitet bzw. ihr beim Einkaufen hilft. Bei der f\u00fcnften Szene, die ich geschrieben habe, hat es sich wieder verd\u00fcnnt, ich war ausgeschrieben und werde korrigieren m\u00fc\u00dfen, die letzten Szenen wahrscheinlich wieder etwas f\u00fcllen und das weitere Konzept festlegen. Wo es ungef\u00e4hr hingeht, wei\u00df ich jetzt. Wenn ich mir die jetzt vorhandenen siebzig Seiten und dreiundzwanzig Szenen ausdrucke, habe ich das Ganze, was ich auch brauche, plastisch vorm Gesicht und kann die Handlung weiterfestlegen, bzw. mich vor Fallen h\u00fcten, in die ich noch kommen k\u00f6nnte. Es k\u00f6nnte aber &#8220;ganz kitschig&#8221; in Margits oder Theresas Wohnzimmer enden. Margit singt, Albert spielt Geige, Johann Molnar und seine Tochter Ilona sind da und auch Jan, der inzwischen Marianne in Salzburg besuchte, die sich aber auch mit Ari anfreunden kann&#8230;<br \/>\nBeim Schreiben war es spannend zu erleben, was alles aus einer Idee entstehen kann und, da\u00df es gut ist, in der Gegenwart zu bleiben, die Rosa und die Esther Hannah Geschichte dort entstehen lassen und wenn ich es jetzt in einem Satz beschreibe,  lernt die Theresa den Albert kennen und am Schlu\u00df zieht er bei ihr ein.<br \/>\nEin Aha-Erlebnis war sicher letzte Woche, da\u00df ich mich von den Stimmen im Kopf &#8220;Das geht ja nicht!, das gibt es alles schon!, das ist nicht gut genug!&#8221; etc l\u00f6sen mu\u00df, dann w\u00e4chst das Rohkonzept und nat\u00fcrlich ist es noch voll von Klischees, die nach und nach hinaus geh\u00f6ren und die Theresa ist vielleicht auch pr\u00fcder, als die Figuren der Helene Hegemann oder der Charlotte Roche, soll so sein!<br \/>\nJetzt mu\u00df ich wieder an den Anfang, die vorhandenen siebzig Seiten korrigieren und dann weiter machen, ob ich jetzt bei der H\u00e4lfte oder schon im letzten Drittel bin, wei\u00df ich nicht.<br \/>\nFl\u00fc\u00dfiger ist es, glaube ich, geworden und da sehe ich auch einen Schreibfortschritt, der sicher durch das st\u00e4ndige Reflektieren w\u00e4chst und reift. So halte ich das \u00f6ffentliche Diskutieren f\u00fcr eine gute Idee, auch wenn wenig Feedback kommt, komme ich damit weiter.<br \/>\nWas noch ein wenig unklar ist, ist der Verlauf der Handlung. Das &#8220;Worum geht es \u00fcberhaupt? und &#8220;Wo will ich hin?&#8221;, hat sich aber von der ersten Idee &#8220;Drei Frauen in einer Wohnung&#8221;, eigentlich ganz sch\u00f6n entwickelt und Autobiografie gibt es diesmal nicht sehr viel und auch keine realen Vorbilder.<br \/>\nDie Figuren der Rosa Marianne Theresa sind in meinen Kopf entstanden, stimmt nicht ganz, werden meine Leser einwerfen, hat die Rosa den Namen und auch das Geburtsdatum meiner Mutter, ja, aber eine ganz andere, n\u00e4mlich eine Mittelschichtbiografie und die Wohnung in der Porzellangasse, wo einmal der Alfred in einer WG wohnte und ich ihn in den fr\u00fchen Achtzigerjahren das erste Mal besuchte, hatte ich auch im Kopf, als ich die in der W\u00e4hringerstra\u00dfe, in der die drei Frauen leben oder lebten, konzipierte. Das ist wahrscheinlich das, was in einem drin ist und wo man das Rad nicht immer neu erfinden mu\u00df, die Handlung hat sich dann aber aktuell, durch den Tod von Vaclav Havel, zum Beispiel, weiterentwickelt. Da habe ich mir das Begr\u00e4bnisvideo angeschaut und dann den Jan den Nachruf halten lassen, denn der war ein politischer Weggef\u00e4hrte des ehemaligen Pr\u00e4sidenten. Das Charta 77 B\u00fcchlein habe ich noch immer nicht gefunden, wohl aber Vaclav Havels &#8220;Briefe an Olga&#8221;, die ich einmal zu lesen abgebrochen habe und Autobiografie von mir, das was zwickt und dr\u00fcckt, etwa die depressive Frau, die im Rathauspark den B\u00fcrgermeister trifft, wie in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/25\/weiter-mit-den-drei-s\/\">&#8220;Frau auf der Bank&#8221; <\/a>gibt es hier nicht, denn die Marianne, die alterm\u00e4\u00dfig zu mir passt, hat nicht viel von mir und das mit der Eifersucht auf die Hankas, Katjas, Sonjas hat sich nach und nach entwickelt und war ganz lustig zu erleben.<br \/>\nAlso wieder zur\u00fcck zum Start und am Wochendende nochmals korrigieren, die n\u00e4chsten Szenen festlegen, weiterschreiben, auf  Klischees achten, versuchen, sich nicht von sich selbst zu hindern zu lassen und nicht st\u00e4ndig denken &#8220;Das kannst du nicht!&#8221;, sondern meine Ideen kommen lassen.<br \/>\nEin bi\u00dfchen k\u00f6nnte mich ja die E-Buch Debatte von den unrichtigen Autoren, die es jetzt im Internet gibt und die leidige Frage, ob wirklich alle schreiben d\u00fcrfen?, die immer wieder kommt, behindern, sollte aber nicht!<br \/>\nIch schreibe ja schon lang, hatte nicht viel Gl\u00fcck im Literaturbetrieb, 2000 aufgeh\u00f6rt, mich um Stipendien zu bewerden, seit dieser Zeit mache ich auch meine B\u00fccher selbst und schicke seit etwa 2004 meine Manuskripte nicht mehr herum. Den Wunsch damit reich zu werden hatte ich nie, eher den, wahrgenommen und anerkannt zu werden. In diesem Sinn ben\u00fctze ich auch das Literaturgefl\u00fcster, das ich seit dreieinhalb Jahren sehr intensiv betreibe. Da\u00df das auch die anderen wollen, f\u00fcr deren Schreiben ich mich sehr interessiere, ist klar und bedroht mich eigentlich nicht. Auch die anderen werden an ihre Grenzen sto\u00dfen und hart arbeiten m\u00fc\u00dfen, wenn sie weiterkommen wollen. Ob man mit selbstgemachten E-B\u00fcchern, die jetzt so propagiert werden, so einfach reich und ber\u00fchmt werden wird, glaube ich zwar nicht, weil die Leute immer weniger lesen und sich nur ein kleiner Teil f\u00fcr Literatur interessiert, die anderen sind Konkurrenten und lesen oft nicht viel.<br \/>\nIch tue es aber und profitiere f\u00fcr mein Schreiben sehr davon. Wenn ich mal ein Buch von einem Autor erwische, der schlechter schreibt, als ich, finde ich das interessant und halte es aus, das gilt allerdings auch umgekehrt f\u00fcr die mehr oder minder gut lektorieren, f\u00fcr den Markt geschriebenen Texte, die man bei Surhkamp, Rowohlt, etc findet.<br \/>\nJetzt habe ich, um die Flucht nach vorne anzutreten, auf Margot Kollers Aufforderung ihr f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">Salzburg Lesung im April<\/a>, f\u00fcr die ich eventuelle Salzburger Leser schon herzlich einlade, die Handlung der  &#8220;Wiedergeborenen&#8221; in ein paar S\u00e4tzen zusammengefa\u00dft und neue Halbpreisb\u00fccher f\u00fcr die Harlander-Leseliste gibt es auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schreibproze\u00df bei &#8220;Der Wiedergeborenen&#8221; ist wirklich interessant, nach dem Jammerartikel in der letzten Woche und einigen sehr interessanten You Tube Filmen zum Thema &#8220;Wie schreibt man einen Roman&#8221;, wurde es diese Woche dann sehr intensiv und ich war auf &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11213\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-11213","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11213"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11213\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}