{"id":11152,"date":"2012-01-04T16:37:29","date_gmt":"2012-01-04T15:37:29","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11152"},"modified":"2012-01-04T16:37:29","modified_gmt":"2012-01-04T15:37:29","slug":"der-platz-des-hundes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11152","title":{"rendered":"Der Platz des Hundes"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das erste Buch auf der 2012er <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a>, das schon lange in meinem B\u00fccherregal steht, bzw. im Badezimmer lag, habe ich doch Anna Weidenholzers &#8220;Der Platz des Hundes&#8221;, schon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/20\/dritter-messetag-und-was-frauen-schreiben\/\">2010 von der Buch-Wien<\/a> nach Hause gebracht. Der freundliche Verleger hat es mir gegeben und ich habe es nicht gelesen, denn da gab es ja so ein Vorurteil &#8220;Kurzgeschichten lese ich nicht!&#8221; und tat dem Buch damit nicht nur Unrecht, es trifft auch nicht ganz zu. Denn eigentlich k\u00f6nnte man die die acht Erz\u00e4hlungen \u00e4hnlich, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/30\/ruhm\/\">Daniel Kehlmanns &#8220;Ruhm&#8221;<\/a> als einen Episodenroman interpretieren. Zumindesten hantelt sich eine Geschichte an der n\u00e4chsten weiter und dem Leopold der ersten Geschichte begegnen wir in der letzten wieder, dazwischen haben wir seine Kellnerin kennengelernt, einen alten Mann mit wei\u00dfen Schnurrbart, zwei \u00e4ltere Damen, einen jungen Mann, u.u.u.<br \/>\nUnd die 1984 in Linz Geborene ist dem Literaturgefl\u00fcster auch keine Unbekannte, habe ich den Namen doch 2009, glaube ich, kennengelernt. Denn da las sie in einer von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/04\/die-welt-ist-uberall-anders\/\">Angelika Reitzer moderierten Textvorstellungen<\/a>, im Etcetera war ein Text von ihr und in der Wortlaut-Anthologie und wenn ich mich nicht irre, waren das auch Geschichten, die im &#8220;Platz des Hundes&#8221; zu finden sind.<br \/>\nDas Buch, 2010 erschienen, wurde auch in \u00d61 vorgestellt und die Titelgeschichte daraus gelesen, vor einem Jahr war sie bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/04\/die-welt-ist-uberall-anders\/\">Lockstoffen<\/a> und heuer wurde Anna Weidenholzer bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/08\/auftritte-i\/\">Auftritten<\/a> im Literaturhaus prominent pr\u00e4sentiert, ihr Postkartenportrait steht auf meinem B\u00fccherregal, bei der GAV ist sie nun auf, obwohl das etwas schwierig war und das ist eigentlich nicht verst\u00e4ndlich, denn die acht Kurzgeschichten zeigen einen eigenen Ton, haben eine sch\u00f6ne Sprache und besch\u00e4ftigen sich vor allem, was mich ja sehr freut und was auch Bernhard Strobel ein bi\u00dfchen so macht, mit den kleinen Leuten am Land, den einsamen alten M\u00e4nnern, etc und das auf eine durchaus literarische Art.<br \/>\nSo geht der leise Reigen los mit der &#8220;Zwischenzeit oder der Platz des Hundes&#8221;, wo wir Leopold, einen vereinsamten Mann, treffen, der f\u00fcr seinen Hund, den es offenbar gar nicht mehr gibt, Palatschinken macht und dabei &#8220;das Mehl in den Motten&#8221; nicht bemerkt.<br \/>\nEs sind die kleinen feinen T\u00f6ne, die in Anna Weidenholzers Texte bestechen, das Ungesagte, Angedeutete. Ist Leopold jetzt Witwer oder nicht und wie ist das mit der Uhrenmaffia und der Zwischenzeit?<br \/>\nEin paar Wendungen tauchen immer wieder auf, die mir ungew\u00f6hnlich scheinen, wie etwa, das Weltspartaggeschenk, die &#8220;Sumsi-Biene&#8221; oder ein paar Allgemeinpl\u00e4tze, wie der Satz &#8220;Meine Lieben, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei, hat die Gro\u00dftante geschrieben&#8221;, aus einer sp\u00e4teren Geschichte, wo ich mir Denken k\u00f6nnte, da\u00df es Anna Weidenholzer, wenn sie das vielleicht in Klagenfurt liest, mit den Kritikerg\u00f6ttern Schwierigkeiten hat, weil die \u00e4hnlich, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/27\/3-bachmann-lesetag\/\">2009 bei Caterina<\/a> Satanik, das \u00d6sterreichische an der deutschen Sprache nicht aushalten.<br \/>\nMir aber gef\u00e4llt die Mischung des Alltagslebens mit der sch\u00f6nen Sprache, der kleine feine Reigen, der der Geschichtensammlung vielleicht doch eine Handlung gibt, denn die agierenden Personen, scheinen in derselben Gegend irgendwo in der Provinz von Linz, vielleicht zu wohnen und Leopold geht, nachdem er Palatschinken aus Mehl mit Motten f\u00fcr einen offenbar nicht oder nicht mehr existierenden Hund macht, mit einer Leine ins Wirtshaus, bestellt sich dort ein oder zwei Nachmittagsbiere und schaut immer wieder nach dem Hund unter den Tisch, um es offenbar zu genie\u00dfen, wenn ihn die Kellnerin &#8220;Suchen Sie was?&#8221; fragt. Die erfahren wir eine Geschichte sp\u00e4ter hei\u00dft Siri , hat einen Freund namens Simon und f\u00fchlt sich etwas verloren in der Welt. Vor allem wenn sie in den Supermarkt geht, um K\u00e4se einzukaufen. Simon kommt dann nicht zu ihr, so trinkt sie die Flasche Whiskey aus, die sie von dem Mann mit dem Bart aus der dritten Geschichte geschenkt bekommen hat und der ist, wie Siri ein Meister der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\">Todesarten<\/a> (Merken wir etwas? Aber irgendie m\u00fc\u00dfen die jungen Autoren ja ankn\u00fcpfen und ich habe in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_radiosonate.html\">&#8220;Radiosonate&#8221;<\/a> ja auch damit gespielt.).<br \/>\nSiri hat eine Liste, wie sie ums Leben k\u00f6nnen kommte, am Eisschrank h\u00e4ngen und  der Toni aus &#8220;L\u00f6wenzahn&#8221;, &#8220;kennt Namen und Daten aller in \u00d6sterreich geschehenen Morde, bis ins Jahr neunzehnhundertachtundvierzig zur\u00fcck&#8221;. Toni f\u00e4hrt Taxi und m\u00f6chte irgendwann nach New York, zumindestens erz\u00e4hlt er das seinen Fahrg\u00e4sten. Er sucht auch eine Frau, so antwortet er auf ein Inserat einer Witwe und verspricht ihr mit einer Rose in einem Kaffeehaus auf sie zu warten. Die kommt in &#8220;Kaffee mit Schnurrbart&#8221; viel fr\u00fcher ins Cafe als er und beobachtet, wie er nach allen eintretenden Frau schaut und holt sich  die Rose, als er gegangen ist. Vorher resumiert sie \u00fcber den Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs ihres Karls, der sie zur Witwe machte. Und in &#8220;Kavkas Butterbrote&#8221;, lebt der Hund Kavka, mit &#8220;v&#8221; nicht mit &#8220;f&#8221;, wie der Dichter mit Hermine im dritten Stock eines Mehrparteienwohnhauses und vergr\u00e4bt jeden Morgen sein Butterbrot im Garten.<br \/>\nEs sind schon skurrile Geschichten, die Anna Weidenholzer da eingefallen sind. So f\u00e4hrt Hermine mit Kavka mit dem Bus in einen Gartenmarkt um Tomaten, &#8220;Strauchtomaten, Balkontomaten, Bauerntomataten, Stabtomaten&#8221; zu kaufen und plfanzt sie  am Friedhof am arab eines Hermann an, &#8220;der am 21. Mai 1990 w\u00e4hrend eines Arztbesuches starb&#8221;.<br \/>\nAuf dem Weg dorthin sitzt sie dem Helden von Geschichte sechsm Franz Xaver Aum\u00fcller gegen\u00fcber, der einen Stock Basilikum auf seinen Knien hat und sich wundert, da\u00df er diese Pflanzen kauft, um sie am Abend aufzuessen, bzw. in die Pasta zu geben und Franz Xaverm der praktisch von seinem Gro\u00dfvater aufgezogen wurde, hat Schwierigkeiten mit den alten Fotos aus einer Schachtel (<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/03\/szenen-fullen\/\">auch das erscheint mir momentan sehr bekannt<\/a>), die ihm in einer Wehrmachtsuniform zeigen und dann gibt es noch, die mich sehr ber\u00fchrende Geschichte eines Schulwartes, der als Kind vom Land gekommen von den anderen Kindern ausgelacht wurde, weil er &#8220;Postauto statt Postbus&#8221; sagte. So gab ihm die Lehrerin eine schlechte Note und als er wieder nach Hause fuhr, wurde er ausgelacht, wenn er &#8220;Postbus&#8221; sagte.<br \/>\nJa, das Leben ist schwer, vor allem wenn wir von sovielen Ausl\u00e4ndern umzingelt werden, wie Ferdinand h\u00f6ren kann, wenn er fernschaut. Aber Ferdinand m\u00f6chte viele Sprachen lernen und hat sich so neun W\u00f6rterhefte angelegt, damit er den Kindern  auf neun Sprachen &#8220;Hallo, Guten Morgen, Wo sind deine Hausschuhe?&#8221; sagen kann. Denn das verlangt der Direktor von ihm und die Eltern wundern sich, da\u00df er T\u00fcrkisch, Albanisch etc mit den Kindern spricht. Denn wo kommen wir da hin? So versteckt er sieben von den neun Heften und l\u00e4\u00dft nur die mit den englischen und franz\u00f6sischen Wendungen auf dem Tisch liegen, da bekommt er Anerkennung, vom Paketboten, der zu ihm kommt.<br \/>\nUnd in der letzten Geschichte, lernen wir Elsbeth, Leopolds Schwester kennen und der Kreis schlie\u00dft sich, denn die schon erw\u00e4hnte Tante, hat Leopold die Uhr der Elsbeth den Kristallaschenbecher vererbt, obwohl sie es doch umgekehrt wollten und als Elsbeth dann in einem Gasthaus einen Kakao trinken will, sieht sie Leopold dort, den sie schon lange nicht mehr gesehen hat, begleitet ihn ein St\u00fcckchen und schreibt am Abend, wie es ihr ihr Therapeut geraten hat, auf einen Zettel &#8220;Mein Bruder ist ein Sozialschmarotzer&#8221; und steckt den Zettel in den Ofen.<br \/>\nEs sind wirklich sehr eindrucksvolle Geschichten, einer jungen Autorin, die vergleichende  Literaturwissenschaften studierte, Absolventin der Leondinger Akademie f\u00fcr Literatur 2009 war und verschiedene Auszeichnungen, wie den Marianne von Willemer Anerkennungspreis, den Alfred Gesswein-Preis und ein Staatsstipendium des BMUKs bekommen hat. Stipendiatin in der K\u00fcnstlerkolonie in Wiepersdorf war sie heuer mit Cornelia Travnicek auch und ich habe jetzt einen Kurzgeschichtenband gelesen, der mir sehr gut gefallen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das erste Buch auf der 2012er Leseliste, das schon lange in meinem B\u00fccherregal steht, bzw. im Badezimmer lag, habe ich doch Anna Weidenholzers &#8220;Der Platz des Hundes&#8221;, schon 2010 von der Buch-Wien nach Hause gebracht. 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