{"id":11112,"date":"2012-01-02T00:41:34","date_gmt":"2012-01-01T23:41:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=11112"},"modified":"2012-01-02T00:41:34","modified_gmt":"2012-01-01T23:41:34","slug":"mythos-bachmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=11112","title":{"rendered":"Mythos Bachmann"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Mythos Bachmann&#8221; mit dem Untertitel &#8220;Zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung&#8221;, ist ein von Wilhelm Hemecker und Manfred Mittermayer herausgegebener Profilband, eins Magazin des Literaturarchivs der \u00f6sterreichischen Nationalbibliothek. Siebzehn B\u00e4nde sind im Klappentext angef\u00fchrt, die Hilde Spiel, Otto Basil, Ernst Jandl, Peter Handke, den kalten Krieg in \u00d6sterreich u. u. u. zum Thema haben und jetzt eben Ingeborg Bachmann.<br \/>\nDeren Themen lauten in Etwa &#8220;Vamp, Hure, Heilige, Diva?&#8221;, das habe ich jetzt ein wenig verballhornt, es kommen aber in etwa alle Themenkreise vor, von der Dissertation \u00fcber Martin Heidegger bis zu ihrem Tod 1973 in Rom und der Frage, ob das jetzt ein Mord, ein Selbstmord oder ein Unfall war und wurde von den verschiedensten Bachmannforschern  von Hans H\u00f6llerer bis zu Manfred Mittermayer geschrieben. Ein paar literarische Kurztexte von Kerstin Hensel, Michaela Falkner, Marie Therese Kerschbaumer und Evelyn Grill gibt es auch und ich bin auf das Buch bei der Buch Wien aufmerksam geworden und habe es mir zu Weihnachten gew\u00fcnscht, denn Ingeborg Bachmann ist f\u00fcr mich  auch ein Mythos oder eine interessante \u00f6sterreichische Dichterin. Ich bin aber kein Fan von irgendeinem Dichter und neige auch nicht dazu jemanden zu verkl\u00e4ren, aber als Ingeborg Bachmann am 17.  Oktoer 1973 in Rom gestorben ist, habe ich im ersten Semester Psychologie studiert und mich, wie auch noch heute, sehr f\u00fcr Literatur interessiert und mich wahrscheinlic auch gerade gefragt, was aus meinem Schreiben werden wird und da\u00df ich damals noch so vermessen war, mir zu denken, ich komme auch so weit wie sie, kann schon sein.<br \/>\n1977 habe ich, glaube ich auch, den Fernsehfilm &#8220;Drei Wege zum See&#8221; gesehen und damals sicher noch geglaubt, da\u00df ich einmal beim Bachmannpreis lesen werden kann und die vier b\u00e4ndige Werkausgabe habe ich auch einmal von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen.<br \/>\nJa und die GAV hat sich auch 1973 gegr\u00fcndet, aber das steht wahrscheinlich in keinen Zusammenhang zu der 1926 in Klagenfurt geborenen und 1973 in Rom verstorbenen Dichterin, deren Leben zwischen Mythos und Inszenierung jetzt vom \u00f6sterreichischen Literaturarchiv aufgearbeitet wurde. Wenn man bei Wikipedia nachschaut, kommt man auch auf die wichtigsten Lebensdaten, in den einzelnen Auf\u00e4tzen ist es aber sicher viel genauer analysiert und vieles auch erst bekannt, war der Nachla\u00df ja gesperrt und wurde erst jetzt freigegeben, so da\u00df man vieles erst jetzt erf\u00e4hrt. Ich habe ein bi\u00dfchen schon 2006 erfahren, als ich beim Bachmann Symposium zum achtzigsten Geburtstag der Dichterin war und vor zwei Jahren habe ich mir von den zu meinem Geburtstag von Roman Gutsch bekommenen Gutschein den<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/30\/herzzeit\/\"> Briefwechsel<\/a> Ingeobrg Bachmann Paul Celan gekauft und einiges von der Dichterin und ihren Traumatisierungen erfahren, ihr Kriegstagebuch ist auch erst jetzt herausgekommen und der Band mit den H\u00f6rspielen, die sie f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/10\/yoga-schreib-cafe-und-radiofamilie\/\">Radiofamilie<\/a> geschrieben haben soll, als sie Redakteurin beim Sender rot wei\u00df rot war. Mythos Bachmann, wo fange ich an, weil es ja wenig Sinn macht, die wissenschaftlichen Aufs\u00e4tze der Reihe nach zu zitieren, aber wenn ich nur meine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke wiedergebe, h\u00e4tte ich das Buch nicht lesen brauchen, das aber, um nicht mi\u00dfverstanden zu werden, sehr interessant war und ich jeden nur empfehlen kann, wenn ich mich auch \u00fcber einige der Artikel, beispielsweise \u00fcber den vom Rauchen etwas wunderte und dachte, die Wissenschaft ist auch nicht mehr das, von dem man glaubt, da\u00df sie es einmal war. Es beginnt aber mit der Aufz\u00e4hlung der verschiedenen Biografien und sehr sch\u00f6n finde ich auch die vielen Bilder, die es darin zu sehen gibt, auch wenn in dem Artikel &#8220;Zur fotografischen Konstruktion einer Dichterin&#8221; angef\u00fchrt wird, wieviele Bachmann Bilder man findet, wenn man zu Google geht. Es gibt  einige Biographische Portraits, darunter eines von einer Sigrid Weigl und da tat ich mir etwas schwer, die nicht mit dem Hans Weigl zu verwechseln, der ja auch seine Rolle als Bachmann Entdecker spielt und bei einem meiner Geburtstagsfeste habe ich von der Lisa Sedl eine Fotokopie geschenkt bekommen, wo Hans Weigl seine Entt\u00e4uschung \u00fcber die Ingeborg \u00e4u\u00dfert, weil sie sich politisch engagierte und ein Buch hat er auch \u00fcber sie geschrieben, die &#8220;Unvollendete Symphonie&#8221;, das ich gerne einmal in einem der B\u00fccherschr\u00e4nke finden w\u00fcrde und Max Frischs &#8220;Montaux&#8221; habe ich schon gefunden und steht auf der Leseliste f\u00fcr dieses Jahr.<br \/>\nFangen wir es aber biographisch an und verlassen ein wenig das Mythos-Buch. Denn da wurde 1926 in K\u00e4rtnen ein M\u00e4dchen geboren und hat bald den zweiten Weltkrieg erlebt. 2003, zum vierzigsten Todestag war ich im Radiokulturhaus bei einer Bachmannveranstaltung und da war ein \u00e4lterer Stammbesucher, der sich bei Isolde Moser, der Bachmann Schwester beschwerte, warum sich Ingeborg Bachmann nicht gegen die Nazis engagierte, worauf sie erstaunt sagte, &#8220;Aber meine Schwester war da ja ein Kind?&#8221;<br \/>\nAuch ein Bachmann Mythos, die kleine Ingeborg wird in der K\u00e4rntner Provinz oder in der Ostmark, wie das damals hie\u00df, als BDM M\u00e4dchen erzogen worden sein und war 1945 als der Spuk zu Ende war, wahrscheinlich h\u00f6chst traumatisiert, wie in dem &#8220;Kriegtagebuch&#8221;, das jetzt erschienen ist und 2006 im Palais Palfy ausgestellt wurde, nachzulesen ist. Sie ging dann bald nach Wien um Philosophie zu studeren und war mit 24  mit der Dissertation \u00fcber Martin Heidegger fertig, 1953 erschien  ihr erster Gedichtband &#8220;Die gestundete Zeit&#8221;.<br \/>\nHans Weigl, Hermann Hakel und die anderen damaligen literarischen Entdecker haben sie entdeckt und in dem Buch &#8220;Mythos Bachmann&#8221; wird auch genau analysiert, ob die junge Inge jetzt an ihrer Selbstinzenierung gearbeitet hat. Ob sie wirklich so sch\u00fcchtern war und so unbeholfen oder ob sie ihre Taschent\u00fcchlein, K\u00e4mme, etc nur fallen lie\u00df, wenn drei M\u00e4nner um sie herumstanden und ein vierter M\u00e4nnerkopf irgendwo auftauchte und die dann beim Aufheben prompt zusammenstie\u00dfen, so steht es in dem Buch. Wenn die Ingeborg dann ihre F\u00f6rderer verlassen hat, waren die tief entt\u00e4uscht und schrieben zum Teil Romane \u00fcber sie, wie Hans Weigl und die m\u00f6glicherweise Tramatisierte und vielleicht von ihrem Vater Mi\u00dfbrauchte hat sich auch mit vielen M\u00e4nnern versucht. Mit Paul Celan, Max Frisch,  Hans-Werner Henze etc.  Die Verst\u00f6rung ist in dem Briefwechsel Celan-Bachmann nachzulesen und wurde von mir schon besprochen. Max Frisch scheint sie sehr zerst\u00f6rt zu haben, so da\u00df sie psychiatrische Behandlung brauchte und in einem Bildband, auf Wunsch der Familie seine Bilder nicht auftauchen durften und dann gibt es noch einen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/11\/morde-in-dobling\/\">Adolf Opel<\/a>, dessen Buch \u00fcber die \u00c4gyptenreise, mir einmal Trude Kloiber zum Geburtstag brachte und den ich vor kurzem im Amerlinghaus gesehen habe. Der ist auch irgendwie in den Bachmann Mythos verwickelt oder hat an ihm mitgewirkt. Sie ist aber 1953 nach Rom gegangen, vorher hat sie beim Sender-Rot-Wei\u00df-Rot, wie schon erw\u00e4hnt gearbeitet und bei der Gruppe 47 hat sie gelesen und bald einen Preis gewonnen. 1954 erschien ihr Titelbild im &#8220;Spiegel&#8221; und da wird in dem Buch wieder analysiert, ob sie jetzt eine hilflose oder selbstbewu\u00dfte Frau war, angeblich beweisen die Fotografien das zweitere. Sie war auch sehr mond\u00e4n und wollte eine Diva, wie die Callas werden, lie\u00df sich in Rom in ihrer K\u00fcche fotografieren und kann ja nicht, steht in dem Buch, so hilflos gewesen sein, sonst h\u00e4tte sie es literarisch nicht so weit gebracht. Sie war aber medikamentenabh\u00e4ngig und in psychiatrischer Behandlung und ist im September 1973 wahrscheinlich deshalb mit der Zigarette eingeschlafen, weil sie bis hiundert Medikamente t\u00e4glich genommen haben soll und weil das die \u00c4rzte nicht wu\u00dften, als sie mit Verbrennungen in die Klinik eingeliefert wurde, wurde sie falsch behandelt. Und sie war sehr bald eine der bekanntesten Lyrikerinnen, als sie sich aber der Prosa zuwandte und beispielsweise, die &#8220;Todesarten&#8221; geschrieben hat, haben sich die Herren wie Marcel Reich-Ranicky von ihr abgewandt und sie als eine &#8220;gefallene Dichterin&#8221; bezeichnet. Aus der Traumszene in &#8220;Malina&#8221; wird ein Inzest durch den Vater interpretiert und weil sie am &#8220;Todesartenzyklus&#8221; schrieb wurde spekuliert, da\u00df ihr Tod ein Selbstmord war etc.<br \/>\nViel ist \u00fcber die Dichterin zu sagen und nat\u00fcrlich, da\u00df 1977 einer der inzwichen begehrtesten Literaturpreise oder der sch\u00f6nste Betriebsausflug am W\u00f6rthersee nach ihr benannt wird, der wahrscheinlich nicht viel mit ihr zu tun hat, den aber alle gewinnen wollen. Ich wollte das auch einmal und habe 2009 den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/30\/traumtinte\/\">&#8220;Wundersch\u00f6nen Tintentraum&#8221;<\/a> geschrieben und mich sowohl auf den Preis als auch auf Ingeborg Bachmann dabei bezogen und in <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_rosenwuchs.html\">&#8220;Wilden Rosenwuchs&#8221;<\/a> geht es auch um eine wei\u00dfhaarige alte Frau in einem Blumenmusterkleid, die beim Bachmannpreis auftaucht und sich in die erste Reihe setzt.<br \/>\n&#8220;Mythos Bachmann&#8221; ist ein interessantes Buch, das zeigt, da\u00df man in die gro\u00dfen Dichter vielleicht nicht so viel hineininterpretieren soll, denn, da\u00df das Roman- oder Gedicht- Ich nicht unbedingt autobiografisch ist, lernt man schon in Schreibseminaren und, da\u00df man junge Frauen und M\u00e4nner sehr \u00fcberfordert, wenn man sie in den Himmel hebt, ist klar und zeigt auch das Beispiel Helene Hegemann, von der man im Augenblick nichts mehr h\u00f6rt. Kein Dichter sollte sich, um H\u00f6chstleistungen zu erzeugen, so unter Druck setzen, da\u00df er hundert Tabletten t\u00e4glich braucht sind aber nat\u00fcrlich sehr sensibel, sonst w\u00e4ren sie ja keine, also ein bi\u00dfchen mehr aufpassen, Leser, Kritiker, Verleger, F\u00f6rderer damit das beim n\u00e4chsten Fr\u00e4uleinwunder nicht wieder so passiert!<br \/>\nEs las sich leichter, als ich eigentlich dachte und man erf\u00e4hrt viel \u00fcber die Dichterin. Und wenn man schon ein bi\u00dfchen \u00fcber sie wei\u00df, kann man sein Wissen erg\u00e4nzen und nat\u00fcrlich auch die Werke wiederlesen.<br \/>\nDie Fotografien finde ich wie beschrieben sehr interessant, ein paar Gedichte sind auch darin zu finden. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/28\/du-blutest-du-blutest\/\">Michaela Falkner<\/a> hat ein Manifest \u00fcber sie geschrieben und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/18\/larchenau\/\">Kerstin Hensel<\/a>, die ich \u00fcber die GAV kennenlernte und die 1989 in Klagenfurt gelesen hat, hat geschrieben, da\u00df man sich in der DDR zusammensetzte und die Dichterin &#8220;Ingeborg&#8221; nannte, deren Werke es zwar gab, die von der Regierung aber als b\u00fcrgerlich bezeichnet worden war und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/09\/winterquartier\/\">Evelyn Grill<\/a>, die sie, wie ich nie pers\u00f6nlich kennenlernte, fragt sich, ob sie eine Dame war? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Mythos Bachmann&#8221; mit dem Untertitel &#8220;Zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung&#8221;, ist ein von Wilhelm Hemecker und Manfred Mittermayer herausgegebener Profilband, eins Magazin des Literaturarchivs der \u00f6sterreichischen Nationalbibliothek. 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