{"id":10858,"date":"2011-12-25T11:01:52","date_gmt":"2011-12-25T10:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10858"},"modified":"2011-12-25T11:01:52","modified_gmt":"2011-12-25T10:01:52","slug":"jokehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10858","title":{"rendered":"Jokehnen"},"content":{"rendered":"<p>Arno Surminskis &#8220;Jokehnen oder Wie lange f\u00e4hrt man von Ostpreu\u00dfen&#8221; ist eigentlich ein Sommerbuch, bin ich doch durch unsere <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/12\/wieder-zuruck-aus-dem-urlaub\/\">Masurenreise<\/a> darauf gekommen und ich habe den Namen Arno Surminski das erste Mal geh\u00f6rt, als mich Alfred am Campingplatz in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/05\/das-schiff-auf-den-schienen\/\">Elblag <\/a>fragte, ob ich ihn kenne?. Nein, aber im literaturquiz, das ich ja manchmal spiele, wird danach gefragt, welche ostpreu\u00dfische Schriftsteller den Namen Arno tragen, Arno Holz und Arno Surminski ist die Antwort und in dem Buch steht der ber\u00fchmte Satz &#8220;\u00c4hnlichkeiten mit lebenden Personen sind zuf\u00e4llig und nicht beabsichtigt&#8221;, es wird aber sicher wieder einiges autobiografisch sein, wurde Arno Surminski doch 1934 in Ostpreu\u00dfen als Sohn eines Stellmachers geboren und blieb nach der Deportation seiner Eltern 1945 allein zur\u00fcck, bis er dann \u00fcber einen Aufenthalt bei kanadischen Holzf\u00e4llern 1962 in Hamburg ans\u00e4\u00dfig wurde und am Beginn des Buches, f\u00e4hrt eine Hebamme mit einem Fahhrad, das ihr die neuen Machthaber zustanden, damit sie besser ihre Arbeit erledigen kann, an  dem Tag an dem Hindenburg verstarb, zu dem Haus des Schneiders und B\u00fcrgermeisters Steputat, weil seine Martha niederkam und dann wird der Name f\u00fcr den kleinen Erdenb\u00fcrger ausgesucht &#8220;&#8221;Adolf w\u00e4re doch auch was Gutes!&#8221;, schlug die Hembamme vor&#8221;, der Vater entscheidet sich aber f\u00fcr Hermann nach dem Dichter Hermann Sudermann, der Rastenburger Dichter Arno Holz w\u00e4re aber auch eine M\u00f6glichkeit gewesen.<br \/>\nSo w\u00e4chst der kleine Hermann auf im deutschen Reich in Ostpreu\u00dfen, wo nur noch der alte Mayor in seinem Schlo\u00df, Hindenburg die Treue h\u00e4lt und nach seinem Tod wird auch diese Fahne, statt des Hakenkreuzes gehi\u00dft, ansonsten kommen jedes Jahr die jungen Dienstm\u00e4dchen in das Schlo\u00df und verlassen es ein Jahr sp\u00e4ter, um eine gute Partie mit einem Gutsbeamten einzugehen, um das erste Kind sehr fr\u00fchzeitig zu bekommen, nur Anna will den Melker August nicht heiraten und wird ein paar Tage sp\u00e4ter tot im Teich gefunden. Der kleine Hermann hat aber vorerst ein sch\u00f6nes Leben mit seinem Freund Peter. Dorflehrer Klose ist ein Nazi und seine Frau geht mit den Kindern singend in den Wald und als er einberufen wird, kommt eine junge Lehrerin, die es in der Einsamkeit nicht aush\u00e4lt und ihren \u00e4lteren Sch\u00fclern Nachhilfestunden gibt und dann knarrt es verd\u00e4chtig in der Kammer, so da\u00df stattdessen eine \u00e4ltere Lehrerin kommen mu\u00df. Denn die M\u00e4nner sind ja in den Krieg gezogen, nur B\u00fcrgermeister Steputat versucht in seinem Amt alles so gut, wie m\u00f6glich zu machen und sich auch f\u00fcr den Juden Samuel einzusetzen, was aber nicht gelingt. So w\u00e4chst der kleine Hermann als strammer Hitlerjunge auf, die Polen werden zur Zwangsarbeit verpflichtet, haben es aber gut in dem Dorf, denn in Jokehnen geht alles ganz bed\u00e4chtig weiter, nur SS-F\u00fchrer Neumann erscheint gegegentlich und gibt seine Anweisungen, beispielsweise die, da\u00df der Jude Samuel Mathern verschwinden mu\u00df, \u00fcber dessen ehemaliges Stoffgesch\u00e4ft, sp\u00e4ter die Stalin Fahne wehen wird, aber das ist erst 1945 und im J\u00e4nner dieses Jahres erlebt der wackerer B\u00fcrgermeister, der nicht genau wei\u00df, ob man sich jetzt an die Anweisungen das Dorf nicht zu verlassen, halten oder nicht vielleicht doch fl\u00fcchten soll, die Entt\u00e4uschung, da\u00df sich Hitler doch nicht so um die Jokehnen k\u00fcmmert, wie er immer dachte und, da\u00df das Hackenkreuz auf seinem Anzug nicht viel wert ist. Er wird dann auch mit seiner Frau zur Arbeit nach Ru\u00dfland verschleppt und kommt mir ihr nicht mehr zur\u00fcck, vorher vergewaltigen die Russen noch alle Frauen, ganz egal ob alt oder jung und Hermann und sein Freund Peter kommen etwas zusp\u00e4t in die Marmelade-, Zwieback- und Bonbonbaracke, so da\u00df sie mit einem Sack Himbeerbonbons nur mehr zusehen k\u00f6nnen, wie die in die Luft fliegen. Sie versuchen dann zu fl\u00fcchten und nach dem Abtransport der Eltern, kommt der Elfj\u00e4hrige allein in das verw\u00fcstete Haus seiner Eltern zur\u00fcck, bleibt da eine Weile und vegn\u00fcgt sich mit Peter, die anderen verlassenen H\u00e4uuser mit gefundenen Granaten in die Luft zu jagen, bevor die Russen und die Polen kommen und der Marschbefehl erteilt wird, da\u00df sich alle Deutschen auf den Weg nach Deutschland machen m\u00fcssen, weil Ostpreu\u00dfen nicht mehr zu Deutschland geh\u00f6rt.<br \/>\n&#8220;Wie lange f\u00e4hrt man von Ostpreu\u00dfen  nach Deutschland? Viele sind nicht angekommen.&#8221;, steht auf Seite dreihundertvierzig, auf den n\u00e4chsten drei Seiten sind die Namen der Dorfbewohner angef\u00fchrt und daneben steht, was aus ihnen geworden ist. Bei Hermann Steputat steht &#8220;elf Jahre alt. Wer nimmt ein \u00fcergebliebenes Kind? Er stand ganz allein da. Da l\u00f6ste sich die Schubgilasche aus ihrer Kinderschar, ging auf Hermann zu, ergriff seine Hand und sagte &#8220;Komm mit, Jungche, komm mit!&#8221;<br \/>\n&#8220;Jokehnen&#8221;, 1974 geschrieben und erfolgreich verfilmt, ist offenbar Arno Surminskis erstes Buch, war er doch bis 1972 in einer Hamburger Versicherungsanstalt t\u00e4tig, danach ist er mit einer Reihe von Erz\u00e4hlungen und Romanen, die von Ostpreu\u00dfen und dem Schicksal der Vertriebenen handeln, bekannt geworden und ich habe sehr lange an dem Buch, das aus Alfred Besitz stammt, gelesen, habe ich ja schon im Sommer, als ich mit der Harlander Leseliste fertig war, damit begonnen, da wir seither aber nicht sehr oft in Harland waren, habe ich es jetzt erst beendet.<br \/>\nIn Alfreds Reisef\u00fchrer habe ich dann im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/07\/im-storchendorf\/\">Piraten-Camp<\/a> von Arno Surminski gelesen. &#8220;Die Reise nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/11\/nikolaiken\/\">Nikoleiken<\/a>&#8220;, ein Buch das wir nicht haben, wird dort erw\u00e4hnt und in Gyziko habe ich in der Touristeninformation  eine Zeitschrift gefunden, in der man einige Fl\u00fcchtlingsgeschichten nachlesen kann, da nach ihrer Pensionierung einige wieder in die jetzt polnischen Orte zur\u00fcckommen und ihre Lebensgeschichten zum Teil bei Verlagen wie &#8220;Frieling&#8221; herausgeben, wenn sie nicht so ber\u00fchmt wie Arno Surminsiki sind. In den F\u00fchrern wird auch Ernst Wiechert als ostpreu\u00dfischer Dichter erw\u00e4hnt und von dem habe ich &#8220;Die kleine Passion&#8221; im B\u00fccherschrank gefunden und auf der Leseliste f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arno Surminskis &#8220;Jokehnen oder Wie lange f\u00e4hrt man von Ostpreu\u00dfen&#8221; ist eigentlich ein Sommerbuch, bin ich doch durch unsere Masurenreise darauf gekommen und ich habe den Namen Arno Surminski das erste Mal geh\u00f6rt, als mich Alfred am Campingplatz in Elblag &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10858\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10858\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}