{"id":10840,"date":"2011-12-24T03:40:09","date_gmt":"2011-12-24T02:40:09","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10840"},"modified":"2011-12-24T03:40:09","modified_gmt":"2011-12-24T02:40:09","slug":"wichig-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10840","title":{"rendered":"Wichtig nehmen"},"content":{"rendered":"<p>Das Schreiben ist f\u00fcr mich das Wichtigste, da gibt es keinen Zweifel, habe ich da ja auch einen Nachholbedarf und Anerkennungsnotstand. Dann gibt es einen <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">Brotberuf<\/a>, von dem ich lebe, der ein bi\u00dfchen Anerkennung gibt und seine klaren Strukturen hat. Wenn ich Stunden eingetragen habe, ist das das Wichtigste, kommt der Klient dann nicht, setze ich mich vor dem Laptop und schreibe und im Sommer zwischen meinen Stunden auch im Garten. Jetzt hat der Alfred irgendwelche Solaraktien gekauft, wo er &#8220;Gea&#8221;-Gutscheine bekommt, die er mir mit der Auflage gab, da\u00df ich mir daf\u00fcr Eisb\u00e4r-Schuhe, warm gef\u00fcttert, kaufen soll, damit wir damit, am Wochenende sollte es ja kalt werden, auf die Rudolfsh\u00f6he gehen k\u00f6nnen.<br \/>\nAm Dienstag gab er mir sie, am Mittwoch war das unm\u00f6glich, weil am Vormittag und Nachmittag Psychotherapie und Diagnostik, am Abend habe ich mich zwischen das neue B\u00fccherregal und dem Tisch mit den Kerzen und dem Adventkranz gesetzt und bin langsam in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/22\/romanbarbeit\/\">Schreibflu\u00df<\/a> gekommen und am Donnerstag gab es nur eine Abendstunde. Daf\u00fcr ist die Milch ausgegangen, so da\u00df ich wieder zum &#8220;Lidl&#8221; mu\u00dfte,  dann h\u00e4tte ich nat\u00fcrlich in die Himmelpfortgasse laufen k\u00f6nnen, aber dann w\u00e4re ich nicht oder nur sehr bedingt zum Schreiben gekommen und der Schreibflu\u00df dahin und da hatte ich ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, beziehungsweise wurde ich durch die entsprechende <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/12\/neubeginn\/\">Einstiegslekt\u00fcre<\/a> und das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/17\/work-in-progess\/\">Eigen-B\u00fccher-lesen<\/a> ohnehin schon daran gehindert.<br \/>\n&#8220;Ich gehe nicht zum &#8220;Gea&#8221;, sondern schreibe, weiter!&#8221;, habe ich gedacht und das auch mit Erfolg getan. Sind am Donnerstag vor dem B\u00fccherregal und den Kerzen, ich war vor dem &#8220;Lidl&#8221; auch beim &#8220;Kika&#8221; und habe mir noch einmal einen Satz Kerzen f\u00fcr den Adventkranz gekauft, weil die schon abgebrannt und ich niemals vier Kerzen auf einmal brennen hatte, gekauft, doch zwei Szenen entstanden und zwei weitere schon aufnotiert. Das schlechte Gewissen kam aber wieder, denn eigentlich h\u00e4tte ich ja Zeit f\u00fcr die Schuhe gehabt, denn mein Schreiben ist ja eigentlich keine Arbeit, wird sie ja nicht anerkannt, ich bekomme kein Geld daf\u00fcr, finde keinen Verlag, etc und wir leben ja in einer Gesellschaft, wo nur das wichtig ist und wenn in der Sendung &#8220;Von Tag zu Tag&#8221; einmal ein Autor \u00fcber seine B\u00fccher spricht, der nicht Menasse oder Winkler hei\u00dft, ruft sicher jemand an und fragt &#8220;K\u00f6nnen Sie davon leben?&#8221;<br \/>\n&#8220;Bl\u00f6dsinn!&#8221;, habe ich nat\u00fcrlich zur\u00fcckgedacht.<br \/>\n&#8220;Mein Schreiben ist auch wichtig und nur so kann ein guter Roman entstehen, wenn ich mich auch so verhalte und nicht nur nebenbei, schnell schnell ein paar S\u00e4tze hineinquetsche und die Schuhe kann ich auch sp\u00e4ter kaufen, es ist ohnehin nicht kalt und ich habe auch noch andere.<br \/>\nAm Freitag hatte ich um zwei Uhr eine Diagnostik, am Vormittag vor mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/23\/die-familie-pfaffling\/\">zweites Weihnachtsbuch<\/a> zu besprechen, seltsamerweise scheine ich das ein wenig wichtiger zu nehmen, vielleicht, weil das schneller geht, als die schwer zu kalkulierende Romanarbeit, dann den Befund schreiben und einzupacken, also auch keine Zeit f\u00fcr Schuhe und n\u00e4chste Woche in den Praxistagen wahrscheinlich auch nicht, weil wieder Diagnostik und Termine und abrechnen mu\u00df ich auch, vielleicht im J\u00e4nner, wenn ich ohnehin zur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/07\/ohrenschmaus-jurysitzung\/\">&#8220;Ohrenschmaus&#8221;<\/a>-Besprechung mu\u00df&#8221;, dachte ich mit ein wenig Unbehagen, als der Alfred in das Badezimmer kam und fragte, ob ich die Gutscheine schon eingel\u00f6st habe und sich nicht auf den Ausverkauf vertr\u00f6sten lassen wollte, wo sie vielleicht auch billiger sind.<br \/>\nUm halb vier ist das Kind gegangen, ich habe den Alfred angerufen und gefragt, ob ich zum &#8220;Gea&#8221; laufen oder gleich den Befund schreiben soll und bin losgegangen. Jetzt habe ich sch\u00f6ne warme hellbraune Eisb\u00e4r-Schuhe, in denen ich am Montag wahrscheinlich schwitzen werde, wenn nicht doch noch das vorausgesagte Winterwetter kommt und das Punschstandl vor dem Falco-Platz f\u00fcr den es ja Gratisgutscheine gab, habe ich jetzt auch gefunden und dort gibt es leckeren Mandarinen-Ingwer oder Bratapfelpunsch und vor dem Eislaufverein stand ein junges M\u00e4dchen mit einem Korb und teilte Backformen aus.<br \/>\nAlles bestens also, denn es geht sich meistens ohnehin alles aus, weil ich sehr diszipliniert bin und auch gut planen kann.<br \/>\nSo da\u00df dem Weihnachtswochenende nichts im Wege steht und der Roman weiter wachsen und sich entwickeln kann, schlie\u00dflich habe ich fast vierzig Jahre Erfahrung mit meiner doppelten Identit\u00e4t. Der Brotberuf ist wichtig und interessant und die Literatur leider immer noch das Stiefkind, wie ich schon vor zwanzig Jahren in dem Buchkultur Interview sagte, aber f\u00fcr mich sehr wichtig und daher kann es sein, da\u00df ich manchmal keine Zeit f\u00fcr Schuhk\u00e4ufe habe, weil ich schreiben will, wie ich sie auch nicht habe, wenn ich teste, zuh\u00f6re oder einen Befund  verfasse und w\u00e4hrend ich das fl\u00fcstere, ist von Rudolf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/09\/tanz-in-den-mai\/\">Lasselsberger<\/a> eine Weihnachtskarte mit singenden Elchen und rollenden Augen gekommen und von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/06\/krilit-und-geburtstagslesung\/\">Stephan Eibel<\/a> ein Weihnachtsgedicht<\/p>\n<p>&#8220;wenn f\u00fcr jedes Lebewesen auf Erden<br \/>\nnachts der Mond in Form einer Colaflasche erscheint<br \/>\ndann wird mit beinah hundertprozentiger Sicherheit<br \/>\nim Sommer Pesi Cola als neue Sonne hinunterbrennen<\/p>\n<p>wenn alle wenns\u00e4tze wahr geworden sind<br \/>\ndie neueerfundenen speisen l\u00e4ngst verdaut<br \/>\ndann stehe ich vor dem weihnachtsbaum und sage:<br \/>\nuff&#8221;<\/p>\n<p>schreibt er.<br \/>\nDem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen als <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/25\/weihnachten\/\">&#8220;Sch\u00f6ne Weihnachten!&#8221;<\/a><br \/>\nW\u00fcnsche f\u00fcr das Ernster- und Wichtigernehmen des eigenen Schreiben, habe ich f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr aber auch an mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schreiben ist f\u00fcr mich das Wichtigste, da gibt es keinen Zweifel, habe ich da ja auch einen Nachholbedarf und Anerkennungsnotstand. 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