{"id":10830,"date":"2011-12-23T11:23:56","date_gmt":"2011-12-23T10:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10830"},"modified":"2011-12-23T11:23:56","modified_gmt":"2011-12-23T10:23:56","slug":"die-familie-pfaffling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10830","title":{"rendered":"Die Familie Pf\u00e4ffling"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das zweite Weihnachtsbuch und es passt haargenau, denn am 23. 12. 2010 habe ich Andreas Pittlers <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/23\/chuzpe\/\">&#8220;Chuzpe&#8221;<\/a> hier besprochen und bin da ein paar Tage mit Mayor Bronstein in den ersten Weltkrieg zur\u00fcckgegangen und die 1852 geborene und 1929 verstorbene, erfolgreiche Kinderbuchautorin Agnes Sapper hat &#8220;Die Familie Pf\u00e4ffling&#8221;, sogar schon 1906 herausgebracht und das Buch, das ich passend, w\u00e4hrend des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/13\/alles-gute-zum-advent\/\">literarischen Umgangs<\/a> durch den siebenten Bezirk in meinem Lieblingsb\u00fccherschrank gefunden habe, hat auch im ersten Teil den Untertitel &#8220;Eine deutsche Wintergeschichte&#8221; und dann hat noch eine Gro\u00dfmutter mit blauer Tinte in Kurrent &#8220;Kriegsweihnacht 1944&#8221; hinein geschrieben, also wieder ein bi\u00dfchen Geschichtsunterricht vor dem gro\u00dfen Fest, obwohl ich zuerst den Eindruck hatte, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein, beginnt doch die Wintergeschichte im Herbst, als die Schule anf\u00e4ngt und da wohnt in einem deutschen St\u00e4dtchen auf Untermiete der Musiklehrer Pf\u00e4ffling mit seinen sieben Kindern, der Gattin C\u00e4cilie und der tauben Dienstmagd, in dem Vorband &#8220;Das kleine Dummerle&#8221; wurde wohl seine Wohnungssuche beschrieben, denn mit sieben Kindern war es wahrscheinlich auch 1906 schwer eine Wohnung zu finden. Nun ist sie gefunden, die Hausleute wohnen unten, die treffliche Familie ist oben untergebracht und so marschieren die drei gro\u00dfen Br\u00fcder ins Gymnasium, die Zwillingsm\u00e4dchen Marianne gehen brav in die T\u00f6chterschule, das kleine Dummerle Frieder spielt Harmonika und das Elschen ist noch zu Haus, dort ist Friede, Eintracht, Eierkuchen aber wenig Geld und so macht es ein Problem, wenn die Buben nach Hause kommen und Lineale, neue Schulb\u00fccher oder sonst was haben wollen, aber dennoch werden sie studieren, nur Frieder will Musiker werden und geigt, spielt, tr\u00e4umt so dahin, da ist der Vater streng und erlaubt das nur f\u00fcr zwei Stunden und auch andere Probleme werden gel\u00f6st. So wird der Familie einmal gek\u00fcndigt, weil die Buben den &#8220;Leonidenschwarm&#8221; betrachten wollen, der wackere Hausherr h\u00e4lt das f\u00fcr eine Burschenschaft, es sind aber nur Sternschnuppen, so reden sich Frau Pf\u00e4ffling und die Hausfrau aus und alles kommt in Ordnung. Herr Pf\u00e4ffling soll auch Musikdirektor werden, alle freuen sich und singen schon im Chor &#8220;Drum rufen wir mit frohen Sinn, es lebe die Direktorin!&#8221;, dann kommt aber die Nachricht, die Schule ist noch nicht gebaut. So ging es zu im vorigen Jahrhundert, obwohl Herr Pf\u00e4ffling ein hervorragender P\u00e4dagoge ist und das Herz auf dem rechten Fleck tr\u00e4gt und sich auch alles wieder einrichtet, so gibt er russischen Emigranten, ja die Revolution kam ja bald, Unterricht, die zahlen aber nicht, weil die jungen Herren das Geld verspielten und Herr Pf\u00e4ffling bringt es nicht zusammen, dem General einen Brief zu schreiben, um diesen nicht wegen der  Schlechtigkeit seiner S\u00f6hne zu betr\u00fcben. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen und ist wohl das was JuSophie eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/26\/vorschau-auf-zwillingswelten\/\">idealistisch naive Erz\u00e4hlung<\/a> nennen w\u00fcrde und am Schlu\u00df wird Herr Pf\u00e4ffling Direktor. Seine Frau C\u00e4cilie hat auch ihre Mutter zu ihrem achtzigsten Geburtstag besucht, ist von dort aber schon eine Woche fr\u00fcher zur\u00fcckgekommen, weil sie es ohne ihre Familie nicht mehr l\u00e4nger aushielt. Ja und die deutsche Weihnacht kommt auch nat\u00fcrlich vor, da bekommen die Kinder zuerst ihr Zeugnis und rechnen dem strengen Vater eine Durchschnittsnote vor, weil Wilhelm eine vier in Mathematik bekommen hat und der kleine Tr\u00e4umer Frieder soll einer Dame einen Christbaum in ihre Wohnung tragen und ger\u00e4t dabei in Schwierigkeiten, daf\u00fcr bekommt er aber eine Geige und ist so verliebt in sie, da\u00df er gar nicht zu spielen aufh\u00f6ren kann und eine Andeutung, da\u00df nur die Deutschen so recht und richtig Weihnachten feiern k\u00f6nnen, gibt es ganz dezent auch. Der zweite Band ist dann keine Weihnachtsgeschichte mehr, sondern  beschreibt &#8220;die Erlebnisse der gro\u00dfen Pf\u00e4fflingkinder&#8221;, im Dachgescho\u00df der Musikschule, wo es neben der tauben Walburg noch deren Nichte Resi als kleines Dienstm\u00e4dchen gibt, der Zwilling Anne, der an Ohrenschmerzen litt und schwach im Lernen war, ist inzwischen verstorben, daf\u00fcr kommt der \u00e4lteste Karl heim, der schon als Aushilfslehrer arbeitet und hat sich in die Kunstgewerblerin Hanna verliebt und Frieder will  von der Schule abgehen, um endlich Musiker zu werden, der strenge Vater erlaubt es aber nicht. Karl bringt auch einen Freund nach Haus, der nach Afrika gehen und dort Farmer werden will, ja Kolonialismus gab es damals auch, dazu braucht er eine t\u00fcchtige Farmerfrau und hat die &#8220;in dem anmutigen kleinen Ding&#8221; Marie gefunden. Das schreibt er sp\u00e4ter seiner Tante und die liest das Frau Pf\u00e4ffling vor. Marie findet das zuerst lieb, schl\u00e4gt das Angebot sp\u00e4ter aber doch wegen Hochmuts des Br\u00e4utigams aus, dem erst in Afrika einiges schiefgehen mu\u00df, bevor er reum\u00fctig zur\u00fcckkehren und selbst um die Hand Maries anhalten kann und Karls Ehe geht auch vorerst schief, wohnt er mit Hanna doch nebenan und die K\u00fcnstlerin ist so ungeschickt im Haushalt, da\u00df st\u00e4ndig die Mutter und die Schwester herbeigerufen werden und Karl mehr bei seinen Eltern, als bei seiner Gattin ist. Das renkt sich aber ein und Karl nimmt eine Stelle in einer anderen Stadt an, so da\u00df der Vater und die S\u00f6hne vergn\u00fcgt in den Wald gehen, w\u00e4hrend die Mutter mit Marie an deren Aussteuer n\u00e4ht. Herr Pf\u00e4ffling ist aber schon \u00fcber f\u00fcnfzig, so bekommt ihm das Bergsteigen nicht, bekommt einen Schlaganfall und C\u00e4cilie mu\u00df lernen, alleine weiterzuleben. Ist nicht ganz so schlimm, denn der B\u00fcrgermeister bietet ihr an, da\u00df sie noch f\u00fcnf Jahre in der Dienstwohnung bleiben kann, &#8220;bis dahin sind die Kinder aus dem Haus&#8221; und so ist es dann auch. Otto, der Jurist, ist ein bi\u00dfchen weniger sympathischer als die anderen, n\u00e4mlich ein Karrierist und so kommt er auf die Idee, das adelige Fr\u00e4ulein Ludowika zu heiraten, das sich L\u00f6ckchen nennen l\u00e4\u00dft und auch sonst ein wenig zur\u00fcckgeblieben ist. Auch das l\u00f6st sich auf, denn die gute Ludowika gibt ihm selbst den Ring zur\u00fcck, als sie andere junge M\u00e4nner bei einer Reise in die Schweiz sagen h\u00f6rt, da\u00df das nicht der richtige Gatte f\u00fcr sie ist und man kann sich ausdenken, was aus dem guten Otto zwanzig Jahre sp\u00e4ter geworden ist. Vorl\u00e4ufig scheint aber erst der erste Weltkrieg zu herrschen und der wird auch nur vorsichtig angedeutet, die Soldaten ziehen fr\u00f6hlich herum und das kleine Reserl, das nicht immer so traurig sein will, flirtet fr\u00f6hlich mit ihnen, fragt dann aber doch ganz anst\u00e4ndig nach, ob sie sie ohnehin heiraten wollen? So renkt sich alles ein und am Schlu\u00df bekommt Frieder, der ein schlechter Lehrer und auch nicht der Typ f\u00fcrs \u00f6ffentliche Auftreten ist und man vom Komponieren allein nicht leben kann, heraus, da\u00df das Geigenbauen das richtige f\u00fcr ihn ist und kann auch gleich ein solches Gesch\u00e4ft \u00fcbernehmen und eine praktische energische Braut, die ihm dann die Buchhaltung macht und Missionarskinder in einer Kinderkrippe aufziehen will, hat er auch.<br \/>\nSo weit die Idylle zu Beginn des vorigen Jahrhunderts oder das, was in diesem, den Kindern zur Erbauung vorgelegt wurde, heute k\u00f6nnte einem das Gruseln kommen, ob der naiven Reinheit der deutschen \u00dcbermenschen, wissen wir ja, was aus denen, die es so gut meinten und sich st\u00e4ndig entschuldigten, wenn mal ein Schneeball ausgekommen ist, geworden ist und ich frage mich auch ein bi\u00dfchen, wie das junge M\u00e4dchen, es war wohl eines, das Buch in der Kriegsweihnacht aufgenommen hat, wo man wohl schon merkte, da\u00df das alles nicht mehr so sch\u00f6n friedlich ist? Ein weiteres Gruseln kommt bei der Vorstellung, da\u00df die alte Dame inzwischen wohl verstorben ist, so da\u00df sich ihr damaliges Weihnachtsgeschenk im B\u00fccherkasten findet und ich mu\u00df, wenn ich nach Harland komme, in Anita Schaubs Frauenbuch nachschauen, ob Agnes Sapper jetzt die Gro\u00df- oder die Urgro\u00dfmutter der B. ist, denn sie ist ja, glaube ich, nicht nach \u00d6sterreich gekommen, die B. aber und ihr Onkel Theodor Sapper in Graz aufgewachsen. In W\u00fcrzburg, wo Agnes Sapper gestorben ist, entnehme ich Wikipedia, gibt es es ein Wohnheim f\u00fcr psychisch Kranke, das nach ihr benannt ist und aus einem Altenheim hervorgegangen ist, da\u00df sie aus den Honoraren der &#8220;Familie Pf\u00e4ffling&#8221; gestiftet hat und Agnes Sappers Kinderb\u00fccher habe ich weiter entnommen, werden zum Teil noch immer oder wieder aufgelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das zweite Weihnachtsbuch und es passt haargenau, denn am 23. 12. 2010 habe ich Andreas Pittlers &#8220;Chuzpe&#8221; hier besprochen und bin da ein paar Tage mit Mayor Bronstein in den ersten Weltkrieg zur\u00fcckgegangen und die 1852 geborene und &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10830\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10830","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10830"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10830\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}