{"id":10751,"date":"2011-12-19T10:45:20","date_gmt":"2011-12-19T09:45:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10751"},"modified":"2011-12-19T10:45:20","modified_gmt":"2011-12-19T09:45:20","slug":"fallen-losen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10751","title":{"rendered":"Fallen aufl\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p>Ich halte noch immer bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/17\/work-in-progess\/\">siebzehn Seiten<\/a>, habe die Seite siebzehn aber bis zweieinhalb Zeilen hinuntergestrichen, als ich am Samstag, bei Kerzenschein vor dem neuen B\u00fccherregal, den Wassili Scharkawili  zu einem Albert Taher, koptischen Christen, aus Kairo machte, denn \u00fcber die arabische Revolution etwas zu schreiben, ist sicher aktueller, als \u00fcber einen Asylwerber aus Georgien. Vorher war ich beim Lidl einkaufen, bin da nat\u00fcrlich bei &#8220;Wortschatz&#8221; vorbei, \u00fcber den <a href=\"http:\/\/zwillingsleiden.blogspot.com\/2011\/12\/wien-literatur-wortschatz-margareten-3.html\">Zwillingsleiden<\/a> schon wieder berichtet hat. Die herausgefallene T\u00fcr ist ihr entgangen, aber die wurde jetzt mit einer extra Sicherung befestigt und den Christbaumverkauf daneben gibt es auch. Man kann die T\u00fcr jetzt nicht mehr ganz aufmachen, schreibt Evi, soweit geht es aber, da\u00df ich einen Fund machte, der mir bei meiner Recherchearbeit vielleicht ein wenig helfen kann. Gab es da ja ein Buch aus der Reihe Prague Noir &#8220;The Weeping Woman on the Streets of Prague&#8221; und die Marianne reist ja dorthin, weil Jan da in der Karls-Universit\u00e4t ein Ehrendoktorat verliehen bekommt und ich habe in meinen letzten Bericht beklagt, da\u00df das vielleicht etwas schwierig wird, denn ich war, glaube ich, das letzte Mal 1988 in Prag.<br \/>\nBeim Lidl gab es dann auch gleich etwas zu beobachten, n\u00e4mlich eine eine \u00e4ltere Frau mit Kopftuch mit vollen Einkaufswagen und etwa zehn Euro zuwenig im B\u00f6rsel. Die Kassiererin schimpfte, der Securityguard stellte sich schweigend daneben, die Frau verstand nicht und die Verk\u00e4uferin schrie unentwegt, &#8220;Noch, noch, das gibts doch nicht!&#8221;, bis sie dann selber in den Einkaufswagen griff und ein paar Reispackerln hinausbef\u00f6rderte. Jetzt k\u00f6nnte der Albert Taher bei einer Tante oder Frau wohnen, die keine koptysche Christin ist, nicht lesen und nicht Deutsch kann und mit einem vollen Supermarkt naturgem\u00e4\u00df \u00fcberfordert.<br \/>\n&#8220;Dann soll gehen heim, wenn nicht kann Deutsch!&#8221;, sagte noch die Kassiererin mit wahrscheinlich ungarischen Akzent. Ich bin das mit meinen Karotten, Parika, Milch und Joghurtbechern auch und dann am Nachmittag an meinem Schreibplatz im Wohnzimmer gesessen. Da habe ich mir zuerst die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/26\/vorschau-auf-zwillingswelten\/\">&#8220;Mimi&#8221;<\/a> durchgelesen, die JuSophie ja so gar nicht gefallen hat und habe ihre Kritikpunkte eigentlich nicht nachvollziehen k\u00f6nnen, so trivial finde ich es nicht und die Personenf\u00fchrung ist auch dichter, als vielleicht bei &#8220;Zwillingswelten&#8221;.<br \/>\nSelber kann man das vielleicht nicht so beurteilen nat\u00fcrlich, das wei\u00df ich schon, da\u00df meine Deutschlehrerin in der Stra\u00dfergasse, die Frau Prof. Friedl, der ich noch immer sehr danke, von den Schularbeiten am begeistertsten war, wo mir der Schlu\u00dfsatz fehlte und ich dachte &#8220;Ein nicht gen\u00fcgend wird es schon nicht werden!&#8221;, w\u00e4hrend es bei denen, die ich sehr gut fand, vielleicht ein befriedigend wurde. Und so ging es mir auch mit meinen Texten, da gibt es einige, wie zum Beispiel &#8220;Den Wiederstand beim Zwiebelschneiden&#8221;, wo ich mir &#8220;Null acht f\u00fcnfzehn!&#8221;, dachte und dann wurde es weitergereicht und weitergereicht und alle waren begeistert, w\u00e4hrend zu anderen Texten die Reaktionen fehlen. Wie ich ja \u00fcberhaupt ein bi\u00dfchen den Eindruck habe, da\u00df die meisten meiner Texte vielleicht nicht so bemerkt werden. Ich kann  es nicht ver\u00e4ndern oder nur bedingt, in dem ich im Literaturgefl\u00fcster \u00fcber den Schreibproze\u00df schreibe und das ist zwar riskant, weil man damit Leser anziehen kann, die &#8220;Kaum zu glauben, was f\u00fcr Unsinn Sie schreiben, Sie wissen gar nicht, wieviel Schaden Sie damit anrichten!&#8221;, kommentieren. Aber das war nur einmal so und hilft ansonsten Klarheit zu finden, denn im Augenblick bin ich noch etwas verwirrt und nat\u00fcrlich, wieder viel zu schnell in die neue Idee hineingesprungen. Die war ja, drei Frauen zu verschiedenen Zeitpunkten in einer Wohnung, interessant und wusch an der Wand, denn wenn ich da von einer Gro\u00dfmutter schreibe, die zuerst eine j\u00fcdische Freundin versteckt, dann die, die im Ungarnaufstand aus Budapest fl\u00fcchtete und die Tochter lernte mit Achtzehn auf der Uni den Dissidenten Jan kennen und die Therese den Vladi, Wassili oder Albert Taher aus Kairo, dann kann das vielleicht interessant sein und auch schon hundertmal beschrieben, aber nun m\u00fc\u00dfte ich, wenn ich es trotzdem noch einmal versuchen will, zum Ausdenken und zum Recherchieren anfangen. Dann schreibe ich los mit der ersten Szene, die Theresa st\u00f6\u00dft, von der Uni kommend auf eine Demo, trifft dort den bewu\u00dften Fl\u00fcchtling, der inzwischen dreimal seinen Namen ge\u00e4ndert hat und dann habe ich beim Schreiben das &#8220;Show not tell!&#8221; vergessen und erw\u00e4hne die Oma mit ihren Freundinnen, die Mutter mit den Jan mehrmals, nehm mir so die Spannung weg und auf Seite siebzehn sitzt die Theresa nach dem Babysitten mit dem gefundenen Tagebuch da und ich tue dasselbe mit den Gedanken &#8220;Ich kann es nicht, ich kann es nicht!&#8221;<br \/>\nDa\u00df ich da korrigieren sollte, wei\u00df ich schon und habe das am Samstag auch getan. Aber vorher wollte ich noch eine Pause machen und mir die Werwolf-Weihnachtsgeschichte, die es bei literaturcafe.de zum downloaden gibt, anh\u00f6ren. Die, die sich jetzt wundern, ja, das lese oder h\u00f6re ich sonst eher nicht, aber die Geschichte ist sehr interessant, weil eigentlich ganz einfach gestrickt und dann jongliert sie, wie selbstverst\u00e4ndlich mit unrealistischen Tatsachen, n\u00e4mlich, da\u00df sich ein Mensch in einem Werwolf verwandelt und das noch mit Hilfe von autogenen Training tut.<br \/>\nDazwischen kamen der Alfred und die Anna vom Almweg zur\u00fcck, wo sie \u00c4ste, die sie abschneiden mu\u00dften, wegr\u00e4umten und ich habe zu der Werwolf-Geschichte korrigiert, soll man nicht, denn da ist die Aufmerksamkeit dann nicht zur G\u00e4nze da, aber das Schuldgef\u00fchl &#8220;Ich kann es nicht, ich kann es nicht!&#8221;, so da\u00df ich am Ende eine halbe Seite weniger Text, aber noch keine richtigen Idee f\u00fcrs Weiterschreiben hatte und als ich dann mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/18\/die-archaologin\/\">Thomas Wollingers &#8220;Arch\u00e4ologin&#8221;<\/a> in die Badewanne stieg, fand ich auch noch so ziemlich mein ganzes Szenario, den 1956 \u00fcber die Grenze gekommenen Slowaken, die NS-Zeit, die ja ein Dauerbrenner f\u00fcr viele Romane ist und der Gedanke &#8220;Das brauche ich nicht auch noch nochmals schreiben!&#8221;, war wieder da. Zwar auch eine L\u00f6sung, wie ich die Rosa-Szenen integrieren k\u00f6nnte, indem ich einfach Jahreszahlen vor die Szenen schreibe. Ich wei\u00df aber noch nicht so genau, ob ich das will, denn mir fehlt der Stoff. Obwohl ich ja eigentlich eine F\u00fclle von Ideen habe, aber alles nicht neu und zu wenig konkret. Am Sonntag dachte ich dann, als ich von  Vaclav Havels Tod h\u00f6rte, da\u00df  das Marianne und Jan erfahren k\u00f6nnten, w\u00e4hrend sie an der Moldau spazieren gehen. Die T\u00fcrkin aus dem Lidl wird zu Alberts Tante und wenn ich das Ganze noch einmal ohne Hintergrundtext durchgehe und die Fallen herausnehmen, die mich am Einsteigen in die Handlung hindern, komme ich vielleicht weiter, Szene f\u00fcr Szene. Am besten lasse ich mich in den Schreibprozess ein und versuche all die Gedanken &#8220;Das ist wieder nicht gut genug! Das wird sicher wieder nichts!&#8221;, m\u00f6glichst weg, sondern denke &#8220;Du kannst schreiben, denn das hast du das ja schon sehr viel getan und einen Roman schreibt man nicht einer Woche, nimm dir da ein Beispiel an Thomas Wollinger!&#8221;, der, was mich sehr freut, inzwischen seinen zweiten Roman beendet hat und in seinen Blog von den Pl\u00e4nen zu seinem <a href=\"http:\/\/www.wollinger.info\/?p=12226\">n\u00e4chsten<\/a> schreibt und das finde ich sehr sch\u00f6n, da\u00df er da offen von den Fallstricken und Hindernissen berichtet, weil man da viel lernen kann und sieht, da\u00df es nicht nur mir so geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich halte noch immer bei siebzehn Seiten, habe die Seite siebzehn aber bis zweieinhalb Zeilen hinuntergestrichen, als ich am Samstag, bei Kerzenschein vor dem neuen B\u00fccherregal, den Wassili Scharkawili zu einem Albert Taher, koptischen Christen, aus Kairo machte, denn \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10751\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10751\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}