{"id":10704,"date":"2011-12-16T13:59:20","date_gmt":"2011-12-16T12:59:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10704"},"modified":"2011-12-16T13:59:20","modified_gmt":"2011-12-16T12:59:20","slug":"zusammen-ist-man-weniger-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10704","title":{"rendered":"Zusammen ist man weniger allein"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Philibert ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, ger\u00e4t er in Stottern. Camille, magers\u00fcchtig und k\u00fcnstlerisch begabt, arbeitet in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Motorr\u00e4der und seine Gro\u00dfmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. Vier grundverschiedene Menschen in einer verr\u00fcckten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen&#8221;, steht auf der R\u00fcckseite von Anna Gavaldas 2005 erschienenen Roman &#8220;Zusammen ist man weniger allein&#8221;, die Pariser Wohngemeinschaft wird aber in dem f\u00fcnfundhundertf\u00fcnfzig Seiten dicken Buch erst allm\u00e4hlich aufgebaut und besteht eigentlich erst im vierten Teil.<br \/>\nZuerst lernen wir die Gro\u00dfmutter Paulette kennen, die ihre St\u00fcrze und die darauffolgenden blauen Flecke vor ihrem Enkel zu verbergen sucht und dann nicht mit ihrer Freundin Yvonne, den verabredeten Supermarktbesuch machen kann und Camillie wird von ihrer Putzfirma offenbar zu einer Gesundenuntersuchung geschickt und mu\u00df den untersuchenden Arzt becircen, damit er sie trotz Untergewicht arbeitsf\u00e4hig schreibt, Camille putzt, wie beschrieben in einem Unternehmen, wo sie die einzige Wei\u00dfe ist, hat mit ihrer Brigadeleiterin Schwierigkeiten und mit den Herrn in den oberen Etagen, die ihre B\u00fcros versaut hinterlassen, so da\u00df sie ihnen ein Brieflein mit einer Zeichnung &#8220;Sehr geehrter Herr, Sie sind Schwein!&#8221;, hinterlegt, denn Camillie ist eigentlich eine K\u00fcnstlerin und zeichnet unentwegt. Sie hat auch eine schwierige Mutter, die sie offensichtlich in die Magersucht trieb und dann war auch etwas, da\u00df sie veranla\u00dft hat, eine Karriere abzubrechen, zu putzen und in einem kalten, ehemaligen Dienstm\u00e4dchenzimmer auf einer Matratze zu schlafen. Das befindet sich im Hinterhof eines herrschaftlichen Hauses, wo in einer dreihundertquadratmeter Wohnung der stotternde Philibert, aus einer veramten Aristrokratenfamilie mit unz\u00e4hligen Bildern und Wertgegenst\u00e4nden haust, der die Geschichte in und auswendidg kennt, mit Napoleon sozusagen auf du und du ist, aber vor einem Museum Postkarten verkauft und au\u00dferdem eines der Zimmer an Paulettes Enkel vermietete, der dort in seiner Mittagspause schlafen will.<br \/>\nEs ist einiges ein bi\u00dfchen unlogisch und widerspr\u00fcchlich in dem Buch, die Handlung wird aber spannend aufgebaut. Es gibt eine Menge Dialoge und packende Szenen, die beispielsweise Camilles Magersucht erkl\u00e4ren. Die lernt in dem Haus Philibert kennen und l\u00e4\u00dft sich eine Glatze scheren, weil sie zu schwach ist, die sch\u00e4bige Dusche ihres sch\u00e4bigen Quartiers zu ben\u00fctzenn, in diesem Zustand findet sie Philibert und schleppt sie hinunter in eines der Zimmer seiner gro\u00dfen Wohnung und Franck kocht ein besonderes S\u00fcppchen f\u00fcr sie.<br \/>\nMit unlogisch meine ich beispielsweise, da\u00df Franck, der sich Camille vorsichtig ann\u00e4hert, ihr ihre Intellektualit\u00e4t vorwirft,  si ist aber eine K\u00fcnstlerin, gibt es hier zwischen dem Franz\u00f6sischen und dem Deutschen einen Verst\u00e4ndnisunterschied,  dann fragt aber immer sie ihn nach Dingen, die sie nicht versteht, z.B. was ist ein &#8220;mise en place?&#8221;. Das k\u00f6nnte vielleicht ein \u00f6sterreichisches Unterschichtkind einen Intellektuellen fragen, weil das ja ein franz\u00f6sischer Ausdruck ist.<br \/>\nFranck sorgt sich jedenfalls um Camille und nimmt sie auch zu Sylvester in sein Restaurant zum Aushelfen mit. Dort spritzt sie dann so sch\u00f6ne G\u00e4nse auf die Teller, da\u00df Chef und G\u00e4ste voll begeistert sind. Mit Paulette, die Frack regelm\u00e4\u00dfig auf seinem schnellen Motorrad besucht, sie wohnt nicht in Paris, geht es inzwischen bergab, sie l\u00e4\u00dft Dinge anbrennen und mu\u00df in ein Altersheim, ist todungl\u00fccklich dort, aber ein besseres kann Franck sich nicht leisten. Philibert verbringt die Weihnachtsferien bei seinen adeligen Eltern und tritt dann in eine Schauspielgruppe ein, die sein Stottern schlagartig zum Verschwinden bringt und Camillie, die ihren schweinischen Herrn umerzogen hat, quartiert einen Drogens\u00fcchtigen in ihr ehemaliges Untermietkammerl ein, streitet sich mit Franck, bekommt von seiner Oma Schals mit L\u00f6chern geschenkt und f\u00e4hrt einmal mit, als er sie besuchen will. Das bringt sie auf die rettende Idee, Franck und Philibert vorzuschlagen, Paulette in die Wohngemeinschaft aufzunehmen. Sie wird ihre Pflegerin, setzt sie in einen Rollstuhl und f\u00e4hrt sie damit sowohl zum Friseur als auch durch die Museen. Philibert brilliert in einer Theaterauff\u00fchrung und heiratet gleich die junge Dame, die ihn dorthin brachte, was bedeutet, das die Wohngemeinschaft nur noch aus drei Personen besteht bzw. auch nicht mehr, denn den Sommer verbringt Camille mit Paulette in deren Haus und pflegt den Garten. Es geht noch weiter den Berg hinab, Paulette stirbt und vererbt Camille den Garten, so da\u00df die nun Franck bearbeitet mu\u00df, nicht nach London, sondern aufs Land zu gehen und dort ein Feinschmeckerlokal aufzumachen.<br \/>\n&#8220;Dieser Roman ist wie &#8220;Die fabelhafte Welt der Amelie&#8221; nur noch sch\u00f6ner&#8221;, schw\u00e4rmt Frederic Beigbeder und die Zeitschrift Brigitte meint &#8220;Anna Gavalda erz\u00e4hlt so klug, burschikos und witzig, da\u00df die f\u00fcnfundertf\u00fcnfzig Seiten viel zu schnell ausgelesen sind und man noch lange nicht von diesem Buch lassen m\u00f6chte&#8221;.<br \/>\nDas habe ich nur teilweise so empfunden, denn wie beschrieben teilweise war es dicht durchkompniert, witzig und sozialkritisch, dann habe ich es wieder unlogisch und widerspr\u00fcchig empfunden und w\u00fcrde meinen, da\u00df es gek\u00fcrzt oder \u00fcberarbeitet geh\u00f6rt, so die Szenen etwa, in denen sich Camille mit der Altenpflege \u00fcberfordert f\u00fchlt und nicht, wei\u00df ob es jetzt gut ist, ob sie Paulette in einen Rollstuhl setzt oder nicht?<br \/>\nInteressant war es aber etwas vom Pariser Leben zu erfahren und extreme Typen und psychosoziale Extremzust\u00e4nde faszinieren mich sowieso.<br \/>\nAnna Gavalda wurde 1970 geboren, auf dem Land aufgewachsen, hat in Paris Literatur studiert und als Franz\u00f6sischlehrerin gearbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Philibert ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, ger\u00e4t er in Stottern. Camille, magers\u00fcchtig und k\u00fcnstlerisch begabt, arbeitet in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Motorr\u00e4der und seine Gro\u00dfmutter &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10704\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10704\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}