{"id":10604,"date":"2011-12-11T00:54:16","date_gmt":"2011-12-10T23:54:16","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10604"},"modified":"2011-12-11T00:54:16","modified_gmt":"2011-12-10T23:54:16","slug":"in-pluschgewittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10604","title":{"rendered":"In Pl\u00fcschgewittern"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;In Pl\u00fcschgewittern&#8221; von Wolfgang Herrndorf, ebenfalls ein Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, ich glaube, es war bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/31\/offener-bucherschrank-und-rosa-winkel\/\">Er\u00f6ffnung von dem am Zimmermannplatz<\/a> und das vorvorletzte auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">&#8220;Hundertb\u00fccherliste&#8221;<\/a>, ist sehr interessant, denn \u00fcber den 1965 in Hamburg geborenen Autor ist sehr viel zu sagen. Erstens einmal ist das Buch, das 2002 bei &#8220;Zweitausendeins&#8221; erschienen und f\u00fcr die rororo Ausgabe \u00fcberarbeitet wurde, der erste Roman des Autors und mit &#8220;besonderen Dank Katrin Passig und Holm Friebe&#8221; gewidmet, der Autor ist auch inoffizieller Mitarbeiter der &#8220;Zentralen Intelligenz Agentur&#8221; und schreibt Beitr\u00e4ge f\u00fcr die &#8220;Riesenmaschine&#8221;. 2004 hat er auch beim Bachmannpreis gewonnen und diesen Fr\u00fchling war sein vierter Roman <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/20\/leipzig-in-den-wohnzimmern\/\">&#8220;Tschik&#8221; auf der Shortlist<\/a> bei Leipzigerbuchpreis, den dann Clemens J. Setz gewonnen hat. Der Autor konnte nicht nach Leipzig reisen,leidet er doch an einem Gehirntumor und schreibt dar\u00fcber seit 2010 in <a href=\"http:\/\/www.wolfgang-herrndorf.de\/\">&#8220;Arbeit und Struktur&#8221;<\/a>.<br \/>\nIrgendwo habe ich gefunden, da\u00df er seit seiner Krankheit sehr viel schreibt und so ist auch im November ein neuer Roman namens &#8220;Sand&#8221; erschienen und, da\u00df er viel mit Katrin Passig herumreist, habe ich auch wo gelesen.<br \/>\nAber zur\u00fcck zum Debutroman, bzw. zu der bei rororo erschienenen Fassung, die ich gelesen habe, die Erstfassung wird, entenehme ich Wikipedia, der Popliteratur zugeordnet und der Roman erinnerte mich auch an Thomas Glavinic, Thomas Klupp und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/01\/herr-lehmann\/\">Sven Regener<\/a>. Es geht um einen sehr orientierungslosen Drei\u00dfigj\u00e4hrigen und vielleicht auch um einen, der an einer Depersonalisierungsst\u00f6rung leidet und die entsprechende Verlinkung habe ich auch in dem Tagebuch von Wolfgang Herrndorfs Tagebuch wiedergefunden und nat\u00fcrlich geht es auch \u00fcber die Generation X. Das sind die, &#8220;die sich der Gesellschaft verweigern, ohne gegen sie zu protestieren&#8221;, also die, &#8220;die wahnsinnig intelligent und selbstbewu\u00dft als Kellner jobben, billige Drogen konsumieren und nachts im Bett Turgenejew lesen.&#8221;<br \/>\nDer Held ist ein namenloser Drei\u00dfigj\u00e4hriger \u00fcber den man auch sonst nicht viel wei\u00df, obwohl er pausenlos redet, monologisiert und denkt und am Beginn der Geschichte, \u00e4hnlich wie bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/08\/paradiso\/\">Thomas Klupps &#8220;Paradiso&#8221;<\/a> auf einer Autobahnrastst\u00e4dte steht, denn er hat sich gerade von seiner Freundin Erika getrennt und ihr geholfen die Wohnung auszur\u00e4umen, da sie nun in eine WG nach Frankfurt f\u00e4hrt. Irgendwo auf der Autobahn verabschieden sie sich voneinander, Erika fragt ihn noch nach seinen ersten Erinnerungen an sie und er kommt mit einem Kindergeburtstag bei Psychologeneltern daher, wo man sie meisten Worte aus dem Wort &#8220;Kaiser&#8221; finden soll und er findet &#8220;Erikas&#8221;, was aber nicht gilt, denn ein Name hat ja keinen Plural.<br \/>\nDer Drei\u00dfigj\u00e4hrige stammt auch von wahnsinnig liberalen Eltern, die ihre Kinder tolerant und vorurteilsfrei erziehen wollen, trotzdem sitzt er da als Kind und denkt sich Geschichten aus, da\u00df seine Eltern nicht seine Eltern w\u00e4ren und Neurodermitis kriegt er auch. Aber das ist erst sp\u00e4ter, als er sich in das M\u00e4dchen mit den hellblauen Jeans verliebt und wegen ihr in der Oberstufte Kunstgeschichte, Franz\u00f6sisch und Latein w\u00e4hlt und dann jahrelang in ihrer Klasse sitzt, um kein Wort mit ihr zu reden. Zu einer Beziehung kommt es erst ein paar Jahre sp\u00e4ter. Aber jetzt sind wieder ein paar Jahre vergangen, der Held ist Drei\u00dfig und stoppt nach Hamburg in sein Elternhaus, wo jetzt sein Bruder Volker und dessen schwangere Frau oder Freundin Marit leben. Wo die Eltern hin verschwunden sind, erf\u00e4hrt man nicht, wohl aber von den miesen Scherzen, die er mit der wahnsinnig toleranten Pastorentochter Marit macht und dann gibt es noch eine Gro\u00dfmutter, die im Sterben liegt und dorthin f\u00e4hrt er am n\u00e4chsten Tag. Da konnt dann eine schaurig sch\u00f6ne Stelle, von seiner Todesangst und dem Bild der Gro\u00dfmutter als junges M\u00e4dchen, der auch niemand gesagt hat, da\u00df sie Jahre sp\u00e4ter an Krebs sterben wird.<br \/>\nDer Held f\u00e4hrt aber nach Berlin um dort einen Freund zu suchen, sinniert eine Weile \u00fcber die Homosexualit\u00e4t herum, erlebt den Freund auch als Fremden, sucht nach einer Wohnung, verliebt sich in eine Frau namens Ines, was aber nicht klappt, versucht vergeblich einige Male Erika anzurufen, dann besauft er sich und irrt in diesem Zustand von Lokal zu Lokal, bevor er seinen Rucksack schnappt, er ist immer mit dem solchen unterwegs und sich bei einer Mitfahrzentrale nach Worms mitnehmen l\u00e4\u00dft. Der Laster f\u00e4hrt aber in Richtung Hamburg, der Fahrer versucht ihn anzubaggern und im letzten Kapitel sind wir wieder in der Villa bei Marit mit dem blauen Kleid und dem Einstich einer Infusionsnadel und ich bin mir nun nicht sicher, ob das Ich jetzt der, der bisherigen Erz\u00e4hlung oder der Bruder Volker, offenbar auch ein Psychologe, ist, jedenfalls gibt es Aufzeichnungen von dem \u00fcber seinen mi\u00dfratenen Bruder mit der Depersonalisationsst\u00f6rung, der die Geschichte weiter erz\u00e4hlt und der letzte Satz lautet &#8220;Wenn es ein Junge wird, werden wir es nach ihm nennen&#8221;, hat Marit gesagt und ich habe gelacht. Da kann man nur hoffen, da\u00df es kein Junge wird&#8221;.<br \/>\nGanz so spannend durchkonzipiert, wie man das von der Riesenmaschine immer h\u00f6rt, da\u00df man es tun mu\u00df, damit man den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/06\/wie-man-den-bachmannpreis-gewinnt\/\">Bachmannpreis gewinnt<\/a>, erscheint mir das Buch nicht. Ein bi\u00dfchen habe ich mich bei dem orientierungslosen Drei\u00dfigj\u00e4hrigen, der sich da so planlos durch das Leben s\u00e4uft nicht ausgekannt, aber die ersten Kapitel, wo er im fr\u00fcheren Kinderzimmer liegt und gro\u00dfspurig \u00fcber seine verlorene Jugend sinniert, habe ich sehr dicht gefunden, sp\u00e4ter in Berlin erschien es mir un\u00fcbersichtlicher und das viele R\u00e4sonieren \u00fcber die Homosexualit\u00e4t, hat mich auch ein bi\u00dfchen verwirrt, dachte ich, da w\u00e4ren wir schon weiter und es ist auch nicht ganz klar, ob in dem Buch die &#8220;Geistesschw\u00e4che&#8221; eines einzelnen Helden oder die der gesamten Gesellschaft angeprangert wird und, da\u00df Kinder machmal glauben ihre Eltern w\u00e4ren nicht die richtigen, z\u00e4hlt, glaube ich zu den ganz normalen Entwicklungsphasen, die Krankheit des Autors macht das Buch auch sicher noch ein bi\u00dfchen tragischer.<br \/>\nEs sind aber immer wieder sehr spannende Episoden eigef\u00fcgt, so die schon erw\u00e4hnte, bei dem Kindergeburtstag bei den Psychologeneltern, aber auch die, wo die Klasse einen Ausflug auf die Ostseite macht, um den &#8220;Frieden und die Sozialdemokratie oder auch nur Bl\u00f6dsinn zu erleben&#8221; und sein Freund Malte wettet, da\u00df der, der es schafft als l\u00e4ngster von der Grenzpolizei geflizt zu werden, von den anderen 10 Ostmark vom Zwangsumtausch bekommt. Malte schafft es sechs Stunden in der Kabine zu bleiben, kauft sich, um das  &#8220;Ost-Spielgeld&#8221; einen sozialistischen Trainingsanzug, den er dann aus dem Zugsfenster schmei\u00dft, in dem Buch wird \u00fcberhaupt viel weggeschmissen, sp\u00e4ter erz\u00e4hlt Malte seinem Freund dann, da\u00df er gar nicht so lange in der Kabine, sondern am KuDamm, im Bahnhof Zoo und im Kino war. Ja und Erika ist auch nie in Frankfurt angekommen, sondern hatte auf der Fahrt dorthin einen t\u00f6dlichen Autounfall.<br \/>\nThats live oder das Lebensgef\u00fchl der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen der Generation X und jetzt w\u00fcnsche ich Wolfgang Herrndorf f\u00fcr sein neues Buch und seine Gesundheit alles Gute, f\u00fcr &#8220;Tschik&#8221;, das ich nicht gelesen habe, hat er den Clemens-Brentano-Preis und den Jugendliteraturpreis 2011 bekommen, der Hans-Fallada-Preis ist 2012 dran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;In Pl\u00fcschgewittern&#8221; von Wolfgang Herrndorf, ebenfalls ein Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, ich glaube, es war bei der Er\u00f6ffnung von dem am Zimmermannplatz und das vorvorletzte auf meiner &#8220;Hundertb\u00fccherliste&#8221;, ist sehr interessant, denn \u00fcber den 1965 in Hamburg geborenen Autor &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10604\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10604","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10604"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10604\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}