{"id":10537,"date":"2011-12-09T00:00:02","date_gmt":"2011-12-08T23:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10537"},"modified":"2011-12-09T00:00:02","modified_gmt":"2011-12-08T23:00:02","slug":"tanz-in-den-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10537","title":{"rendered":"Tanz in den Mai"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt kein Weihnachtsbuch, obwohl Rudolf Lasselsberger &#8220;Tanz in den Mai&#8221;, gut zu dem vorher besprochenen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/07\/stellenweise-glatteis\/\">&#8220;Stellenweise Glatteis&#8221;<\/a> passt, versteht sich der, 1956 in Schlatten, N\u00d6 geborene, doch als Vertreter der Literatur der Arbeitswelt und ich habe ihn  auch kennengelernt, als ich 1987 zu der Schreibwerkstatt des Max von der Gr\u00fcn-Preises eingeladen wurde, da hat er, glaube ich, gewonnen und war in diesem Jahr auch Stadtschreiber von Linz und das Jahr 1987 passt auch ganz gut, spielt &#8220;Tanz in den Mai&#8221; doch Ende April Anfang Mai 1986 in Nieder\u00f6sterreich, s\u00fcdlich der Donau und ist soetwas wie ein Alltagsroman.<br \/>\nGewidmet ist er, der in diesem J\u00e4nner verstorbenen Nichte Rudi Lasselsbergers, die mir glaube ich, einmal <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/10\/zweimal-amerlinghaus\/#comments\">kommentierte<\/a> und die Personen, die in dem Buch vorkommen, haben, wie sich leicht erkennen l\u00e4\u00dft, bzw. Rudi Lasselsberger bei seiner Lesung am 9. November in der Alten Schmiede, die man auf seinen <a href=\"http:\/\/rudimenteloma2011.jimdo.com\/2011\/11\/13\/lesung-09-11-2011-alte-schmiede\/\">Blog per Video nachh\u00f6ren<\/a> kann, sagte, auch unschwer als die Lasselsbergerische Familie erkennen und, da\u00df der Franz, das Vorbild f\u00fcr den Rudi ist, habe ich schon auf Seite F\u00fcnf bei der Seite mit der \u00dcberschrift &#8220;Wien&#8221;, &#8220;Franz geht ins &#8220;K\u00fcnstlerhaus&#8221; zu einer Diskussion im Rahmen von &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221;, erkannt.<br \/>\nAber Georg, Karin, Gerti, Franz u.a kommen nur als Nebenpersonen vor, die Hauptpersonen sind Sabine 5, Andrea 29, Lehrerin, Elfriede, 48, Putzfrau und Anna, 76, Pensionistin, lauter starke Frauen halt, die da in Nieder\u00f6sterreich in &#8220;Fuchs&#8221; &#8220;Zett&#8221; und &#8220;Schlacken&#8221;, wahrscheinlich fiktive oder leicht ver\u00e4nderte Ortsnamen, wohnen, beziehungsweise den Alltag miteinander verbringen.<br \/>\nDen Alltag Ende April bis Anfang Mai 1986. Was war da los? Richtig, Rudi Lasselsberger genaue Aufzeichnungen der damaligen Rundfunk und Fernsehnachrichten bringen uns sofort hinein in die Geschichte der Zeit vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren. Da war Rudolf Kirchschl\u00e4ger noch Bundespr\u00e4sdident, zur Wahl trat aber Kurt Waldheim an und in Tschernobyl hat es die Atomkatastrophe gegeben und das alles bekommen, die Lehrerin Andrea, die mit ihrem Mann Georg und der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Sabine in einem F\u00f6rsterh\u00e4uschen lebt, die Gro\u00dfmutter Anna, die von Vroni versorgt wird und Elfriede, Mutter von Franz und Andrea  durch die Nachrichten im Fernsehen und Radio mit, w\u00e4hrend sie ihr Alltagsleben leben. Georg ist Musiker und f\u00e4hrt \u00f6fter mit seiner Band nach Wien zum Spielen, sonst verlegt er Fliesen in dem Haus und es gibt auch Spannungen zwischen ihm und Andrea, beziehunsweise Streitereien, wer von den beiden Sabine in den Kindergarten bringen soll? Sabine ist das aufgewckte Mausi, das den Lulli nicht aus dem Mund nimmt, wenn es mit der Gro\u00dfmutter spricht und beim Radfahren ins Salzstangerl bei\u00dft, soda\u00df es zu einem Umfaller kommt. Andrea mu\u00df nach Melk zu einer Tagung und verschaut sich da ein bisschen in ihren Kollegen Martin. Gro\u00dfmutter Anna macht Gurkensalat zum Abendessen, weil sie als Diabetikerin das fette Gselchte nicht mehr essen darf und schaut aus dem Fenster in den Nachbargarten, wo die Vroni und Lois wohnen, Mutter Elfriede ist Bedienerin in einer Stofffabrik, obwohl sie eigentlich Schneiderin werden wollte, aber daf\u00fcr war kein Geld da, so ist sie stolz auf ihre beiden Kinder und Franz, Andrea, Georg und Karin, eine Kollegin Andreas gehen auch \u00f6fter zusammen ins Wirtshaus, wo Franz &#8220;Drei Obstler&#8221; bestellt, &#8220;denn Obst ist gesund!&#8221;<br \/>\nVon solchen Scherzen lebt das Buch, das wieder, diesmal nicht mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/21\/willi-auf-kur\/\">Hand<\/a>, in der ber\u00fchmten Lasselsbergerischen Alltagssprache geschrieben ist. Es kommt da zu ganzen Dialogen, zwischen Mutter, bzw. Gro\u00dfmutter und Kind.<br \/>\nK\u00f6stlich der Dialog zwischen Elfriede und Sabine w\u00e4hrend des Fernsehschauens. Da wird der einundachtzigj\u00e4hrige Schriftsteller und Nobelpreistr\u00e4ger Elias Canetti vom B\u00fcrgermeister Zilk interviewt, der in seinem &#8220;schnorchelnden Hochdeutschwienerisch&#8221;, erz\u00e4hlt, da\u00df Canetti  der erste Schriftsteller ist, der in diesem Jahrhundert Ehrenb\u00fcrger der Stadt Wien wurde, w\u00e4hrend Sabine ein Cola haben will und fragt, ob die Oma auch einmal so wei\u00dfe Haare, wie der Nobelpreistr\u00e4ger bekommen wird? Damit ist sie nicht einverstanden, so l\u00e4\u00dft sie ihre Oma s\u00e4mtliche Haarfarben von kastanienbraun bis blau aufz\u00e4hlen, w\u00e4hrenddessen kommen die Nachrichten zum Pr\u00e4sidentschaftskanditaten W., der Sabine nicht gef\u00e4llt.<br \/>\nK\u00f6stlich und interessant, das Alltagsleben einer Familie in Nieder\u00f6sterreich, wo gebaut, gekauft, gekocht und gesoffen wird, w\u00e4hrend drau\u00dfen das Leben abl\u00e4uft, das wir vielleicht f\u00fcr wichtiger, literarischer und interessanter halten.<br \/>\nSo k\u00f6nnte man zu den Lasselsberger Roman vielleicht dasselbe sagen, was auch meinen Texten, die ich ja auch sehr gerne den Alltag <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_radiosonate.html\">mit<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_hunger.html\">Radiomeldungen<\/a> montiere, vorwerfen kann, da\u00df nichts Wichtiges passiert und es keine richtige Handlung hat, mir aber sehr sympathisch ist, weil ich mir bei all den spannenden Bachmannpreisromanen, die die unglaublichsten Wendungen in ihren Plot einbauen, nur damit den Lesern nicht langweilig wird und sie das Buch nicht emport wegschmei\u00dfen, ohnehin nicht recht geheuer ist, weil das, was man dann lesen kann, mit der Wirklichlichkeit oft nichts mehr zu tun hat.<br \/>\nAber doch, wird mir Rudolf Lasselsberger hoffentlich gleich widersprechen, denn das Wichtige ist ja der Alltag, das Zubereiten des Gurkensalates, das F\u00fcttern der Katzen und das Beobachten des L\u00f6wenzahns, weil man den Nachrichten, ob das Trinken der Milch und des Wassers und das Spielen der Kinder im Freien jetzt gef\u00e4hrlich ist oder nicht, wie wir, die wir April und Mai 1986 erlebt haben, aus Erfahrung wissen, ohnehin nicht trauen kann.<br \/>\nSeit dieser Zeit hat Rudolf Lasselsberger an dem Text gearbeitet und genaue Aufzeichnungen dar\u00fcber gemacht, wie er bei der Lesung in der Alten Schmiede erz\u00e4hlte und hinzuf\u00fcgte, da\u00df seine Gro\u00dfmutter, als er ihr sagte, da\u00df er \u00fcber sie schreiben will, meinte, er solle sich lieber mit der Kultur besch\u00e4ftigen, weil die wichtiger w\u00e4re, aber der Alltag ist das, wie Rudolf Lasselsberger mit Recht betonte, auch.<br \/>\nAlso ein sehr realistischer Roman eines Autors, der sich als experimentell versteht und deshalb bei seinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/02\/manner-in-schwierigkeiten\/\">Lesungen<\/a> immer sein Leiberl wechselt, dem Publikum seinen nackten Bauch darbietet und mit Mozartkugeln oder N\u00fcssen in die Menge schie\u00dft und die erste Auflage seines zweiten Romans, den ich mit ihm bei meiner Frauenlesung im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/24\/die-mittleren-v\/\">M\u00e4rz im Amerlinghaus<\/a> tauschte, auch selbst gemacht hat. In einer f\u00fcnfzig St\u00fcck Auflage und einer ISBN Nummer die das Geburtsdatum von Rudi Lasselsberger ist, ja der Autor ist sehr originell. Inzwischen scheint es aber eine zweite Auflage im selbstgegr\u00fcndeten Verlag mit richtiger ISBN-Nummer zu geben und eine Rezension von <a href=\"http:\/\/www.literaturhaus.at\/index.php?id=9202\">Ilse Kilic<\/a>, die sowohl im Literaturhaus-Archiv als auch im neuen Kolik erschienen ist, gibt es auch.<br \/>\nJa und bei meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/29\/das-alltagliche-leben\/\">&#8220;Alltagslesung&#8221; am 28. 5. 2011 im Amerlinghaus<\/a> und bei meiner letzten <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/06\/krilit-und-geburtstagslesung\/\">Geburtstagslesung<\/a> war der Rudi Lasselsberger auch.<br \/>\nUnd jetzt noch ein trauriger Nachtrag, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/11\/werner-kofler-ist-zu-spat\/\">Werner Kofler<\/a> ist, wie ich den Nachrichten entnahm und auch bei den Suchanfragen merken konnte, gestorben, der ja vielleicht auch ganz gut zum Schreiben von Rudi Lasselsberger passt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt kein Weihnachtsbuch, obwohl Rudolf Lasselsberger &#8220;Tanz in den Mai&#8221;, gut zu dem vorher besprochenen &#8220;Stellenweise Glatteis&#8221; passt, versteht sich der, 1956 in Schlatten, N\u00d6 geborene, doch als Vertreter der Literatur der Arbeitswelt und ich habe ihn auch kennengelernt, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=10537\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-10537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10537"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10537\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}